Wie sozial ist Social Media – Twitter, Facebook und der Blog

Immer mehr soziale Dienste ploppen im virtuellen Raum auf. Wir sind alle vernetzt, haben unzählige Facebook-Freunde, zwitschern munter über unseren Twitter-Account und haben jede Menge Spaß dabei.

Social Media ist schon lange zu einem Grundpfeiler geworden, um im Internet Geld zu verdienen, den Blog bekannt zu machen und sich schlicht und ergreifend mit Freunden auszutauschen.

Dabei stellt sich aber schnell die Frage, welche Bedeutung diese Dienste für den eigenen Blog haben und in welcher Form das Verhalten via Twitter und Co sich vom wahren Leben differenzieren lässt.

Dabei gibt es jede Menge Vorteile, aber eben auch eine Kehrseite. Stellen wir uns also die Frage: Wie sozial ist Social Media und was das für meinen eigenen Blog bedeutet.

Wie sozial ist Social Media?

Wie sozial ist Social Media?Vor Äonen registrierte ich mich bei studiVZ, sattelte später auf Facebook um und spätestens seitdem ich blogge, nutze ich Twitter und neuerdings Google Plus. Artikel: Studie zu Social Media

Erinnere ich mich aber an den Anfang, fallen schnell Begriffe wie ‚Troll‘, Spammer in Chaträumen und nervende Beitragssammler in Foren.

Hier spielen viele Faktoren eine Rollen, so haben wir es im Internet nämlich…

  • mit einer größeren Öffentlichkeit,
  • einer kleineren Distanz
  • und der Anonymität

zu tun. Das heißt unterm Strich, dass wir mehr Menschen unsere Meinung mitteilen, lediglich ein Monitor zwischen Schreibendem und Lesendem steht und wir in der Regel nicht wissen, mit wem wir es überhaupt zu tun haben.

Das ist ein bekanntes Phänomen á la ‚Keiner weiß um meine Missetat, ich kann mich verhalten, wie ich will‘. Schon Platon verbindet den Wunsch ‚ungesehen‘ zu sein mit der Tarnkappe und schlussfolgert, dass ich mich selbst mehr traue, wenn mich keiner sieht.

Das hat natürlich zur Folge, dass kein Blatt mehr vor den Mund genommen und behauptet wird, was gerade zwischen Haupthaar und Frontallappen Platz hat. Wir distanzieren uns von der Wirklichkeit, wenn wir allein sind und trotzdem kommunizieren. Häufig fällt es dabei natürlich schwer, das Gegenüber wirklich wahrzunehmen, wenn es schlicht und ergreifend gar nicht da oder erkennbar ist.

Doch was bedeutet diese kleine Feststellung jetzt für unseren eigenen Blog. Hat das Auswirkungen? Ich bin dabei geteilter Meinung.

Social Media und der Blog – Die Kehrseite einer multimedialen Offenheit

Stellen wir uns doch eine ganz normale Situation vor. Ich gehe morgens zum Bäcker, kaufe mir eine frische Tüte Brötchen, bezahle und gehe. Dabei rempel ich jemanden an und entschuldige mich. Vielleicht reagiert diese Person über oder tut das Ganze mit einem Lächeln ab. Kein Problem, ich kann Frühstück machen und besonnen in den Tag starten.

In einem Blog schlagen aber plötzlich ganz andere Wellen und die Distanz schwindet, das Lächeln wird zum gehässigen Kommentar. Ein Artikel über die Bäckerei erntet plötzlich ganz andere Meinungen, der Service ist plötzlich ‚scheiße!‘, die Bedienung ‚unhöflich‘ und die Kundschaft nahezu ‚rüpelhaft!‘

Ja, warum auch nicht? Eben, wir sind anonym und können sagen, was wir denken. Dabei wird häufig ausgeblendet, dass das Personal und die Kundschaft gewissermaßen zu Mitwissern werden, unseren Beitrag lesen und schlicht und ergreifend verletzt sind. Zwar bin ich selbst anonym, aber die Meinung ist in Stein, das soziale Medium oder den Blogbeitrag gemeißelt.

Die Vorteile der Offenheit via Social Media

Nun habe ich behauptet, dass  soziale Dienste häufig eine gewisse Distanz zwischen Schreibenden und Lesenden aushebeln. Klar, sehen wir doch immer häufiger Beleidigungen und seltsames Gehabe zwischen Tweets, Statusmeldungen und Co. Andererseits offerieren wir so eine Offenheit, die wir auch auf der anderen Seite plötzlich merken und die ebenso eine vorteilhafte Ebene mit sich führt. Nämlich die Offenheit selbst.

Scheue ich mich noch in der Bäckerei, traue mich bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion nicht, habe Angst, mich im Hörsaal zu blamieren, bietet mir das Medium Blog doch plötzlich die Möglichkeit, meine Meinung zu einem bestimmten Thema ganz offenherzig darzulegen. Zwar weicht die Distanz, aber auch das kann natürlich gut sein. Vielleicht erreiche ich so sogar im Umkehrschluss Menschen, die ich in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen oder ignoriert hätte.

Es wird nicht nur deutlicher kritisiert, nein, ebenso offenherziger gelobt, empfohlen und besungen. Soziale Medien nehmen uns vielleicht die Scheu und fördern einen brachialen Umgangston, setzen aber auch andere Kanäle frei. Denn letzten Endes funktioniert für mich so die Plattform Twitter oder das Freunde-Netzwerk Facebook. Ich zeige, was mir gefällt und was eben nicht. Dabei kann ich beleidigend sein, aber eben auch zwitschernd meine Zuneigung bekunden.

So würde ich, aufgrund von einer etwaigen Scheu, nie im Leben durch die Straßen laufen und jedem Passanten einen Blog-Beitrag mittels URL um die Ohren hauen, würde mich nicht auf den Balkon stellen und Flyer zum Thema ‚Geld verdienen im Internet‘ in die Massen werfen. Warum? Macht man nicht, gehört sich nicht.

Ich bekunde also in einer distanzlosen Öffentlichkeit, was ich denke. Das hat zum Einen den faden Beigeschmack, dass ich gegebenenfalls über die Stränge schlage, aber reziprok eben auch auf meine ganz besonderen Schätze verweise und der Welt eventuell einen Mehrwert biete, den ich an der Aldi-Kasse nicht geteilt hätte.

Die neue Offenheit der Dinge und Social Media im Blog

Für Blogs hat diese Öffentlichkeit sogar noch einen ganz anderen Nutzen. Ich werde geteilt, empfohlen und von den virtuellen Bäume gezwitschert. Das soziale Netzwerk schläft nicht, beleidigt und gibt eben offen preis, was es denkt. Dabei muss ich lediglich darauf achten, meine Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Schreibe ich beispielsweise in einem Beitrag, dass es doch möglich ist, im Internet Geld zu verdienen und behaupte auf einer anderen Plattform das absolute Gegenteil nehme ich mir selbst das, was ich aufgebaut habe.

In Blog, aber auch den geläufigen sozialen Diensten, werden nämlich andere Strukturen bedient, als wir sie im wahren Leben kennen. Es entwickeln sich parallel zur wirklichen Gesellschaft ganz neue Hierarchien heraus, die einer anderen Struktur unterworfen sind und somit anderen ein Sprachrohr geben. Das hat den Vorteil, dass ich mich mit Nischenblogs positionieren und behaupten kann.

Möglichkeiten der Offenheit im Internet und durch Social Media

Haben wir auf dem Schulhof, in der Uni oder am Arbeitsplatz manchmal recht scharfe Trennlinien, sind wir doch in der Anonymität vorerst alle gleich. Natürlich kann sich das auf eine lange Sicht ändern, aber anfangs spielen wir mit den gleichen Karten. Einem leeren Twitter-Profil, dem keiner folgt, einem RSS-Feed, der leer ist und einer Meinung, die ungehört bleibt.

Durch das offene Transportieren gewisser Nachrichten nach dem einfachen Muster ‚gut‘ und ‚schlecht‘ können wir uns jedoch eine ganz eigene, minimale digitale Gesellschaft schaffen, die unsere Gefüge maßgeblich beeinflusst. Das heißt also, ich brauche keine äußeren Merkmale, um erfolgreich oder beliebt zu sein, sondern lediglich eine entsprechende, fundierte Meinung, die für meine spezielle Zielgruppe relevant ist.

Ich vernetze mich über den gesellschaftlichen Rahmen hinaus und gebe einem Börsenmakler Tipps, wie ich zum Thema ‚Geld verdienen im Internet‘ stehe, ich helfe einem Immigranten dabei, einen Blog zu starten und helfe einem CDU-Kandidaten beim Aufsetzen von WordPress.

Ich bin somit zwar gegebenenfalls auf ein Thema reduziert, kann aber in diesem punkten und somit ein Gefälle des Sozialen begünstigen, das mich und meinen Blog in einem ganz anderen Licht darstellt.

Der richtige Umgangston, ein Fazit – Blogs, Social Media und Co

Ich kann mich deutlich artikulieren, wie Sascha Lobo teils sogar provozieren und das auch gewollt. Dennoch muss ich einen Umgangston wahren, der meinen Standpunkt fundiert darlegt. Natürlich sind Beleidigungen nicht unbedingt förderlich und wir haben gesehen, dass zwei Seiten eine Rolle spielen.

Einerseits kann ich machen, was ich will und somit positive, aber auch negative Dinge bewirken. Ich sollte aber dennoch auf den richtigen Umgangston achten, denn meiner Meinung nach bleibt sinnloses Beleidigen und Getrolle meistens eh ungehört. Ich forciere eine Zielgruppe in diesem Blog. Kommentare, die einfach sinnlos und beleidigend sind, sortiere ich per Hand aus und habe sie morgen wieder vergessen.

Wer also gehört werden will, sollte diese neue Offenheit als nützlich betrachten und daraus etwas entwickeln.

Dass soziale Dienste also eine neue Offenheit ermöglichen, ist meines Erachtens nicht schlimm. Ich kann mich diesem ebenso entziehen, wie ich mich darauf einlassen kann. Andererseits ermöglicht eben die enorme Reichweite der Vernetzung, dass ich diejenigen erreiche, die sich wirklich für das Thema interessieren. Dabei geht es mir natürlich nicht um ausufernde Facebook-Parties oder das Mobben via Twitter.

Es geht eher darum, dass ich Möglichkeiten finden kann, die meinen eigenen Horizont erweitern, mir einen anderen Kommunikationskanal verschaffen und somit eine Alternative zum beschränkten Umfeld bieten.

1 Meinung

  1. So wie du es auch schon richtig schreibst sollte der Umgang von Social Media bzw. Richtlinien oder Guidelines definiert werden bzw. den Kindern und jugendlichen von heute die Problematik erklärt werden. Das gleich gilt auf für Firmen.