Wie melde ich ein Gewerbe an? Wann muss ich ein Gewerbe anmelden?

In diesem Blog geht es um das Geld verdienen im Internet. Ja, der Fokus liegt auf dem Affiliate-Marketing, dem Bloggen und anderen Spielereien um sich online etwas dazuzuverdienen.

Wenn diese Ideen fruchten und der erste Rubel rollt, stellt sich allerdings die Frage, ob man für seine Einnahmen ein Gewerbe anmelden muss.

Immerhin sprechen wir dann von einer Gewinnerzielungsabsicht und diese ist eben ein Tatbestand des Gewerbes und geht idealerweise über die reine Kostendeckung hinaus.

Doch was muss man dabei alles bedenken und wer muss überhaupt ein Gewerbe anmelden? Werfen wir einen Blick auf die Gewerbeanmeldung und die damit verbundenen Schritte. Auf geht’s…

Wann muss ich ein Gewerbe anmelden?

Ein Gewerbe musst Du dann anmelden, wenn Du nebenher Geld verdienen willst und kein Freiberufler bist. In der Regel trifft dies nicht zu und nahezu jeder fällt in das Raster Gewerbetreibender.

Hierbei gilt, dass Du ein Gewerbe anmelden musst, wenn

  • eine Gewinnerzielungsabsicht vorliegt,
  • eine Teilnahme am wirtschaftlichen Verkehr mit Dritten ersichtlich ist und
  • eine Wiederholungsabsicht besteht.
  • Du selbständig tätig bist und Deine Handlungen selbst verantwortest

Diese Punkte lassen sich im §15 Abs. 2 EStG nochmals nachlesen. Allerdings müssen nicht alle Aspekte auf uns zu treffen, auch wenn es bei den meisten Gewerbetreibenden der Fall ist.

In der Vergangenheit habe ich öfters die Frage gelesen, ob diese Festlegungen dehnbar sind. Denn was ist denn, wenn ich mit GoogleAdsense, meinen Affiliate-Bemühungen und dem ganzen Marketing-Spaß keinen einzigen Cent verdiene. Oder mir einfach nicht auszahlen lasse.

Nun…, höchstwahrscheinlich wird kein Finanzamt mit den Hufen scharren, wenn Du 3 Euro am Fiskus vorbeiführst. Rechtens ist das allerdings trotzdem nicht.

Der normale Weg sieht vor, dass wir ein Gewerbe anmelden, wenn wir im Internet Geld verdienen. Ganz gleich, wie groß der Umfang oder eben Erfolg aussieht.

Kurzum: Jede Seite und alle Blogs, die Adsense, Linkverkauf, Affiliate-Marketing oder eine Abart des Ganzen nutzen, sind dazu verpflichtet, ein Gewerbe anzumelden.

Wenn Du also die Absicht hast, in Deutschland diesbezüglich Fuß zu fassen, ist die Gewerbeanmeldung verpflichtend, bindend und nicht zu umgehen. Nein…, wirklich nicht!

Hinweis: Verzeih diese Wiederholungen, Dopplungen und auch den erhobenen Zeigefinger. Aber alles andere ist eben Quatsch. Die Gesetzlage sieht es ebenso vor und daran sollte man sich halten.

Ich bin nicht gewillt, irgendwelche skurrilen Möglichkeiten und Schleichwege aufzuzeigen, die letzten Endes nur Probleme mit sich bringen und unser Onlinebusiness gekonnt gegen die Wand setzen.

Doch weiter im Text. Denn manchmal unterscheidet sich dieser grundlegende Gedanke von der realen Praxis. Der Weg zum Gewerbeamt ist nämlich verpflichtend, muss allerdings nicht die allererste Unternehmung sein.

Wenn wir lediglich einen Blog unser Eigen nennen oder eine statische Seite betreiben, hat das noch lange nichts mit der benannten Gewinnerzielungsabsicht am Hut. Das können wir nämlich auch in unserer Freizeit machen, ganz einfach, weil es uns Spaß macht.

Erst in dem Augenblick, wo wir beginnen, Werbeanzeigen zu schalten oder aktiv nach Werbekunden suchen, liegt diese Absicht vor und der Weg zum Wirtschaftsamt, Ordnungsamt oder eben Gewerbeamt ist unabdingbar.

Was brauche ich für die Gewerbeanmeldung?

Als ich vor rund 6 Jahren ein Gewerbe anmelden musste, habe ich das mit sehr viel Aufwand verbunden. Deshalb habe ich den Spaß auch lange hinausgezögert und bin erst auf den letzten Drücker zum zuständigen Amt gepilgert.

Damals war ich verblüfft, dass die Anmeldung letzten Endes ganz einfach ist.

Wir benötigen für die Gewerbeanmeldung lediglich:

  • Einen gültigen Personalsausweis
  • 10 bis 30 Eurohängt von der Stadt ab
  • Eine Vorstellung davon, wie die ausgeübte Tätigkeit zu bezeichnen ist

Die ersten beiden Aspekte sollten klar sein und brauchen wohl keine Erläuterung. Unser Tätigkeitsbereich ist allerdings essentiell und wir sollten ganz genau überlegen, was wir in diesem Bereich (Gewerbezweck) eintragen.

Idealerweise bleiben wir konkret und beschreiben ganz genau, wie wir zukünftig mit unserem Gewerbe Geld verdienen wollen (notfalls ein zusätzliches Blatt verwenden, da die Spalte recht klein ist) und bleiben dabei trotzdem ein wenig unklar.

Die Begründung ist, dass wir das Gewerbe nämlich zum angeführten Zwecke anmelden und eine Änderung diesbezüglich mit weiteren Kosten verbunden ist.

Die Bezeichnung „Blog betreiben und Textaufträge“ ist meines Erachtens zu weitläufig, wohingegen „bezahlte Artikel verfassen“ ein wenig zu eng erscheint. Wir wollen ja gegebenenfalls noch weitere Einnahmequellen erschließen.

Im Bereich des Bloggens empfehlen sich folglich:

  • Internetmarketing
  • Betreiben von Webseiten zum Zwecke der Monetarisierung
  • Handel (auf Provisionsbasis) mit digitalen Gütern
  • bezahlte Textarbeit, Schreibaufträge und Handel im Internet

Ich habe damals jede Menge dort angeführt, um sicherzugehen. Ob das notwendig ist, kann ich nicht einmal beurteilen.

Allerdings sitzt man ja nicht allein dort, sondern hat einen Sachbearbeiter vor Ort, der einem bei allen Fragen unter die selbständigen Ärmchen greifen kann.

Meistens wissen diese eh besser, welcher Gewerbezweck ratsam erscheint. Gerade in größeren Städten sind auch die Begriffe Affiliate-Marketing, Bloggen und SEO keine Fremdwörter mehr 😉

Notizen und Listen anlegenWenn wir das Formular korrekt ausgefüllt und die Bearbeitungsgebühr entrichtet haben, sind wir im Eigentlichen auch schon fertig.

Der Gewerbeschein wird uns umgehend ausgestellt und wir können beginnen, Geld zu verdienen, Rechnungen zu stellen und sind fortan stolze Selbständige.

Insgesamt dauert das vielleicht 60 Minuten und lediglich die Wartezeit nimmt Raum ein, wenn wir das Gewerbe anmelden.

Aber auch wenn diese Schritte schnell erledigt und wir fortan Gewerbetreibende sind, kommt im Nachhinein noch ein wenig mehr auf uns zu. Das Wesentliche haben wir aber an dieser Stelle hinter uns und befinden uns auf der sicheren Seite.

Die IHK und das Finanzamt

Nach rund zwei Wochen sollten wir Post vom zuständigen Finanzamt und der IHK (Industrie- und Handelskammer) im Briefkasten haben. Aber keine Sorge, die brauchen lediglich ein paar Angaben von uns.

Vom Finanzamt erhalten wir einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, in dem wir Auskunft darüber geben, welche Umsätze und Gewinne wir im kommenden Jahr erwarten. Natürlich müssen wir auch unsere Steuernummer – die uns durch das Finanzamt in diesem Schreiben mitgeteilt wird – und ein paar persönliche Angabe vermerken.

Das ist im Grunde recht einfach. Lediglich bei den potentiellen Einnahmen würde ich anfangs vorsichtig sein und lieber weniger angeben, als ich letzten Endes erwarte. Sonst müssen wir schon vorab Steuern zahlen, was mitunter gar nicht notwendig ist.

Allerdings bringt es auch nichts, hierbei zu tief zu stapeln, denn dann kommen horrende Nachzahlungen auf uns zu. Das kannst aber nur Du selbst errechnen und notfalls empfiehlt sich der Gang zum Steuerberater Deines Vertrauens.

Weiterhin geben wir bei diesem Fragebogen an, ob wir unser Unternehmen/Gewerbe als Kleinunternehmer führen möchten.

Das ist gerade anfangs sinnvoll, falls wir nicht mit enormen Einnahmen rechnen (unter 17.500€ pro Jahr), denn dann müssen wir keinerlei Umsatzsteuer abführen. Allerdings können wir anfallende Ausgaben dann auch nicht als Vorsteuer geltend machen.

Hierbei ist es ratsam, einmal ganz genau zu überlegen, welche Einnahmen denn wirklich drin sind. Es bringt einfach nichts, sich selbst in die Taschen zu lügen und einen monetären Höhenflug zu wagen.

Ich würde aber empfehlen, gerade im Bereich des Bloggens, vorerst die Kleinunternehmerregelung wahrzunehmen und das Ganze realistisch anzugehen. Ändern kann man das im Nachhinein immer noch.

Wer ein Gewerbe anmeldet, ist allerdings auch verpflichtet, ein Teil der IHK zu werden. Dabei wird eine Beitragspflicht erhoben, die allerdings entfällt, wenn wir unter 5.200€ jährlich oder weniger als 25.000€ in den ersten beiden Gründungsjahren verdienen.

Das Gewerbe ist angemeldet – Und jetzt?

Herzlichen Glückwunsch. Fortan kannst Du Dich als Gewerbetreibender bezeichnen und bist offiziell selbständig.

Nun darfst Du Geld verdienen, Dich Deiner Einnahmen erfreuen und musst gegebenenfalls Steuern zahlen. Dieser Punkt ist natürlich sehr wichtig und wir müssen zwischen den folgenden Steuerleistungen unterscheiden.

1. Mehwertsteuer/Umsatzsteuer

Von dieser sind wir befreit, wenn wir weniger als 17.500€ im Kalenderjahr verdienen und unter die Kleinunternehmerregelung fallen. Für uns bedeutet es, dass wir unsere Rechnungen ohne diesen Punkt ausweisen (19%), die wir normalerweise immer auf den Preis anrechnen.

Tipp: Wie schreibe ich eine Rechnung?

2. Einkommensteuer

Die Einkommensteuer ist für jeden wichtig, der ein Gewerbe anmelden will. Sie ist ab einem Freibetrag von 8.004€ fällig und nicht pauschal zu errechnen. Sie hängt nämlich stark von unseren Einnahmen ab. Letzten Endes zahlen wir einen Steuerbetrag zwischen 14% und 42%, der sich an der Höhe unserer Einkünfte orientiert.

3. Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer wird auf alle Einnahmen über 24.500€ fällig. In diesem Fall bezieht sie sich übrigens wirklich nur auf alles, was darüber liegt und nicht auf die Summe selbst. Das sollte anfangs keine Rolle spielen. Sie hängt maßgeblich vom Gewerbesteuersatz Deiner Gemeinde ab.

Hinweis: Ganz genau habe ich das im Artikel Ich bin Blogger! Bin ich auch Unternehmer? geschildert, wo Du weitere Informationen zu Buchhaltungspflicht und den einzelnen Steuern findest.

Gewerbe anmelden – Ein Fazit

Theoretisch hast Du nun alle Dinge gelernt, die für das Anmelden eines Gewerbes vonnöten sind. Es ist alles nämlich gar nicht so schwer und der Aufwand hält sich in Grenzen.

Allerdings ist es ratsam, die Gewerbeanmeldung zügig anzugehen und dabei nicht zu trödeln. Auch wenn wir bis zu 3 Monaten rückwirkend ein Gewerbe anmelden können, ist der Aufwand recht gering und wir sollten den Spaß hinter uns bringen.

Weiterhin ist es natürlich sinnvoll, sich über die Fülle von Rechtsformen zu informieren, denn nicht für jeden ist der Gewerbeschein der richtige Weg in die selbständige Tätigkeit.

Manch einer sollte vielleicht lieber eine kleine GmbH gründen oder eine ganz andere Rechtsform wählen, um den Sprung in die Selbständigkeit zu meistern. Aber das ist natürlich Dir überlassen und hängt von diversen Faktoren ab, die ich in einem weiteren Artikel erläutern werde.

Hinweis: An dieser Stelle möchte ich Dir noch meine Übersicht von 150 kostenlosen eBooks empfehlen. Dort findest Du unter dem Punkt Selbständigkeit jede Menge kostenlose Informationen und Hinweise und ebenso Tipps und Tricks für die Gewerbeanmeldung.


Wie sieht es bei Dir aus? Hast Du ein Gewerbe angemeldet oder steht Dir der Weg zum Gewerbeamt kurz bevor? Ich freue mich über Deine Hinweise und Ergänzungsvorschläge in puncto „Gewerbe anmelden – was muss ich tun?“

7 Meinungen

  1. Alex06-21-2012

    Danke für diesen reichen Artikel, ich muss mich sputen und endlich in Angriff nehmen. 😉

    Grüße

  2. _nico06-21-2012

    Hi, du hast glaube ich die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer vergessen oder kommt dazu ein eigener Artikel?

    Beispielsweise brauchst du diese zwingend für AdSense, Amazon PartnerNet, etc. weil diese Unternehmen nicht in Deutschland ansässig sind und vom Reverse-Charge-Verfahren gebrauchen machen.

    Kommt noch ein extra Artikel dazu? Des Weiteren sollte man noch die Umsatzsteuer-Voranmeldung (nicht beim Kleinunternehmer) und Zusammenfassende Meldung erwähnen.

    Gruß Nico

  3. Michel07-11-2012

    Ein sehr guter Artikel, der alles wichtige enthält was man braucht. Vielen Dank für die Ausführungen!

  4. Alex07-18-2012

    Vielen Dank für den guten Beitrag. Wie sieht es mit der Krankenkasse aus? Ab welchem Zeitpunkt muss ich mich selber Versichern wenn ich noch einem Festen Job nachgehe? Bringt ja nichts mich Selbstständig zumachen 3 Euro von Adsense zu bekommen und mich selber für 200 Euro im Monat Versichern zu müssen. Würde mich freuen wenn du drauf noch eingehen könntest.

  5. Super Artikel, der das Thema mal strukturiert aufgreift. Bin nach einiger Zeit via Google zum Glück hier gelandet. Ich frage mich nur, was genau du mit Handel meinst? Greift das für Affialiate Programme?