Was ist die Umsatzsteuer und wofür braucht man eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer?

Vor wenigen Tagen habe ich einen Artikel darüber geschrieben, wie wir den ersten Schritt in die Selbständigkeit wagen und ein Gewerbe anmelden.

Der Beitrag fand großen Anklang und wurde in der Zwischenzeit recht häufig gelesen. Ich habe versucht, alle Fragen diesbezüglich im Text zu beantworten, doch einiges blieb ungeklärt.

Da ich nicht Äpfel mit Birnen vermengen möchte, habe ich mich entschlossen, einen separaten Artikel über die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer zu schreiben, die für internationale Geschäfte wichtig ist.

Was sich nach langweiligem Steuerkram anhört, ist vor allem für Blogger und Online-Marketer sehr spannend und bringt jede Menge Vorteile.

Was ist die Umsatzsteuer?

Umsatzsteuer - Bild

Bevor ich im weiteren Verlauf ganz konkret über die Vorteile der USt-IdNr. zu sprechen komme, wie man sie beantragt oder auch überprüft und welche Dinge sie uns ermöglicht, möchte ich Dir erklären, was die Umsatzsteuer überhaupt ist. (Direkt zu Was ist die UStIdNr.? springen.)

Die Umsatzsteuer sollte jeder Selbständige kennen, denn in dem Augenblick, wo wir eine Rechnung stellen, sollten wir sie veranschlagen. Immerhin müssen wir sie ans Finanzamt abführen, ganz egal, ob wir sie auf unseren Kunden abgewälzt haben oder eben nicht.

Umsatzsteuer: […] ist eine Steuer, die den Austausch von Lieferungen und Leistungen (= Umsatz) besteuert. Bemessungsgrundlage ist der Erlös, den ein Unternehmer für seine Leistungen im Inland erzielt.

Die Umsatzsteuer wird prozentual vom Nettoerlös berechnet und bildet zusammen mit diesem den vom Lieferungs-/Leistungsempfänger zu entrichtenden Preis. Die Umsatzsteuer gehört formal nicht zu den betrieblichen Kosten und mindert nicht den zu versteuernden Ertrag des Unternehmers. Quelle

Was sich hier alles ganz kompliziert anhört, ist im Grunde ganz einfach und ich vermenge jetzt bewusst einige Begriffe miteinander, um sie im Nachhinein wieder aufzulösen. Keine Panik, der Spaß ist recht simpel, wenn die Unterscheidung nur einmal klar ist.

Eigentlich könnte man sagen, dass die Umsatzsteuer der Mehrwertsteuer entspricht. Diese kennt jeder und ein Blick auf den letzten Kassenbon bestätigt das. Hierbei wird ersichtlich, dass wir auf Rindergulasch, Gewürzgurken und Co jedes Mal einen zusätzlichen Beitrag entrichten, der separat auf dem Beleg ausgewiesen wird.

Denn wir berappen tagtäglich eine Mehrwertsteuer, die auf Waren und Dienstleistungen berechnet wird und letzten Endes in die Hände des zuständigen Finanzamts fließt. Dieses leitet es in der Folge an Bund und Länder weiter, die damit wunderbare Dinge machen oder es lieblos unterschlagen. Der letzte Wursteinkauf refinanziert also unterm Strich das deutsche Bildungssystem – großartig!

Nun ist es aber verwirrend, Umsatzsteuer und Mehrwertsteuer synonym zu verwenden und von daher möchte ich sie einmal unterscheiden, auch wenn sie im alltäglichen Sprachgebrauch nahezu identisch genutzt werden. Jedenfalls vom Otto-Normalverbraucher, der zwischen Gouda und Aspik an der Aldikasse wartet.

Allgemein könnte ich sagen, dass die Umsatzsteuer der absolute Oberbegriff ist, der aus einer Harmoniserung des deutschen Steuersystems im Jahr 1967 hervorging und die Vorsteuer und Mehrwertsteuer umschließt.

Die Umsatzsteuer - Mehrwertsteuer und Vorsteuer

Dabei ist die Vorsteuer das, was ein Unternehmer (bspw. ich als Blogger) an Mehrwertsteuer an andere Dienstleister bezahlen musste. Vielleicht weil er Leistungen, Rohstoffe oder auch Waren erwarb.

Diese Ausgaben kann er beim zuständigen Finanzamt als Vorsteuer geltend machen und eben von der Mehrwertsteuer, die er selbst abführen müsste, abziehen.

Artikel-Tipp: Umsatzsteuervoranmeldung – Fristen, Grenzen, Verlängerung

Was ist die Umsatzsteuer-Idenfikationsnummer?

Nun habe ich jede Menge über die Umsatzsteuer geschrieben und ich hoffe, dass halbwegs klar geworden ist, was es damit auf sich hat und was man gemeinhin darunter versteht.

Die Umsatzsteuer ist ein wesentlicher Bestandteil einer jeglichen Geschäftsbeziehung und wird meistens pauschal auf Rechnungen ausgewiesen. Wer diese Kosten übrigens nicht an seine Kunden abwälzt, zahlt eben selbst drauf.

Die Umsatzsteuer-IdentifikationsnummerNormalerweise geben wir auf einer Rechnung unsere Steuernummer an, die jedem Unternehmer durch das Finanzamt zugewiesen wurde.

So können Unternehmer in ganz Deutschland Rechnungen stellen und ihre Leistungen anbieten.

Natürlich können wir auch international eine Rechnung stellen, sind dabei dann aber an die Mehrwertsteuer gebunden.

Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ermöglicht es uns, Geschäfte innerhalb der EU – also außerhalb von Europa – durchzuführen und dabei auf eine Umsatzsteuer zu verzichten.

Das ist sehr praktisch, da es uns von der Umsatzsteuerpflicht gegenüber dem Finanzamt gewissermaßen entbindet und das erspart Wege und natürlich auch Kosten.

Gerade für Blogger und Online-Marketer kann dieser Aspekt sehr spannend sein:

Immerhin haben viele Plattformen (bezahlte Artikel, Werbung, Affiliate-Marketing) einen Sitz im europäischen Ausland und jedes Mal, wenn wir eine geschäftliche Beziehung mit diesen Partnern aufbauen, fallen unnötige Kosten an. Diese lassen sich aber vermeiden, wenn wir auf das Ausführen der Umsatzsteuer verzichten können.

Im Klartext heißt das, dass ein ausländischer Geschäftspartner unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen kann, ohne die obligatorische Umsatzsteuer zahlen zu müssen. Aber natürlich gilt das auch andersherum, wenn wir Waren oder eben Leistungen kaufen wollen.

Diese Geschäfte sind allerdings nur dann umsatzsteuerfrei, wenn beide Parteien im Besitz einer gültigen Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) sind.

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer beantragen

Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer kann jeder Unternehmer, der vom Finanzamt umsatzsteuerrechtlich geführt wird, beantragen.

Die USt-IdNr. lässt sich auf mehreren Wegen beantragen, wobei ich nicht einschätzen kann, welche Möglichkeit für Dich ideal ist. Ich selbst würde den letzten Weg vorziehen.

1) Schriftlichen Antrag stellen

Einerseits können wir einen schriftlichen Antrag stellen, um die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer zu beantragen. Hierbei wenden wir uns an die folgende Adresse:

Bundesamt für Finanzen
Außenstelle –
Industriestraße 6
66740 Saarlouis 

In unserem Anschreiben muss unser Name, die Anschrift und natürlich unsere Steuernummer aufgeführt sein. Außerdem müssen wir angeben, bei welchem Finanzamt wir geführt werden.

2) Online-Formular nutzen

Weiterhin können wir die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer auch online beantragen. Dafür nutzen wir lediglich diesen Link und geben alle erforderlichen Daten ein. Das funktioniert recht unkompliziert und ist eine Sache von wenigen Minuten.

3) USt-IdNr. telefonisch erfragen

Außerdem können wir die USt-IdNr. telefonisch beantragen. Dafür wenden wir uns an die +49-(0)228-406-1222, halten alle erforderlichen Daten bereit (Name, Anschrift, Steuernummer und das zuständige Finanzamt) und bekommen in der Regel schon im Gespräch unsere USt-IdNr. mitgeteilt.

Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer und die Rechnungen

Wie schreibe ich eine Rechnung?Nun habe ich geschrieben, dass wir durch die USt-IdNr. die Möglichkeit haben, Geschäfte in der EU zu tätigen, ohne dabei Umsatzsteuer auszuweisen.

Allerdings setzt das zwingend voraus, dass beide Geschäftspartner eine solche IdNr. besitzen.

Hierbei ist weiterhin zu beachten, dass auch beide Nummern auf der Rechnung aufgeführt werden – nicht nur die eigene.

Beispiel: Gehen wir davon aus, ich verkaufe meine Waren nach England. Mein englischer Geschäftspartner erfreut sich dieser und ich stelle ihm eine Rechnung.

Hierbei müssen die USt-IdNr. beider Partner, also vom englischen Käufer und meiner Wenigkeit verzeichnet werden.

Verzichte ich beispielsweise auf die Angabe der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Engländers oder er hat gar keine, muss ich auf der Rechnung die ganz normale Mehrwertsteuer ausweisen und diese an das Finanzamt abführen. Übrigens auch dann, wenn mir der Geschäftspartner eine falsche/gefälschte USt-IdNr. gibt.

Um hierbei vorzubeugen, macht es Sinn, die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer zu überprüfen, um nicht Gefahr zu laufen, sich unnötige Kosten aufzuhalsen. Gerade bei hohen Beträgen kann das natürlich ganz schön kesseln.

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer prüfen

Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer kann man glücklicherweise prüfen lassen und somit etwaigen Fehltritten gekonnt aus dem Weg gehen.

Dafür gehen wir einfach auf die Seite des Bundeszentralamtes für Steuern und können an dieser Stelle eine jegliche ausländische Umsatzsteuer-Identifikationsnummer überprüfen lassen. Das ist übrigens die gleiche Anlaufstelle, falls wir die USt-IdNr. erstmalig beantragen möchten.

Ich möchte an dieser Stelle übrigens nicht den Teufel in den Blog malen. Doch ist, gerade wenn es umgrößere Summen geht, schlicht und ergreifend Vorsicht geboten und es macht kaum einen Aufwand, die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer einmal online prüfen zu lassen.

Die Vorteile der USt-IdNr.

Die UmsatzsteuerGerade für Onlinemarketer und Blogger ist der Besitz einer Umsatzsteuer-Identifikationsnummer natürlich ungemein praktisch.

Oftmals höre ich, dass eine USt-IdNr. ja vollkommen unnötig sei, da keine ausländischen Kunden forciert und bedient werden.

Denn was kauft ein englischsprachiger Nutzer schon in einem deutschen Online-Shop ein? Nun…, das stimmt vielleicht sogar.

Aber dabei wird häufig vergessen, dass das auch für Käufer und Verkäufer aus Österreich gilt und natürlich gibt es auch anderswo deutschsprachige Geschäftspartner. Dabei müssen wir gar nicht international denken, sondern lediglich über den eigenen Tellerrand.

Für Blogger kann es sich sogar empfehlen, die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ins eigene Impressum zu werfen. Denn dort gucken potentielle Geschäftspartner in der Regel als erstes nach, wenn es um bezahlte Artikel, Produktreviews oder andere Leistungen geht.

Hierbei ist es natürlich bequemer, wenn auf das Ausweisen der Umsatzsteuer verzichtet werden kann und folglich kann das Nennen der USt-IdNr. einen Vorteil bieten, der beiden Seiten gefällt. Immerhin erspart es dem Kunden weitere Kosten, die er eben nicht noch zusätzlich ausweisen muss.


Ich hoffe, ich konnte Dir in diesem Artikel alles über die Umsatzsteuer erklären und natürlich auch die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.

Solltest Du weitere Fragen haben, freue ich mich über Deinen Kommentar – ganz egal, ob es um das beantragen, prüfen oder das Schreiben einer Rechnung im Zusammenhang mit der USt-IdNr. geht :-)

Die USt-IdNr. beantragen, prüfen und nutzen

3 Meinungen

  1. _nico07-06-2012

    Hi, sehr schöner Artikel. 😉

    Vielleicht solltest du in dem Absatz …

    „Immerhin haben viele Plattformen (bezahlte Artikel, Werbung, Affiliate-Marketing) einen Sitz im europäischen Ausland, und jedes Mal, wenn wir eine geschäftliche Beziehung mit diesen Partnern aufbauen, fallen unnötige Kosten an. Diese lassen sich aber vermeiden, wenn wir auf das Ausführen der Umsatzsteuer verzichten können.“

    … noch schreiben, dass diese Partner oft vom System „Reverse Charge“ gebrauch machen und du das in einem separaten Artikel noch einmal erläuterst!?

    Gruß Nico

  2. Martina Bertram07-06-2012

    Vielen Dank für den sehr hilfreichen Artikel. Ist für mich noch einen Tick zu früh (bin gerade am Domain reservieren und Space mieten), aber zum Glück kann ich dann ja später auf dein umfangreiches Archiv zurückgreifen. Liebe Grüße, Martina

  3. Jo07-15-2012

    Beim Thema Umsatzsteuerpflicht bei EU-weiten Transaktionen habe ich seit Jahren grundsätzliche Verständnisprobleme, die auch dieser Artikel nicht aus der Welt räumen konnte – im Gegenteil: Zum einen hinsichtlich der in #1 bereits angesprochenen Reverse Charge, bei der der Leistungsempfänger am Ort der Leistungserbringung die Umsatzsteuer abführt und eben nicht: „Im Klartext heißt das, dass ein ausländischer Geschäftspartner unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen kann, ohne die obligatorische Umsatzsteuer zahlen zu müssen.“ So zahlt zum Beispiel (meines Wissens nach) Google Adsense sehr wohl in Irland Umsatzsteuern auf die Einnahmen der deutschen Publisher.

    Und zum anderen blicke ich auch bei einer sehr praktischen Frage leider nicht durch (und sollte hier vielleicht mal bei Gelegenheit meinen Steuerberater fragen): Viele der im Artikel angesprochenen Blogger sind ja lediglich steuerliche Kleinunternehmer und damit gar nicht umsatzsteuerpflichtig. Eine UStID-Nummer können sie jedoch ebenso beantragen. Ich frage mich nun, ob das ihnen dann bei einer gewerblichen Einkaufstour im europäischen Ausland Kostenvorteile bringt, d.h. sie tatsächlich die Umsatzsteuer sparen können? (Vorsteuerabzugsberechtigt im Inland sind sie ja gerade nicht.) Uns wenn ja und das Zeugs dann auch wirklich nicht nachzuversteuern wäre: Wie stelle ich es beispielweise praktisch an, am Flughafen Rom ein (vergleichsweise ohnehin etwas günstigeres) iPhone ohne italienische MwSt zu kaufen? Schreibe ich denen meine UStID-Nummer auf und bekomme dann noch 21% Rabatt? Jemand der sich damit auskennt?