Stundensatz berechnen: Selbständige Blogger aufgepasst!

Wer im Internet Geld verdienen will, ist in der Regel selbständig. Man hat einen eigenen Blog, haut täglich munter in die Tasten und versucht, möglichst viel zu schaffen. Doch wie viel ist die eigene Arbeit wert? Welchen Stundensatz sollte man nehmen und wie können wir eine Arbeitsstunde als Selbständige berechnen?

Ich selbst habe mir mittlerweile abgewöhnt, jede Minute den Gegenwert meiner Arbeit zu berechnen. Es gibt Aufgaben, die mir innerhalb kürzester Zeit enorme Summen bringen und andere, die im Eigentlichen pure Zeitverschwendung sind. Jedenfalls finanziell.

Gerade als Selbständiger ist es oftmals schwierig, die eigene Arbeit sinnvoll zu berechnen, denn wo fängt man überhaupt an. Wie berechnet sich mein Stundenlohn als Blogger? Denn wenn ich einen Artikel schreibe, der weder bezahlt, noch mit Affiliate-Links überladen ist, bringt mir das eigentlich überhaupt nichts.

Lediglich das Wissen, dass ich nur durch Regelmäßigkeit und neue Artikel, viele Leser gewinnen kann, könnte als Gegenwert dienen, aber das lässt sich kaum respektive gar nicht berechnen. Denn der Erfolg eines Blogbeitrags ist selten im Voraus zu bestimmen. Manchmal bin ich sogar erstaunt, dass ein Artikel durch die Decke geht, weil ich diese Suchanfrage überhaupt nicht bedacht habe.

Allerdings habe ich auch viele Jahre als Werbetexter mein Geld verdient und für Kunden gearbeitet und in der letzten Zeit häufen sich die Anfragen in meinem Mailpostfach: Würden Sie mein Projekt betreuen? Könnten Sie für mich dies oder jenes erledigen? Arbeiten Sie auch für Printmagazine? Halten Sie Vorträge übers Bloggen?

Und plötzlich ist sie wieder da: die elende Frage, wie ich den eigenen Stundensatz als Selbständiger berechnen kann und welche Dinge ich dabei beachten sollte.

Wie berechnet man eine Arbeitsstunde als Selbständiger?

Den eigenen Preis finden – Möglichkeiten der Berechnung

Der eigene Preis ist so eine Sache. Niemand will sich unter Wert verkaufen und trotzdem muss man, gerade in überlaufenen Branchen, irgendwie konkurrenzfähig sein und hier beißen sich oftmals Realität, Wunschvorstellung und Kundenwünsche. Allerdings habe ich Bedürfnisse und vor allem Rechnungen, die bezahlt werden müssen. Hier sollte man ehrlich sein und an den eigenen Kühlschrank denken, bevor man sich in den Preiskampf stürzt.

1. Die eigenen Bedürfnisse als Berechnungsgrundlage

Schauen wir auf das Jahr. Es hat 365 Tage und rund 50 Wochen, die sich in jeweils fünf Arbeitstage á 8 Stunden aufsplitten. Natürlich können wir dieses Vorstellung individuell anpassen. Wer täglich mehr arbeiten möchte oder auch muss, sollte ihr großzügiger sein.

Wenn wir diese möglichen Arbeitsstunden addieren, kommen wir auf eine individuelle Zahl, die wir über das gesamte Jahr verteilt, potentiell arbeiten können. Greifen wir eine Zahl aus der Luft und behaupten, dass es bei uns 1800 Stunden sind, die wir in einem Kalenderjahr zur Verfügung haben, um Kundenwünsche und Auftragsarbeiten zu erledigen.

In einem zweiten Schritt habe ich mir meine Ausgaben für das gesamte Jahr angeschaut, die ich immer miteinbeziehen muss. Hier fallen fixe Kosten wie Miete, Strom, Krankenversicherung, Altersvorsorge und laufende Rechnungen rein. Natürlich auch Unterhaltszahlungen und Co – eben alles, das wir immer, immer, immer bezahlen müssen.

Das gleiche Spielchen habe ich mit meinen Kosten gemacht, die ich habe, um überhaupt zu leben. Getränke, Essen oder etwaige Urlaubswünsche und Freizeitaktivitäten fallen hier rein. Ich habe auf diesen Punkt pauschal 10% drauf geschlagen, da es schwierig ist, hier einen simplen Wert anzunehmen und vielleicht wollen wir ja auch noch etwas zurücklegen.

Nun müssen wir lediglich diesen Wunschwert durch die Anzahl der verfügbaren Stunden dividieren und erhalten unseren jeweiligen und notwendigen Stundenlohn. Wer großzügig rechnet, kann sogar noch Rabatte anbieten oder Zahlungsausfälle locker wegstecken.

Auf diesem Weg berechne ich meinen Stundensatz und berücksichtige dabei meine fixen Aufgaben und die Dinge, die ich zum täglichen Leben brauche. Hierbei geht es allerdings nur um mich und ich habe noch keinen Gedanken an die Konkurrenz verschwendet. 

2. Die Konkurrenz analysieren und Preis festlegen

Ein weiteres Kriterium, das uns dabei helfen kann, unsere eigene Arbeit zu berechnen oder einen Stundensatz X zu ermitteln, ist die liebe Konkurrenz. Der Blick über den Tellerrand hat mir damals enorm geholfen, da ich kaum Vorstellungen hatte, welche Preise angemessen sind.

Als ich angefangen habe, Texte für Geld zu schreiben, hatte ich überhaupt gar keine Vorstellung, was meine Arbeit überhaupt wert ist. Wie viel kostet ein Wort? Oder geht man doch über die benötigen Stunden zur Texterstellung? Ganz ehrlich: Ich hatte keinen Plan.

Deshalb habe ich mir die Angebote der unmittelbaren Konkurrenz angeschaut. Idealerweise macht man das natürlich regional, wenn es um handfeste Dienstleistungen gibt, die Kundennähe und eben den Einsatz vor Ort voraussetzen. Allerdings tat ich mich hierbei schwer, da ich eine Onlinetätigkeit anbot.

Folglich habe ich alle einschlägigen Portale abgegrast, mir die Höchstmarken und Tiefstpreise angeschaut und vor allem darauf geachtet, womit hierbei geworben wird. Denn oftmals werden hohe Preise mit hoher Qualität gerechtfertigt und günstige Angebote verkünden reißerisch, dass es schnell und unkompliziert sei. Hier sollten wir uns fragen, welches Image wir vermitteln wollen, denn günstig ist nicht in jedem Fall gut. Aber das hängt unmittelbar von der eigenen Branche ab.

Hierbei empfiehlt sich gerade für Blogger, Seitenbetreiber und selbständige Webworker das Onlinetool Gulp, das es uns ermöglicht, die Stundensätze der jeweiligen Branche als Durchschnitt zu berechnen. Allerdings ist das nicht für jeden Selbständigen interessant, da hier hauptsächlich Stundensätze aus dem IT-Bereich erfasst werden.

Wir schauen also auf die Preisvortellungen der unmittelbaren Konkurrenz und versuchen, uns selbst in dieses Gefüge einzuordnen. Allerdings sollten wir hierbei die eigenen Bedürfnisse aus Punkt 1 nicht unter den Tisch fallen lassen.

3. Onlinetools zur Berechnung des Stundensatzes

Es gibt allerdings noch eine weitere Möglichkeit, um einen Preis für die eigene Arbeit zu bestimmen, die uns das Internet bietet. Mittlerweile gibt es recht viele Tools, die die Berechnung eines Stundensatzes ermöglichen. Manche sind toll und andere eher Spielerei.

Empfehlen würde ich an dieser Stelle das Onlinetool Guru 2.0, da es meiner Meinung die besten Ergebnisse errechnet. Aber mit Sicherheit gibt es dabei auch noch einige Alternativen.

Mit Guru den Stundensatz berechnen!

Das Tool ist nicht nur sehr exakt, sondern vor allem recht umfangreich und es braucht ein wenig Zeit, um realistische Daten zu berechnen. Aber das lohnt sich.

Wir tragen dabei alle Daten ein, die erforderlich sind, wobei schon hier auffällt, dass das Ganze verspricht recht genau zu sein. So legen wir einerseits unserer Land fest, präzisieren dies mit der Auswahl des jeweiligen Bundeslandes oder eben Kantons und geben danach detailliert an, welche Ausgaben, wie etwa Miete und Co monatlich anfallen.

Das Onlinetool Guru berechnet detailliert unsere Ausgabe

Detaillierte Übersicht mit dem Onlinetool Guru 2.0

Im Eigentlichen macht das Tool nicht vielmehr, als ich schon im ersten Schritt erklärt habe. Allerdings ist diese Methode natürlich um ein Vielfaches genauer und berechnet anhand unserer jeweiligen und vor allem sehr individuellen Angaben den passenden und idealen Stundensatz. Chapeau!

Wichtig finde ich dabei vor allem, dass uns das Onlinetool vor Augen führt, welche Ausgaben wir wirklich haben. Denn viele Selbständige neigen dazu, hier zu großzügig zu rechnen und dann ist das Erwachen grausam, wenn sie plötzlich die Rechnungen stapeln. Auch ich mache diesen Fehler oft.

Fazit: Wie berechnet man eine Arbeitsstunde?

Ich habe in diesem Blogartikel drei Möglichkeiten vorgestellt, wie wir unsere Arbeitszeit, eine Arbeitsstunde und den individuellen Preis für unsere Arbeit berechnen können und hoffe, dass Dir dieser Artikel weitergeholfen hat.

Natürlich hängt der eigene Stundensatz von sehr vielen Faktoren ab und ist von Dienstleistung zu Dienstleistung oder auch Branche zu Branche ganz unterschiedlich. Dennoch macht es Sinn, einmal ganz genau auf den Wert der eigenen Arbeit zu schauen.

Ich denke, dass es gerade für Selbständige wichtig ist, sich nicht die Taschen voll zu lügen, denn letzten Endes bringt uns das überhaupt nichts und wir haben im Nachhinein mehr Ärger, als wenn wir ehrlich zu uns selbst sind und dabei wirkliche alle Kennzahlen berücksichtigen. Auch wenn das schwer sein kann.

Außerdem macht es Sinn, Ausgaben und Einnahmen stetig zu überwachen und die eigenen Finanzen häufig zu ordnen. Beispielsweise durch regelmäßige Inventuren oder auch einen Monatsbericht, der Umsätze und Gewinne ausführlich dokumentiert.

Wer am Anfang der Selbständigkeit steht, sollte vor allem bedenken, dass die ersten Schritte oftmals die schwierigsten sind und dann macht es gar keinen Sinn, auch noch am Hungertuch zu nagen, weil die eigene Arbeitszeit zu gering berechnet wurde.

Aber natürlich bin ich auch an Deiner Meinung zum Thema interessiert und freue mich über deine Erfahrungen. Welche Erfahrungen hast Du gemacht und wie berechnet Du Deinen Stundensatz oder eben die eigene Arbeitszeit? Hast Du aufwändige Listen oder entscheidest Du aus dem Bauch heraus?

1 Meinung

  1. Helge08-30-2012

    Danke Dir, Jonas. Vor allem die Tools zur Berechnung der Arbeitsstunde kannte ich noch gar nicht. das probiere ich jetzt gleich aus :-)