Sind Kommentare wichtig? Müssen Blogger antworten?

Im Internet gibt es ja wirklich ganz berauschende Dinge. Überall blitzt und dudelt es und mitunter verbringe ich den ganzen Tag damit, irgendwelchen Quatsch zu betrachten. Texte, Videos, Sounds und allerhand tumben Kram, den das Netz gebiert.

Wirklich neu sind all diese Sachen nicht. Lesenswerte Inhalte gab es schon, als das Internet noch gar nicht denkbar war und Youtube und Grooveshark sind lediglich Begleiterscheinungen eines Mediums, das Inhalte vermittelt. Früher habe ich auch schon Musik gehört und eben auch Filme geschaut: Nur eben anders.

Manchmal wird das Internet von Tageszeitungen belächelt, die sich mühsam abstrampeln, einen Fuß in die Blogosphäre zu setzen und andersherum schimpfen Blogger über die Crux der Printmedien: Sie sind einfach nicht up to date. Aber das müssen sie auch gar nicht, denn im Internet ist Platz für jeden, der in der Lage ist, WordPress und Co zu installieren.

Ich glaube nicht, dass das Internet anderen Medien, Börsen, Portalen oder eben Marktplätzen irgendwas inhaltlich voraus hat. Nein. Es ist lediglich aktueller, fließender und die Informationsflut ist allenfalls als gigantisch zu beurteilen. Bei Youtube werden minütlich 36 Stunden Videomaterial hochgeladen, um das Ausmaß durch einen simplen Vergleich greifbar zu machen.

Nur eine Tatsache gibt es, die ich grundsätzlich als besonders einstufen würde, die den Onlinejournalismus vom Lokalreporter unterscheidet, eine Sache, die so simpel ist, dass sie oftmals unter den imaginären Tisch fällt: Die Kommentarzeile oder der ausufernde Kommentarbereich eines Blogs.

Ja. Kommentare sind nicht nur das Salz in der Bloggersuppe, sondern sind ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal vom virtuellen Journalismus. Zwar gibt es Leserbriefe und -meinungen, aber diese erscheinen gekürzt oder auch gar nicht und vor allem mit einer enormen zeitlichen Verzögerung. Das Schreiben im Netz bietet uns als Kulturschaffende und hier schere ich alle Blogger über einen Kamm, die Möglichkeit, miteinander zu interagieren. Und das ist etwas ganz besonderes!

Sind Blog-Kommentare wichtig?

Die Bedeutung von Kommentaren?

Ich liebe es, wenn mir verbal der Bauch gestreichelt wird und wahrscheinlich geht es jedem so. Wenn ich hitzig diskutieren möchte, suche ich mir einen ebenbürtigen Kontrahenten und fechte diesen Kleinkrieg direkt aus. Ich habe oftmals nicht die Muße, Kritik und abfällige Bemerkungen in meinem Kommentarbereich zu besprechen. Warum auch?

Beruflich ist es mir auch vollkommen egal, was dort geschrieben wird, denn weiter mache ich in jedem Fall. Ganz egal, was denn nun unter meinen Texten steht. Zuspruch, Lob oder Abscheu. Dennoch gibt es einen Aspekt, der eben anders ist und sich abermals vom anonymen Leserbrief unterscheidet: Die Tatsache, dass ein jeder Kommentar meine Arbeit ergänzt, mit ihr spielt und sie um ein Vielfaches bereichert oder sogar verändert.

Ein Kommentar im Blog ist nicht nur ein Aspekt, der unter den Artikel geklatscht wurde, sondern eine gedachte Verlängerung meiner eigenen Gedanken.

Dadurch wird mein Text gewissermaßen lebendig und das sollte man als Blogger, jedenfalls wenn wir uns von Tutorials und Empfehlungen entfernen, und in unseren Texten Gedanken oder unsere Meinung äußern, klar machen. Und so wird der Kommentar zum wichtigen Bestandteil eines sonst eher statischen Monstrums und eröffnet ganz andere Möglichkeiten.

Es macht mir Spaß, mit meinen Lesern zu diskutieren, mich auf Wohlgesonnene einzulassen, mit Idioten oder Trollen zu debattieren und mich mit Gegnern auseinanderzusetzen. Denn jeder Beitrag, jegliche Meinung, egal, was in ihr steht, ist ein wichtiger Bestandteil meiner eigenen Arbeit und ist selbst in einem geistigen Prozess entstanden.

Der Kommentarbereich macht einen Text nicht nur diskutabel, sondern eben auch durch andere Menschen erlebbar, was in herkömmlichen Printmedien nicht der Fall ist, und auch gar nicht sein kann. Und schon brechen wir die Grenzen üblicher Kommunikationsmodelle auf: Ein Text ist eben nicht nur das Mittel, das einen Sender mit einem beliebigen Empfänger verbindet, sondern avanciert zum virtuellen Punkt, den beide Seiten ansteuern können.

Der Kommentar ist also Ergänzung und Erweiterung und von daher wertvoll, wobei er zwei Menschen miteinander verbindet. Dabei ist es vollkommen piepe, was in ihm steht.

Muss man auf Kommentare antworten?

Nun. Man muss als Blogger überhaupt gar nichts. Man kann Kommentare ignorieren und einfach stumpf allein sinnieren. Das nimmt  einem keiner übel, vor allem deshalb nicht, weil die meisten Kommentare eh nur geschrieben werden, um einen Link abzustauben. Aber dafür gibt es ja glücklicherweise Plugins.

Ich kann in diesem Fall nur meine Meinung äußern und spreche natürlich nicht von irgendwelchen Nischenprojekten oder Seiten, die lediglich dafür geschaffen wurden, um irgendwem das Geld aus der Tasche zu ziehen. Nein. ich spreche von Blogs, von Portalen, eben von Seiten, die wachsen, gedeihen und eben erfolgreich werden wollen.

Hierbei erachte ich das Reagieren auf die künstliche Verlängerung unserer eigenen Gedanken, eben dem Kommentar, als einen der wichtigsten Aspekte, die wir als Blogger beachten sollten, um nicht nur unsere eigene Arbeit zu würdigen, sondern einen gemeinsamen Text zu ersinnen: Das fetzt ungemein!

Aber natürlich ist es mühsam, mitunter auch anstrengend, auf jede Meinung zu reagieren und alle Kommentatoren zu berücksichtigen. Das ist eben so! Aber es bringt etwas!

Ich denke, dass Meinungen und Meldungen erst durch den Diskurs miteinander geschliffen werden und folglich den Diamanten schaffen, den wir überhaupt als lesenswert einstufen können. Denn in dem Augenblick, wo ich nur meine Meinung kundtue, ist das einseitig und kaum oder wenig reflektiert. Und das ist schade! Denn so funktionieren wesentliche Inhalte nicht! Sprecht miteinander! Sprecht mit mir!

Und der Clou?!

Ich glaube, um das Ganze erneut auf das eigentliche Bloggen herunter zu brechen, dass diejenigen Blogger bestand haben werden, die ihre Leser nicht nur wahrnehmen, sondern mit ihnen interagieren. Denn so machen sie aus einem Medium eine Plattform und diese lädt ein, um wiederzukommen.

Ein Blogger, der 1000 Kommentare hat, diese liebevoll annimmt, versucht, sich in diese hinein zu denken und mit seinen Lesern spricht, ist in jedem Fall mehr wert, als ein Seitenbetreiber, der zwar 1000 Meinungen gesammelt hat, aber nur selektiv auf diese antwortet. Und ja…, das meine ich so, wie es dort steht.

Dennoch geht es nicht darum, eine sinnfreie Messlatte zu schaffen. Denn natürlich kann man nicht auf jede Meinung ausführlich eingehen, was allein die Zeit diktiert und es ist gerade für große Blogs ein eher sinnloses Unterfangen. Da kommen die meisten Blogger gar nicht hinterher.

Aber trotzdem: Man kann sich ein paar Stunden nehmen und diese effektiv nutzen, um auf diese Weise den eigenen Blog zu einem unvergleichbaren Ort im Internet werden lassen. Dann wandern auch nicht alle Leser in die sozialen Netzwerke ab 😉

Und jetzt? Jetzt ist es an Dir, aus dieser Meinung einen Inhalt zu machen: Feuer frei!


Der Webmaster Friday befasst sich diese Woche übrigens mit diesem Thema und war der Anlass für diesen Artikel. An dieser Stelle möchte ich abermals Martin Mißfeldt fpr die wöchentlichen Anregungen danken, denn mittlerweile sind sie ein fester Bestandteil meines Wochenprogramms!

7 Meinungen

  1. Georg08-24-2012

    Ich denke auch, dass die Blogkommentare ein wesentliches Element der Kommunikation mit dem Blogbetreiber sind. Und, wenn der Blogbetreiber noch auf die Kommentare antwortet, dann ist es die wirkliche Kommunikation.

  2. Carl08-27-2012

    Wenn ein Blogger sich nicht um seine Kommentare kümmern will, dann soll er diese Funktion auch nicht freischalten. Dadurch erspart er sich die Arbeit, auf die Kommentare zu antworten und er erspart den Kommentierenden sich die Mühe eines Kommentars zu machen.

  3. Ahoj Folks, guten Morgen miteinander!

    @Georg
    Genau. Das denke ich auch: Kommunikation entsteht, wenn zwei miteinander sprechen und diese Möglichkeit ist letzten Endes durch den Kommentarbereich gegeben und wichtig.

    @Carl
    Das denke ich auch, Carl. beispielsweise handhabe ich es es auf diesem Blog so, dass ich die Kommentare in Artikeln, die älter als ein halbes Jahr sind, automatisch schließen lassen. das liegt einfach daran, dass ich ansonten den Überblick verliere und mir die Funktion über den Kopf wachsen würde.

    beste Grüße und einen schönen Start in den Tag wünsche ich.

  4. Tom R.08-29-2012

    Ich habe diesen Artikel ja erst heute entdeckt – hab mich wohl noch nicht so ganz an das neue Blog-Design gewöhnt. Wieder einmal wunderbar geschrieben.

    Ich freue mich immer, wenn auf meine Kommentare vom Blogger auch eingegangen wird und finde sie ein wichtiges Werkzeug, um eine Kommunikation aufzubauen.

    Tom

    • Oh, Tom, Du bist schon der Xte, der das feststellt. Vielleicht sollte ich dann doch noch etwas daran ändern? Mal vom Header und der fehlenden Suchfunktion abgesehen? Ich ging davon aus, dass alle Menschen, die regelmäßig vorbeischauen, einfach den Feed nutzen und es von daher egal ist.

      Ja. Ich finde es auch schön, wenn auf mich als Leser reagiert wird, manchmal auch nur, um ein Zeichen zu haben, dass man wahrgenommen wird. Auch wenn das ein wenig „traurig“ klingt. So ist es nicht gemeint. das Kommentieren geschieht ja nicht einfach so, sondern ist mit irgendeiner Motivation verknüpft. Entweder mit dem Wunsch nach einem Link oder eben zum Zwecke des Austausches.

      beste Grüße

  5. lukas09-17-2012

    Ohne Kommentare hat ein Blog für mich nur wenig Sinn. Blogkommentare haben meiner Meinung nach viele Vorteile, nicht nur als Bestätigung für den Autor, sondern man könnte mit Kommentar Kommunikation noch einiges mehr zum Thema erfahren oder sich austauschen durch eigene Erfahrungen usw….