Schreibtipps für Blogger: Show don’t tell!

Heute ist Montag und es gibt wieder frische Schreibtipps für Blogger. Zwar stimmt der Tag nicht, aber den Beitrag möchte ich dennoch nachreichen.

Leider entschloss sich mein Hoster am gestrigen Nachmittag für einen langfristigen Aussetzer. Er verschlief den ursprünglichen Zeitrahmen und blieb auch über Nacht stumm. Deshalb gibt es den Artikel also erst heute.

In der letzten Woche habe ich gefragt, ob man das Schreiben lernen könne und möchte in diesem Beitrag ein wenig konkreter werden.

Dieses Mal steht der Grundsatz Show don’t tell! im Mittelpunkt und ich will Dir zeigen, wie Du Deinen Texten mit einfachen Mitteln neues Leben einhauchst…

Schreibtipps für Blogger

Wer einmal eine Kurzgeschichte geschrieben, die ersten schriftlichen Ergüsse auf Papier gebracht oder sich auch nur entfernt mit dem Kreativen Schreiben befasst hat, wird diesen Satz schon gehört haben: Show don’t tell.

Doch was heißt das überhaupt? Wann erzähle und wann zeige ich meinem Leser etwas? Man könnte fast annehmen, dass beide Verben synonym zu einander wären. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail und nicht in der simplen Definition zweier Wörter.

Das Erzählen ist wichtig, um eine Geschichte in Gang zu bekommen. Es ist sogar essentiell, um überhaupt eine chronologische Handlung zu offenbaren und Plätze, Aktionen und Dinge miteinander zu verknüpfen. Beschreiben wir beispielsweise eine alltägliche Situation und wollen weder Stimmung noch Motivation der Handelnden aufzeigen, erzählen wir einfach, was passiert.

Das machen wir übrigens auch im Alltag, wenn wir unseren Freunden und Bekannten von einer Neueröffnung oder einem neuen Artikel auf unserem Blog berichten. Das Zeigen ist dabei sekundär und fällt oftmals unter den metaphorischen Tisch.

Doch ist es das, was einem Text überhaupt erst Leben einhaucht und ihn spannend macht. Außerdem kann es eine ganz besondere Ebene zwischen Autor und Leser  schaffen, die Worte nur ganz selten ermöglichen: Nämlich das berüchtigte Kopfkino, das vor dem geistigen Auge des Lesenden einen Text zu bewegten Bildern spinnt.

Grundsätzlich könnte man sagen, dass man die Neueröffnung des MediaMarkts erzählt und am Lagerfeuer eine gruselige Gespenstergeschichte zeigt. Jedenfalls idealerweise.

Kurzum: Du solltest die Balance zwischen zeigen und erzählen finden und auf diese Weise einen kraftvollen Text kreieren, der Deine Leser mitreißt.

Wie erzähle ich einen Text?

Schreibtipps für BloggerFraglich bleibt aber, wie Du das machst, oder? Zwar ist es kein Geheimnis, aber zwischen dem Wissen und der wirklichen Umsetzung können bekanntlich Welten liegen.

Packen wir einfach ein paar Verben ein und zeigen es unseren Lesern oder reichern wir den Text lediglich mit einer handvoll zusätzlicher Wörtern an? Nun, nicht ganz. 

Aber ich möchte Dir ein paar Hinweise geben, wie Du mehr zeigende Elemente in Deinen Texten unterbringst und sie auf diese Weise packender und interessanter gestaltest.

1. Nutze Dialoge

Dialoge vermitteln einem Leser das Gefühl, als säße er zwischen den Stühlen und lauschte den Protagonisten bei der jeweiligen Interaktion.

Beispielsweise könnten wir unseren Lesern sagen, dass Jonathan echt wütend auf Sara sei.

Leider wüsste niemand, was das konkret bedeutet und wie sich das bei ihm zeigt, denn jeder ist auf seine ganz eigene Art sauer, wütend oder eben cholerisch.

Auch Du, lieber Leser, wirst Dich ganz anders als ich verhalten. Vielleicht wissen Deine Bekannten, wie Du dann bist, aber Fremde können das im besten Fall erahnen.

Ähnlich ist das auch in Texten, denn unseren Akteur kennt niemand und was das Wütendsein für ihn bedeutet, lässt sich lediglich vermuten.

Mithilfe eines kurzen Dialogs können wir allerdings sehr viel vorwegnehmen und uns lästige und vor allem unnötige Elemente klemmen:

Sara, bellte Jonathan, komm sofort hier her!

Dieser Satz erspart uns das langweilige Erzählen. Er vermittelt die gleiche Botschaft, obwohl wir Jonathan nicht als wütend charakterisiert haben.

Durch diesen kleinen Trick haben dem Protagonisten eine Stimmung und eine Emotion gegeben und gleichermaßen einen Teil zur Charakterisierung beigetragen.

2. Beschreibende Elemente verwenden

Jeder kennt sie, jeder nutzt sie und außerdem eignen sie sich großartig, um die Welt um uns herum zu beschreiben.

Wovon die Rede ist? Von Eigenschaftswörtern oder eben Adjektiven, die uns schon seit Ewigkeiten geläufig sind und seither unseren Wortschatz bereichern.

Sie machen es möglich, ein Ding oder einen Sachverhalt näher zu fassen und gewissermaßen greifbar zu machen. Mit ihrer Hilfe kann eine Handlung folglich wachsen und jede Aktion sehr detailliert beschrieben werden. Ganz egal, ob nun in einem Artikel, einer Kurzgeschichte oder auf unserem Blog.

Nun geht es allerdings nicht darum, wahllos ein paar Eigenschaften aus dem Hut zu zaubern, sondern vielmehr um die richtige Auswahl.

Adjektive können eine Stimmung transportieren, die keiner weiteren Beschreibung bedarf.

Dafür möchte ich ein Beispiel aus einer meiner Kurzgeschichten nutzen und dabei nochmals den eklatanten Unterschied zwischen dem Erzählen und Zeigen herausstellen.

Erzählen:

Er saß in einem leeren Zimmer und spielte Klavier!

Dieser Satz ist gut, denn er gibt unserem Leser das, was er für das Verständnis braucht: Informationen.

Nun kann er sich irgendein Pronomen vorstellen, das vor einem Instrument hängt und diesem Töne entlockt. Ich denke allerdings, dass der folgende Einstieg mehr Spannung mit sich bringt.

Zeigen:

Der Corpus war lang und schwer, wild und filigran zugleich und zuckte unter den Anschlägen des rothaarigen Jungen.

Jonathan liebte sein Klavier; er mochte es, wenn sich die klaren und dumpfen Töne vermengten und langsam, aber bestimmt ausbreiteten.

3. Sei präzise und nicht ungenau

Manchmal können Emotionen nicht gefasst werden und im normalen Leben ist das auch gar kein Problem. Wir sind überfordert, wissen nicht, wie wir das ein oder andere beschreiben sollen und sind gewissermaßen sprachlos. Boah, das war einfach unbeschreiblich!

Beim Schreiben ist dieser Zustand aber eher ungünstig und bringt keinen Mehrwert für den Leser. Vor allem deshalb nicht, weil wir seine Vorstellungskraft nicht fordern, sondern einfach ignorieren.

Wer schreibt, sollte versuchen, genau und präzise zu formulieren. Wie war der Anblick? Welche Gefühle wurden ausgelöst und warum ist das alles unvorstellbar.

Ich habe hierbei bewusst die bekannten W-Fragen hervorgehoben, denn diese geben unseren Lesern die Antworten, die wir ihnen schuldig sind. Außerdem beflügeln sie die Imagination ungemein und präziseren all unsere Aussagen. Wieso, weshalb, warum :)

Die Sätze: Es war das Schönste, was sie jemals gesehen hatte! oder Er war unbeschreiblich stark! sind leer und sagen einfach nichts aus.

Versuch, ein Gefühl genau zu verorten und dann zu beschreiben und vermeide in jedem Fall Floskeln, die Deinen Text gleich heruntersetzen und eine ungenaue Aussage provozieren.

4. Sprache kann man fühlen

Diese Überschrift ist eine Synästhesie. Das bedeutet, dass ich in ihr zwei Sinneseindrücke miteinander verbunden habe, die sich eigentlich ausschließen.

Wer einen Text schreibt, kann allerdings auf diesen kleinen Kunstgriff zurückgreifen und die eigene Geschichte dynamischer erscheinen zu lassen. Es empfiehlt sich also, beschreibende und passende Sinneseindrücke zu vermitteln.

Ein Haus kann groß sein oder aber den Betrachter unter sich begraben und ihn das Fürchten lehren.

Beim Einstieg in diesen Artikel habe ich meinen Server verstummen und meinen Hoster den Zeitplan verpennen lassen. Diese einfache Personifizierung unbelebter Dinge macht sie greifbar und kann einen Text ungemein beleben.

Denn nichts ist langweiliger als ein erzählter Text, außer natürlich bei Anleitungen, die sich um eine konkrete Problemstellung drehen.

Wenn Du allerdings keinen Staubsaugerblog betreibst, empfiehlt es sich, die Dinge zu zeigen und auf diesem Weg für Deine Leser erlebbar zu machen.

Schreibtipps für Blogger

2 Meinungen

  1. Helge03-20-2012

    Hey Jonas!

    Das ist ein sehr schöner Artikel und es freut mich, dass die Reihe so schön anläuft und ob nun Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag – hauptsache es geht weiter :)

    Du bist mir aber noch eine Frage schuldig, arbeitest Du noch als Werbetexter oder nicht mehr?

  2. Jonas G.03-21-2012

    Guten Morgen Helge,

    wenn es Dich brennend interessiert, kann ich Dir gern die Antwort geben :)

    Ja, ich arbeite noch als Werbetexter, aber nicht mehr für eine Agentur und außerdem suche ich keine Auftragsgeber mehr – habe also keine Seite oder einen Blog, wo ich meine Dienste anbiete. Ich arbeite nur noch für langjährige Kunden und auf lange Sicht wird sich das mit Sicherheit ausdünnen :)

    Schöne Grüße und vielen Dank für die Blumen!