Schreibtipp: Fachidioten und Schwafler!

Leider habe ich es gestern nicht mehr geschafft, einen Schreibtipp für Blogger zu veröffentlichen. Deshalb gibt es ihn erst heute.

In dieser Woche habe ich mir ein Thema herausgegriffen, dass oftmals unachtsam durch die Blogosphäre geistert: das technische Vokabular.

Man hört überall, dass es wichtig ist, den eigenen Blog speziell zu erhalten. Jedenfalls dann, wenn es um den monetären Erfolg und das Bestehen in der eigenen Nische geht.

Allerdings schwafeln viele professionell an der eigenen Zielgruppe vorbei und erreichen letzten Endes die eigene Leser nicht mehr. Also…, werfen wir einen Blick auf das Bloggen, Fachidioten und das technische Vokabular…

Schreibtipps für Blogger

Das Bloggen und die Spezialisierung

Wo klicken die Besucher hin?Viele setzen einen Blog auf und schreiben einfach munter drauf los. Das ist kein Problem und setzt dank WordPress und Co keinerlei Know-How voraus.

Ja! Jeder kann bloggen und das ist gut so. Immerhin gibt es so Vielfalt, individuelle Themen und jede Menge Meinungen.

Allerdings ist es so, dass nicht jeder Blog gleichermaßen erfolgreich werden kann und das liegt in der Natur der Sache. Einmal von Miniaturnischen abgesehen.

Denn es gibt nur eine Spitzenposition und oftmals zanken sich etablierte Marktführer um die besten Google-Ergebnisse und buttern viel Kleingeld in den Erhalt dieser Stellung.

Einen Blog über Krankenversicherungen kann ich zwar aufsetzen, doch der Erfolg bliebe wohl aus, da die Konkurrenz seit Jahren tobt. Aber das ist ganz normal und wer mit dem Internet spielt, sollte die Regeln kennen. Dann gibt es auch Leser, Besucher und den ein oder anderen Euro.

Wer damit nicht zurechtkommt, sucht sich Hilfe und fällt auf die nächstbeste Bauernfängerei herein.

Häufig werden dann sogenannte Experten oder auch Gurus befragt, die jedem Bloganfänger raten: Leg dich fest, sei speziell und fokussiere! Schreib über ein Thema und sei in keinem Fall allgemein und austauschbar.

Ja, das stimmt sogar, auch wenn es dafür kein kostenpflichtiges eBook braucht, sondern einfach ein wenig Zeit und Googlefreude.

Deshalb gibt es Blogs über Bonsaibäume, das Leben des gemeinen Planktons und die vegetarische Ernährung. Zwar deckt das nicht die Lebenswelt des Bloggers ab, aber das Interessengebiet des Lesers.

So steigen Feed-Abonnenten, wird das Interesse von Werbekunden geweckt und alles wird gut.

Bloggen: Spezialisierung ist gut! Aber…

Frische Ideen für Blog-ArtikelDoch wir kennen es aus ganz alltäglichen Situationen: Wer sich ausgiebig mit einem Thema befasst, wird schnell zum Fachidioten, den kein Mensch mehr versteht.

Ich kenne das aus Geschäften, von Stammtischen und sogar aus dem eigenen Freundeskreis.

Erkläre ich meiner Verwandtschaft, was ich beruflich mache und dabei nicht auf meine Wortwahl achte, bin ich nach dem Gespräch arbeitslos. Du bloggst? Du machst SEO? Allet kla’?

Mir ist das vor allem aus meinem Studium bekannt und mitunter habe ich Dinge gesagt, die ich zum jetzigen Zeitpunkt selbst nicht mehr verstehen würde. Ich habe ein Fachwissen aufgebaut und mich mit Menschen getroffen, die dieses teilten. Aber das ist eben nur ein sehr spezieller Kreis von Eingeweihten.

Lese ich alte Hausarbeiten sehe ich viele Zeichen und jede Menge Fragezeichen. Wovon spricht der Gute, der meinen Namen über die Seiten gepappt hat?

Aber genau dieses Phänomen kann ich auch beim Bloggen beobachten. Ich lese tagtäglich von SERP, Trust, Fleschwerten und Co. Aber darf ich dieses Wissen bei meinen Lesern voraussetzen?

Nun: Darauf ein klares Jein!

Der suchende Leser

Die personalisierten Suchergebnisse abschaltenDie meisten Besucher unseres Blogs kommen mit einem ganz speziellen Problem.

Sie wollen wissen, wie hoch die Alpen sind oder warum Bob Dylan gerade von Obama ausgezeichnet wurde. Aber natürlich geht es auch ein wenig spezieller.

So unterscheidet sich die Anfrage Kann ich online Geld verdienen doch sehr stark von wie verdienen ich mit eBooks respektive oder eben wie tracke ich meine affiliate verkäufe.

Hier haben wir es mit einer sehr starken Steigerung zu tun, die natürlich ungemein vom Hintergrundwissen des Besuchers abhängt.

Die erste Anfrage stellt sich dem Problem erstmalig, wohingegen das nächste Beispiel schon ein konkretes Betätigungsfeld ausmacht. Und das führt sich in den beispielhaften Suchphrasen fort.

Die allgemeine Suchanfrage wird zur speziellen Phrase und zeigt folglich das stärkere Auseinandersetzung eines Lesers mit der ureigentlichen Thematik. Es gibt keinen Artikel, der allen Ansprüchen gerecht werden würde. Das wäre auch ausgesprochener Bockmist.

In einem anderen Beitrag habe ich drei Arten von Suchanfragen benannt, die recht gut umschreiben, mit welcher Motivation Besucher auf unseren Blog kommen.


Hinweis: Der Mont Blanc ist der höchste Berg der Alpen (4.810 Meter), Bob Dylan bekam die Presidential Medal of Freedom und wurde somit für sein Lebenswerk und die Verdienste um die Amerikanische Musik ausgezeichnet…

Was tun? Für wen blogge ich?

Was sagt uns das?Dennoch müssen wir uns entscheiden.

An wen richten sich unsere Artikel, Beiträge und Postings. Wollen wir überhaupt speziell sein und wenn ja, kann unsere Zielgruppe damit etwas anfangen? Oder anders gefragt: Für wen bloggen wir?

Wie so oft sollte einer der ersten Schritte sein, die eigene Leserschaft einmal ganz genau unter die Lupe zu nehmen und so Rückschlüsse auf das individuelle Leseverhalten zu ziehen und die Erwartungen genauer einzugrenzen.

Denn es macht de facto keinen Sinn, einen Märchenblog mit Fachtermini aufzubauen und ebenso wenig einen Blog über die Quantenphysik, wenn wir die entsprechenden Worte nicht nutzen oder eben verstehen.

Weiterhin möchte ich allerdings vier effektive Maßnahmen vorstellen, um zielgerichtete Artikel zu verfassen, die nicht zu anspruchsvoll, nicht zu flach sind und dabei den jeweiligen Bedürfnissen entsprechen.

1) Keywords analysieren

Einsatz von SchlüsselwörternWer einen Blog betreibt, setzt dabei meistens auf irgendein Analysetool.

Oftmals sind dabei Piwik oder Google Analytics das Mittel der Wahl und werten im stillen Kämmerlein unsere Besucher aus. Auch ich verwende ein solches Tool.

Nun lohnt es sich, einmal einen Blick in die Suchanfragen zu werfen.

Auch wenn diese natürlich zwangsläufig mit unseren Inhalten zusammenhängen, offenbaren sie spannende Details über das Fachwissen unserer Besucher.

Suchen sie eher nach Affiliate-Links oder doch eher nach Verkaufen im Internet. Welches Vokabular nutzt unsere Leserschaft? Welche Fragen bleiben ungeklärt und wie drückt sich der Suchende aus?

Mir hilft es ungemein, einmal die Sprache meiner Besucher genauer zu untersuchen. Auch wenn es dabei ein großes Aber gibt.

Artikeltipps: Google Analytics: not provided? | Keyword Tool: Anwendungsfehler

2) Die Suche auswerten

Was weiß Google über mich?Das Aber heißt in diesem Fall: Mein eigener Schreibstil und dieser ist natürlich unmittelbar mit meinen Artikeln verwoben.

Wenn ich selbst häufiger Affiliate-Links verwende, ranke ich zu diesen Phrasen natürlich besser.

Ein Wort, das ich nicht nutze, taucht folglich nicht in den organischen Suergebnissen von Google auf. Mal von der Keywordverlinkung abgesehen, die natürlich dafür sorgen könnte.

Deshalb ist es ratsam, von Zeit zu Zeit einen Blick in die eigene Suche zu werfen. Denn hier sind wir mit der reinen Sprache unserer Leser konfrontiert.

Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, aber eine möchte ich hervorheben: Das Plugin SearchMeter!

Dieses kleine Helferlein muss ich nicht groß erklären. Es sammelt lediglich alle Suchanfragen, die in unsere Suchmaske geworfen werden.

Davon ausgehend, dass wir sie sinnvoll integriert haben, sie sichtbar ist und von unseren Lesern genutzt wird, sammeln sich da allerhand Daten. Ein Blick lohnt sich also.

Artikeltipp: Suchfunktion effektiv nutzen

3) Sinnvoll verlinken

Plugin:Wordpress Link kennzeichnenEs ist so: Wir können nicht alles erklären.

Ein Artikel bläht sich ungemein auf, wenn jedes Kürzel, alle Details und jegliche Fachtermini erläutert werden. Das ist auch gar nicht notwendig.

Deshalb empfiehlt es sich, großflächig Fremdwörter zu verlinken.

Und nein, es stört Google nicht, wenn du verlinkst und für Deine Leser bedeutet es einen wahren Mehrwert.

Idealerweise haben wir natürlich selbst ausgesorgt und fundierte Anfängerartikel verfasst, auf die wir verweisen können. Aber ein solches Archiv braucht eben jede Menge Zeit.

Allerdings kann das für Veriwrrung sorgen, wenn plötzlich in einem Fachblog ein simpler Beitrag erscheint, der augenscheinlich nicht für die eigene Community gedacht ist.

Wer das aber clever einbaut, sollte keine Probleme mit den eigenen Stammlesern bekommen. Ich selbst schreibe mitunter einen Beitrag für absolute Neulinge und es stört niemanden.

In den nächsten Wochen habe ich übrigens den Artikel ‚Was ist ein Blog‘ geplant. Denn diese Frage interessiert viele meiner Besucher. Helfen kann ich ihnen bis dato nicht und ich möchte das ein für allemal ändern.

Artikeltipps: Mehr Besucher durchs Verlinken | Linkgeiz ist ungeil!

4) Hilfestellung geben

Blogs haben die Eigenheit, chronologisch zu funktionieren. Das bedeutet, dass alle Artikel fortlaufend und hintereinander erscheinen. Deshalb gibt es kaum Statik und wer den Anfang nicht kennt, hat eben Pech gehabt.

Nun. Das sehe ich ein wenig anders, auch wenn es dem Grundgedanken ein wenig widerspricht.

Ich habe mich für sogenannte Sneeze Pages entschieden, die den Hauptteil meiner Navigation ausmachen. Hier gibt es in der Regel einen Einstieg in das Thema und danach sortierte und übersichtliche Beiträge zum Kern.

Beispielsweise habe ich die Kategorie Affiliate Marketing oben in die Leiste geworfen und gebe dort einen recht soliden Überblick, was das Affiliate Marketing ausmacht, wie die Grundlagen aussehen und vertiefe das Ganze anhand einer simplen Hyperlinkstruktur.

Hilfe durch Übersicht - SneezePage

Gerade für Neulinge kann dieser Einstieg Gold wert sein und dann haben wir auch den Freischein uns in kryptisches Vokabular wie CPC, InHouse, Conversion etc. zu hüllen.

Jedenfalls dann, wenn wir auf diese Grundlagenartikel verweisen, was außerdem die durchschnittlichen Seitenimpressionen ungemein in die Höhe treibt 😉

Von Fachidioten und Schwaflern

Schreibtipps für BloggerDieser Artikel begann mit einer Erinnerung an mein Studium. Für die, die es nicht wissen: Ich habe dereinst Literatur studiert und wild mit Stilmitteln um mich geworfen.

Irgendwann habe ich gemerkt, dass es mir unwichtig ist, ob ich von einer Synekdoche, Onomatopoesie oder einer Epanalapse spreche, wenn ich dafür die Eigenarten des Textes kenne. Denn alles Fachwissen ist dafür gar nicht erforderlich.

Wichtig war mir, einen Text zu erschließen, ihn zu erfassen und seine Geheimnisse zu erforschen.

Das Vokabular war erst notwendig, wenn ich eine Hausarbeit oder einen wissenschaftlichen Artikel geschrieben habe. Nicht, wenn ich in einem Seminar diskutieren wollte, denn dann gab es offene Münder und viel Unverständnis.

Es macht mehr Spaß, Dinge einfach zu benennen, um die Hürde gering zu halten. Die Wichtigkeit oder das Essentielle kann sich nämlich auch in Einfachheit hüllen.

Auch wenn pompöses Vokabular eindrucksvoll wirkt, geht es meistens darum, Fragen zu beantworten und nicht Eindruck zu schinden.

Und diesen Gedanken habe ich in meinem Blog übernommen. Manchmal passiert es, dass ich ausschweife und dabei Neulinge und Anfänger ignoriere.

Doch in der Regel versuche ich, den Anforderungen gerecht zu werden und mit meinen Lesern auf einer Ebene zu kommunizieren. Das macht Sinn und bringt letzten Endes beiden Seiten etwas…

Keep it simple and straightforward! ~ Gestalte es einfach und überschaubar!

Schreibtipps für Blogger

2 Meinungen

  1. Helge05-31-2012

    Bezüglich der Fachidioten möchte ich Dir voll und ganz zustimmen, Jonas. es ist krass, was auf manchen Blogs passiert…

    Schwafler…, hehe, fass Dir an die eigene Nase 😛

    PS: Nein, ich mag deine langen und ausführlichen Beiträge 😉

  2. Thomas05-31-2012

    Aufgrund der derzeit stattfindenden Blog EM bin ich auf deinen Blog gestossen und hatte diesen nach etwas quer lesen in meinen RSS Reader aufgenommen.

    Dadurch bin ich auf diesen Beitrag aufmerksam geworden und ich muss sagen ( schreiben ) das dieser wirklich sehr ergiebig und informativ ist.

    Ok, ich selber betreibe einen Weihnachtsblog und einen Tanzvideo Blog und unterstütze eine kleine deutsche Community für eine verhältnismäßig unbekannte Blog Software.

    Beim Tanzvideo Blog ist nicht viel mit schreiben, aber bei den anderen beiden Blogs wird geschrieben.

    Da ist es mir immer wieder wichtig so einfach wie möglich auf ein Thema einzugehen.

    Gerade bei den Beiträgen auf den Seiten für die Blog Software versuche ich die Artikel mit viel Bild und einfachen Text auszustatten.

    Denn ich denke, das so, egal welcher Blog, die Besucher es besser verstehen was ich ausdrücken oder erklären möchte. Der Profi wird vielleicht denken was schreibt der da bzw. wie simpel ist der Beitrag dargestellt ( darum ist er ja auch Profi ), aber der normale Besucher versteht es vielleicht besser und kann sich an dem Artikel besser orientieren.