Mehr Blogeinnahmen durch schlechte Artikel!

Überall schallt es von den Bäumen: Gute Inhalte sind das Alpha und Omega, Qualität zahlt sich aus.

Content is King! Und alle so: Yeaaah!

Im Grunde eine sehr schöne Idee: Wer gute Inhalte verfasst, wird mit Lesern belohnt und diese danken es einem, weil sie lammfromm auf unsere Anzeigen, Werbebanner und Affiliate-Links klicken.

Das ist schön und es macht natürlich Spaß, für die eigene Arbeit belohnt zu werden. Qualität zahlt sich eben aus und die Leserschaft steigt meistens, wenn gute Artikel einen Blog bereichern. Das ist natürlich spannend, würde es doch bedeuten, dass gute, interessante, ja, investigative Artikel das Internet überfluten müssten.

Frei nach dem Muster: Ich schreibe, meine Besucher lieben es, kommen in Scharen und setzen idealerweise auch noch einen Backlink.

Hey, das ist gut, denn so merken dann auch Google und Co: Obacht! Hier wird Qualität verfasst, mein lieber Herr Gesangsverein. So viele Backlinks…, puh, diesen Blog stufen wir in den SERPs nach oben und bescheren ihm noch mehr Besucher.

Diese Beobachtung stimmt auch, aber eben nur teilweise. Denn zwar wird so jede Menge Traffic generiert und durch steigende Besucherzahlen erhöhen sich natürlich auch die Blogeinnahmen, aber das Klickverhalten der eigenen Leserschaft wird durch Qualität eben doch gefährdet.

Die grundlegende Rechnung ist natürlich relativ simpel: Ich schreibe gut, mehr Leser kommen und das bringt natürlich gleichermaßen wachsende Einnahmen.

Auch ich habe hier monatlich mehr Besucher und das ist natürlich schön, doch komischerweise stiegen zwar meine Adsense-Einnahmen ebenfalls konstant, aber die Klickrate entfernte sich Monat um Monat von ihren Spitzenzeiten. Das fand ich seltsam und habe deshalb ein kleines Experiment gemacht.

Mittels eines einfachen Split-Tests habe ich einen Blog-Artikel unterschiedlich dargestellt. Und siehe da: Der schlechte Artikel hat nicht nur einen besseren CTR, sondern die Leser zum absoluten Adsense-Höhenflug animiert.

Doch jetzt mal alles auf Anfang und Stück für Stück. Los gehts…

Die Vorüberlegung – Schlechter Content ist top!

Irgendwann habe ich mal gelernt, dass jede Untersuchung eine These braucht, die es zu verifizieren gilt. Deshalb habe ich mich grübelnd an meinen Arbeitsplatz gesetzt und wild spekuliert.

Die Überlegung war: Nutzer klicken dann auf Werbung, wenn diese interessanter als der eigentliche Text ist. Außerdem glaubte ich, dass eine gute Positionierung für eine Steigerung des Klickverhaltens entscheidend ist.

Die zweite Annahme ist natürlich kaum verwunderlich, denn wer keine Werbung sieht, wird auch nicht auf diese klicken. Die erste habe ich hauptsächlich deshalb aufgestellt, weil ich an meinem eigenen Surfverhalten feststellen konnte, dass ich eher auf blinkende Verführungen schiele, wenn mich der Artikel langweilt, nicht mitreißt oder schlicht und ergreifend schlecht ist.

Deshalb habe ich mir einen Artikel gegriffen, der monatlich viele Besucherzahlen auf sich ziehen kann und ihn wild durch den Textwolf gedreht. Was nun einen guten oder schlechten Artikel ausmacht, darf jeder für sich beurteilen oder die unzähligen Blogs aufsuchen, die diese Frage beantworten.

Unterm Strich zieht ein guter Blog-Beitrag den Leser in seinen Bann und das Negativbeispiel schreckt schon nach den ersten Zeilen ab. Das kennen wir von Romanen, Kurzgeschichten oder Nudelaufläufen. Was auf den ersten Blick nicht gefällt, wird meistens schnell wieder ad acta gelegt oder an den Hund verfüttert.

Das Experiment – Einen Artikel abändern

Ich habe mir also einen Artikel geschnappt und unterschiedlich aufgezogen. Einer begann mit einer einfachen Einleitung á la:

Was heißt eigentlich bumsfallera? Ist es nicht verblüffend, dass wir zwar tagtäglich fallerabums sagen, aber immer noch keinen Schimmer haben, woher dieses ungewöhnliche Wort überhaupt stammt? Schauen wir doch einfach einmal auf den Ursprung: […]

Ich gebe zu, dass diese Wortfetzen kein Geniestreich sind, aber immerhin lagen sie direkt links von der möglichen Adsense-Anzeige und machten Mut zum Scrollen, denn wer auf dem Artikel gelandet war, wollte nun auch wissen, was ihn da erwartet. Zwar hat sich die Absprungrate im Beitrag selbst kaum verändert, doch eben der Punkt des generellen Ausstiegs.

Die andere Version des Artikels ging einfach am Thema vorbei und stellte lediglich die Frage in den Raum, die der User selbst beantwortet haben wollte, ohne wirklich zielführend zu sein. Ungefähr nach diesem Konzept:

Ich habe lange gesucht und bin trotzdem nicht fündig geworden, was bumsfallera heißt. Doch hat mir ein Freund damals gesagt, weil er dachte, dass das wichtig sei, dass er auch nicht wisse, wo der Urpsung des Wortes liegt.

Das Hauptaugenmerk lag jedoch nicht nur darauf, dass ich Content produziert hatte, der kaum einen Mehrwert bot, sondern eben auch die Formatierung war grundsätzlich verschieden. Leider möchte ich die Artikel an dieser Stelle nicht verlinken, da es wohl sonst zu einer sehr starken Verfälschung der eigentlichen Ergebnisse kommen würde.

Das reiche ich dann später jedoch nach. In erster Linie geht es eh nur darum, dass es einen Blog-Artikel mit einer Einleitung gab, die neugierig machte und eher aus einfachen Hauptsätzen bestand und eben einen weiteren, der durch Kommata glänzte und im Eigentlichen überhaupt nichts aussagte.

Der spannende Teil kommt aber jetzt und gibt mir irgendwie zu denken…

Das Ergebnis – Schlechte Artikel zahlen sich aus

Leider darf ich keine konkreten Klickraten des Adsense-Partnerprogramms veröffentlichen, doch können wir es ja auch an einfachen und nackten Zahlen festmachen. Bei 1000 Besuchern erhielt der subjektiv-gute Artikel lediglich ein Drittel der Klicks, die der schlechte auf sich ziehen konnte.

Und für die folgende Aussage brauche ich dann gar keine Auswertungen mehr, heißt es doch, wenn ich mir fiktiv bei 1000 Besuchern einen CTR von 1% (10 Klicks) denke, dass der andere im gleichen Zeitraum nahezu 30 Leser zum Klicken animieren konnte.

Irgendwie ist das traurig, aber natürlich nicht weiter verwunderlich, denn gute Inhalte werden eben gelesen und schlechte, die nicht die gewünschten Informationen bereithalten, eben nicht. Die Schlussfolgerung kann also nur sein, dass ich mehr Adsense-Einnahmen erziele, wenn ich schlechten Content verfasse. Schön, oder? Ergo: Mit Quatsch verdient man Geld. Top!

Dennoch ist das natürlich kein Grund, sofort die Webmaster-Flinte ins Korn zu werfen, denn immerhin wird guter Content weiterhin mit Backlinks belohnt, was natürlich zur Folge hat, dass mehr Besucher kommen und somit auch eine niedrige CTR Potential hat.

Dennoch ist das natürlich fraglich und ich müsste alle Aussagen, die ich bis dato über Werbe-Banner gemacht haben, rigoros zurücknehmen, jedenfalls, wenn es lediglich um den Aspekt des Geld verdienens geht. So ist es nämlich weniger die Positionierung einer Adsense-Anzeige, die meine Besucher mit einem Klick belohnen, sondern eher grundlegendes Desinteresse.

Ist ja auch klar, wer keinen Inhalt findet, der ihn interessiert, wird gewissermaßen gezwungen, irgendwo anders sein virtuelles Glück zu suchen.

Schlechte Arbeit bringt mehr Einnahmen – Ein Fazit

Ich habe eben, als ich die letzten Formulierungen für diesen Artikel schrieb, mal im Netz geschaut, ob ich ein paar vergleichbare Vermutungen finde, die das Ganze bestätigen.

Und siehe da: Ich bin fündig geworden. Auf seo-united wurde vor rund zwei Monaten eine Studie veröffentlicht, die zu einem ähnlichen Ergebnis kommt:

Seiten, die höher ranken, also mehr Leser haben, glänzen in der Regel mit besseren Inhalten. Dennoch wird auch hierbei offenkundig, dass gleichermaßen die Klickrate in den Keller geht.

Das heißt also: Bessere Inhalte, schlechtere Klickraten und somit auch fallende Durchschnitts-Einnahmen. Schade.

Also: Content ist King, schlechter Content bringt Cash. In diesem Sinne: Einfach den Google Übersetzer anschmeissen und ein paar beliebige vietnamesische Seiten übersetzen, das Ergebnis sollte zu höheren Adsense-Einnahmen führen. Glückwunsch!

5 Meinungen

  1. Jörg12-19-2011

    Inhalt Top – Schreibe Top – Fazit des Artikels: Für mich absolut verblüffend aber durch einen Beweiskette nachvollziehbar.

    Ein echt witziger, aber gleichzeitig kluger Ansatz über den ich mir so noch nie Gedanken gemacht habe.

    Hat mir Spaß gemacht, diesen Artikel zu lesen. Danke dafür.

    Ich überlege jetzt, wie ich das Ergebnis dieses Versuchs für mich nutzen kann. Miese Artikelbeschreibungen, damit die Kunden nicht vom Warenkorb-Button abgelenkt werden … ich vermute, das klappt nicht ;-).

  2. Thomas Rith12-19-2011

    Ich musste echt lachen… :) Sehr unterhaltsam geschrieben.

    Das Ganze bezieht sich ja jetzt auf Klicks zu anderem Content?!, wenn man so will…

    Aber kaufen die Besucher auch eher bei Affiliatelinks. Das würde ich jetzt nicht denken…

    • Jonas G.12-20-2011

      Hallo Jörg, guten Morgen Thomas,

      danke für das Feedback :)

      Ne, wahrscheinlich bringt es gar nichts bei Affiliate-Links, die Beobachtung bezieht sich lediglich auf Klickwerbung, wie Adsense. Ich denke, dass das auch die einzige Möglichkeit ist, mit schlechten Artikeln gut zu fahren, denn sogar InText-Werbung erfordert ja ein gewisses Vertrauen oder wenigstens Interesse seitens des Lesers.

      Beste Grüße

  3. Micha01-19-2012

    Ja, schade, dass der beste Content nicht die höchste CTR bringt. Ich hatte mal was ähnliches bei einer kleinen Community von mir beobachtet. Ich hatte kein Bock mehr, mich um die Seite zu kümmern und hatte deshalb keine Neuanmeldungen mehr zugelassen und das dann auch so auf der Startseite verkündet. Was glaubst du, wie ab dem Tag dort die Klickraten in die Höhe schossen 😉

    • Jonas G.01-19-2012

      Ja, die Entdeckung ist „traurig“, aber sehr witzig, wie ich finde. Auch wenn es natürlich eigentlich sehr folgerichtig ist. Trotzdem schade und was Du über die Community berichtest, triffts natürlich sehr.

      Beste Grüße