Schreibtipp: Die Lesbarkeit von Texten – Der Flesch-Wert!

Es ist Montag und deshalb gibt es einen frischen Schreibtipp für Blogger.

Dieses Mal möchte ich mich mit der Lesbarkeit unserer Blog-Artikel befassen und wie wir diese maßgeblich beeinflussen können.

Denn welche Kriterien gibt es für die Verständlichkeit eines Textes, was hat es mit dem Flesch-Wert auf sich und inwiefern können wir uns dieses Wissen zu Nutze machen?

Also…, werfen wir einen Blick auf die Lesbarkeit von Artikeln, die Verständlichkeit und den ominösen Flesch-Wert.

Schreibtipps für Blogger

Was bedeutet Lesbarkeit?

Nun. So ganz pauschal kann man diese Frage überhaupt nicht beantworten. Vor allem nicht im Internet, da hier mitunter noch ganz andere Regeln gelten.

Gemeinhin versteht man unter der Lesbarkeit eines Textes seine Verständlichkeit. Und nein, sie steht nicht stellvertretend für die Leserlichkeit.

Wikipedia meint, dass man unter Lesbarkeit das Folgende versteht:

Lesbarkeit ist neben der Leserlichkeit, der inhaltlichen Struktur und dem Aufbau von Texten eines von mehreren Kriterien für die Verständlichkeit von Texten. Sie beruht auf der sprachlichen Gestaltung (u. a.: Wort- und Satzkomplexität, Wortschatz) und ist damit eines der Kriterien dafür, wie einfach sich ein Text lesen, verstehen und nachvollziehen lässt.

Lesbarkeit ist also das Kriterium, was ausmacht, ob uns unsere Leser folgen können oder eben nicht. Aber genau dieser Aspekt ist mitunter enorm wichtig.

Gerade dann, wenn wir Dinge im Internet verkaufen wollen. Denn wenn niemand rafft, was wir von ihm wollen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, das der Leser bleibt, auf ein Minimum. Klar, oder?

Ein Text muss also…

  • verständlich geschrieben sein,
  • dabei zu unserer Zielgruppe (Artikel: Zielgruppe finden) passen und
  • sollte dabei unsere Leserschaft weder unter- noch überfordern.

Lesbarkeit messen! Der Flesch-Wert

Nun ist es aber recht einfach formuliert, wenn ich schreibe, dass unsere Texte möglichst lesbar sein sollten. Hierbei kann sich jeder an den Kopf klatschen und schreien:“Ach…, wirklich?!“

Deshalb möchte ich Dir ein Hilfsmittel an die Hand geben, mit dem Du die Lesbarkeit Deiner Texte maßgeblich beeinflussen und vor allem überprüfen kannst: Den ominösen Flesch-Wert.

Dieser sagt nämlich aus, inwiefern ein Text verständlich ist oder eben nicht.

Die Formel für den Lesbarkeitsindex

Der Fleschwert ist ein ganz verrücktes Gebilde, das aufgrund einer Formel berechnet, inwiefern ein Leser die Aussage eines Textes begreifen kann. Dabei ist dieser allerdings für die englische Sprache konzipiert und ist daher nicht mühelos auf das Deutsche zu übertragen.

Da das Englische viel kürzere Worte nutzt, kann die Formel nicht einfach übernommen werden. Das Deutsche hat nämlich sehr viele zusammengesetzte Wörter, die eine einfache Übertragung unnatürlich beeinflussen würden und vor allem schwierig machen

Daher hat Toni Amstad den Versuch unternommen, diese kryptische Formel auch für den deutschen Sprachraum anwendbar zu machen. Herausgekommen ist das folgende Konstrukt:

Flesch-Wert für den deutschen Sprachraum

Hierbei spielen vornehmlich die Satz- und eben auch die Wortlänge eine übergeordnete Funktion. In diesem Fall bedeutet ASL ~ durchschnittliche Satzlänge (Wörter pro Satz) und ASW ~ durchschnittliche Wortlänge (Silben pro Wort). So ist ein recht kompakter und übersichtlicher Richtwert entstanden.

Insgesamt nimmt man an, dass ein Fleschwert von 100 der einfachste aller möglichen Texte ist, wobei sich das Ganze in die folgenden Werte und jeweiligen Textniveaus aufsplittet:

Fleschwert von…

  • über 80: banal; sehr,sehr einfach ~ Comic, Bibel, Slogans
  • 71-80: sehr einfach ~ Boulevard-Zeitungen
  • 61-70: einfach, simpel ~ Blogs, Tagebücher
  • 46-60: durchschnittlich ~ Online-Magazin, Zeitschrift
  • 36-45: schwierig ~ AGBs, Paragrafen, Rechtstexte
  • unter 35: sehr schwierig ~ Doktorarbeiten

Das bedeutet also, dass ein hoher Fleschwert einem Text eine sehr gute Lesbarkeit bescheinigt. Ein zu hoher kann allerdings lächerlich wirken. Peng! Knall! Bumm! 😉 

Wie messe ich den Fleschwert?

Nun. Einerseits kannst Du einfach die Formel oben nehmen und das Ganze einmal durchexerzieren. Ich selbst verwende allerdings ein Programm und vertraue einfach darauf, dass das stimmt. Ich würde dabei die folgenden Tools empfehlen:

  • leichtlesbar.ch – simples Online-Tool, das den Fleschwert misst.
  • Seitenreport – Analysetool für Webseiten, gibt aber auch den Fleschwert einer Seite, eines Artikels an.

Mir reicht meistens die erste Variante, allerdings nutze ich häufig das zweite Tool für andere Zwecke. Da hierbei auch der Fleschwert ausgeliefert wird, wollte ich es der Vollständigkeit halber erwähnen. Aber mit Sicherheit gibt es noch ganz andere Möglichkeiten. Mir reichen die vorgestellten aber vollkommen aus.

Was machen wir mit dem Fleschwert?

Dieser Wert ist natürlich nicht in Stein gemeißelt und wenn es irgendwas gibt, das ich pauschal über Blogs sagen würde, wäre es: Jeder Blog ist verschieden und nur dann gut, wenn er individuell ist.

Allerdings können wir ein paar Dinge aus diesen Erkenntnissen nutzen. Vor allem für Affiliate-Seiten oder auch Werbetexte. Denn ein Text, der für eine ganz spezielle Zielgruppe verfasst ist, sollte idealerweise auch den Nerv dieser treffen. Dabei halte ich den Fleschwert für ideal.

Dennoch ist Vorsicht geboten. Denn,

  • …der Fleschwert ist eine Formel und sagt nur bedingt etwas aus,
  • …bringt ein hoher Fleschwert recht wenig, wenn die Wortwahl komplex oder
  • …ein Text einfach schlecht geschrieben ist

Der Fleschwert – Ein Fazit

Schreibtipps für BloggerIch nutze den Fleschwert fast täglich. Allerdings nie auf diesem Blog. Hier schreibe ich frei nach Gusto und wer damit nichts anfangen kann, darf wieder gehen.

Was sich enorm arrogant liest, ist aber gar nicht böse gemeint. Denn hier beschreibe ich Dinge, die mir wichtig sind.

Aber natürlich versuche ich, Anleitungen möglichst einfach und Rezensionen übersichtlich zu gestalten. Dennoch möchte ich nicht meine eigene Schreib-Note verlieren (Artikel: Wie finde ich meinen Schreibstil).

Wichtig finde ich den Fleschwert also vor allem auf:

  • Affiliate-Projekten
  • zielgruppen-orientierten Texten
  • Werbetexten

Wenn Du selbst schon Erfahrungen mit dem Fleschwert gesammelt hast oder ganz anderer Meinung bist, freue ich mich über Deinen Kommentar. Aber dennoch: Über Qualität lässt sich bekanntlich streiten, aber auch nur dann, wenn ein Text lesbar ist 😉


Randnotiz: Dieser Text hat übrigens einen Fleschwert von 53 und ist somit im Bereich der Printmedien oder auch Boulevard-Zeitungen zu verorten.

5 Meinungen

  1. Roland05-08-2012

    Das finde ich ja interessant, sowas kannte ich gar nicht. Dachte mir immer, irgendwann sollte man mal ein Meßsystem erfinden.
    Leichtlesbar.ch – ein Top Link.
    Habe gleich ein paar Texte getestet. Habe, egal auf welcher Seite, immer einen ähnlichen Fleschwert. Er liegt zwischen 42 und 46.
    Ich glaube ich mache es mir zum Spaß ab nun unter jedem Artikel den Fleschwert zu schreiben. *g*

  2. Jonas G.05-09-2012

    Hehe :-)

    Ja, ich finde den Wert auch recht praktisch. zwar ist er nicht der Heilige Gral der Texterstellung, kann aber immerhin ein paar Hinweise zu argen Vergehen und kryptischen Sätzen liefern :-)

    beste Grüße

  3. Charlie05-09-2012

    Wir können ja mal Gutti fragen, wie hoch sein Fleschwert bei der Doktorarbeit war 😉

  4. Roland05-09-2012

    Das hängt davon ab, wie gut seine Vorschreiber waren. :-)

  5. Marco06-08-2012

    Sehr interessant. Das heißt, wenn ich eine Affiliate-Seite für Elektronenmikroskope baue, kann der Fleschwert auch gern mal 20 sein.
    Das kannte ich noch nicht, und werde das beim Bauen meiner Seite stärker berücksichtigen.