Krankenversicherung – Was brauchen Blogger, Webworker und Selbständige?

Ich blogge nunmehr seit drei Jahren. Anfangs wenig erfolgreich, mit der Zeit wurde alles ein bisschen besser und plötzlich musste ich mich um Dinge kümmern, die mit der reinen Textarbeit recht wenig am Hut hatten.

Buchhaltung, Krankenversicherung und Steuererklärung. Mit Sicherheit haben die wenigsten für solche Themen ein absolutes Faible, notwendig sind sie allerdings schon.

Ich habe in diesem Blog schon häufiger über Versicherungen geschrieben. Immer dann, wenn ein bestimmter Bereich für mich relevant war. Nun möchte ich mich allerdings dem großen, aber unliebsamen Gebiet der Krankenversicherung widmen und einen Überblick geben, was Blogger, Webworker und Selbständige zu beachten haben.

Denn zwischen Künstlersozialkasse, gesetzlichem Einerlei und unzähligen Zusatzversicherungen verliert man doch recht fix den Durchblick…

Die Krankenversicherung – gesetzlich, privat oder was?

KrankenversicherungNormalerweise erkläre ich anfangs, was eine bestimmte Versicherung tut. Wozu sie zuständig ist und warum man sie gegebenenfalls gebrauchen könnte.

Das spare ich mir an dieser Stelle allerdings, denn eine Krankenversicherung wird wohl jeder kennen – allerdings habe ich sicherheitshalber Wikipedia verlinkt.

Dennoch gibt es ein paar Dinge, die man bei der Wahl der Krankenkasse beachten sollte. Jedenfalls geht es mir so, auch wenn es natürlich sehr individuelle Bedürfnisse oder Wichtigkeiten gibt.

Schauen wir doch anfangs einmal, was der Unterschied zwischen gesetzlicher und privater Krankenkasse ist, werfen dann einen Blick auf die Künstlersozialkasse und erhalten so einen Überblick, was denn nun für uns selbst die richtige Wahl ist.

Unterschied: Gesetzliche und Private Krankenversicherung

Freiwilligkeit

Der grundsätzliche Unterschied zwischen einer gesetzlichen und einer privaten Krankenversicherung ist in jedem Fall die Freiwilligkeit. Denn wer bei einer PV Kunde ist, tut dies in der Regel aus freien Stücken.

Deshalb muss sich die Private Krankenversicherung gewissermaßen auf dem freien Markt behaupten, denn nur durch die Entscheidung der Versicherten kann sie letzten Endes Einnahmen erzielen. Das läuft normalerweise über Angebote, geringe Beträge und eben attraktive Prämien.

Im Gegensatz dazu, sind fast alle Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Vor allem Arbeitnehmer unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze. Das bedeutet also, dass jeder Arbeitnehmer zwangsläufig gesetzlich versichert ist und dabei lediglich entscheiden kann, welche Krankenkasse für ihn die beste ist.

Wer mehr verdient, kann aber natürlich in die private Krankenversicherung wechseln und auch Selbständige, Freiberufler oder auch Beamte haben die Möglichkeit, sich privat versichern zu lassen.

Hinweis: Wer sich bewusst für den Wechsel in eine Private Krankenversicherung entscheidet, kann dann nicht einfach zurück. Das ist lediglich möglich, wenn Arbeitslosigkeit vorherrscht oder das monatliche Gehalt wieder unter die Beitragsbemessungsgrenze fällt.

individuelle Versicherungsleistungen

Ein weiterer Unterschied zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung ist die individuelle Gestaltung der Versicherungsleistungen.

Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das, dass in einer privaten Krankenversicherung für jede Person ein eigenes Versicherungspaket geschnürt wird. Hierbei kann natürlich in den jeweiligen Umfängen unterschieden werden, ob nun die Basis-Absicherung oder eben das Rundum-Paket ist dem Versicherten selbst überlassen.

Im Gegensatz dazu sind die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung eben einheitlich festgelegt und nur durch Zusatzversicherungen kann der Versicherungsschutz erweitert werden (Rechner: Zusatzkrankenversicherung Vergleich).

Wer ist der Vertragspartner?

Ein weiterer Unterschied zwischen der gesetzlichen und der privaten Versicherung ist, dass wir als Privatpatient immer selbst zum Vertragspartner werden.

Das bedeutet also, dass wir uns den Arzt, das Krankenhaus oder auch den Heilpraktiker selbst aussuchen. Somit erhalten wir selbst im Anschluss an eine Leistung die Rechnung, die als Grundlage zur Erstattung unserer privaten Krankenkasse wird.

Im Gegensatz dazu gibt es bei der gesetzlichen Krankenversicherung diesen Zwischenschritt nicht und alle Beträge werden zwischen Versicherung und ärztlichem Dienstleister abgerechnet, auch wenn wir grundsätzlich natürlich trotzdem die Wahl haben, welchem Heilkundigen wir uns anvertrauen. Somit entfallen diesbezüglich natürlich sämtliche Rechnungen.

Das Äquivalenzprinzip

Grundsätzlich werden alle Versicherten in der privaten Krankenversicherung nach dem Äquivalenzprinzip versichert. Das bedeutet, dass der Beitragssatz sich nach Alter oder auch dem Geschlecht des Versicherten richtet.

Hierbei könnte man folgenden Grundsatz formulieren:

Wer früh in die Private Versicherung wechselt, zahlt die geringsten Beiträge. Allerdings richten sich diese natürlich nach dem Umfang des gewählten Versicherungschutzes (siehe Individuelle Versicherungsleistungen).

Im Gegensatz dazu, haben Versicherte bei der gesetzlichen Krankenversicherung einen Pauschalsatz, den es zu entrichten gibt. Natürlich nur, wenn man selbst unter der Beitragsbemessungsgrenze liegt. Weshalb es sich natürlich lohnt, aktiv die Preise der jeweiligen Privatversicherungen zu vergleichen. (Vergleichsrechner: Private Krankenversicherung, Vergleichsrechner: Gesetzliche Krankenversicherung)

Die Altersvorsorge

In der privaten Krankenversicherung wird aktiv für das Alter gesammelt. Das bedeutet, dass im gesamten Versicherungszeitraum aktiv Rücklagen gebildet werden, um im Alter die höheren Beiträge ausgleichen zu können.

Das ist insofern relevant, als dass Gesundheitsleistungen im Alter natürlich häufiger in Anspruch genommen werden, was sich gleichermaßen auf den Beitragssatz auswirkt.

im Gegensatz dazu, gibt es bei der gesetzlichen Krankenversicherung das Prinzip der Umlage. Was bedeutet, dass die jüngeren Versicherungsteilnehmer durch ihr Beiträge die Leistungen der Älteren mitfinanzieren und somit gewissermaßen für einen Ausgleich sorgen.


Meines Erachtens sind dies die Hauptunterschiede zwischen einer gesetzlichen und einer privaten Krankenversicherung. Natürlich gibt es auch Unterschiede in den jeweiligen Leistungen, aber das würde den Rahmen des Artikels sprengen.

Deshalb möchte ich nun noch einen Blick auf die Künstlersozialkasse werfen, da sie natürlich gerade für Blogger interessant sein könnte und im Anschluss möchte ich einmal schauen, was Webworker, Blogger und eben Selbständige bei der Wahl ihrer Krankenkasse beachten sollten.

Was ist die Künstlersozialkasse?

Die Künstlersozialkasse ist eine gesetzliche Sozialversicherung. Das heißt, dass sie zwar öffentlich respektive in diesem Fall halböffentlich ist, aber trotzdem als Pflichtversicherung gelten kann, denn sie verschafft Künstlern gewissermaßen den Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung, indem sie ihn finanziell entlastet.

Diese Form der Versicherung wurde eingeführt, um das Kreative in unserer Gesellschaft zu unterstützen. Die Begründung liegt hierbei natürlich auf der Hand und vereinfacht könnte man herausstellen, dass Künstler zwar wichtig für einen Staat sind, aber häufig nicht mit dem Einkommen anderer Freiberufler mithalten kann. Das gilt zwar nicht für alle, aber doch für den Durchschnitt.

Deshalb gibt es die Künstlersozialkasse, die es letzten Endes möglich macht, dass Künstler einen Teil der Versicherungsbeiträge eben aus diesem Sammelbecken erhalten. Man könnte es also mit dem üblichen Arbeitgeberanteil gleichsetzen, der sonst bei einer gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird.

Die Kasse springt also an dieser Stelle ein und entlastet den Künstler gewissermaßen, denn sie zahlt 50% der anfallenden Beiträge, wobei sich die Beiträge des Künstlers direkt an das eigene Einkommen knüpfen.

Demzufolge ist die Künstlersozialkasse eigentlich keine Krankenversicherung in diesem Sinne, sondern lediglich eine finanzielle Entlastung für freischaffende Künstler. Allerdings ist hierbei zu beachten, dass ein Künstler nur teil werden kann, wenn er jährlich mindestens 4000€ durch das Ausüben seiner Kunst einnimmt.

In diesem Zusammenhang ist es natürlich wichtig, zu definieren, wer überhaupt als Künstler gilt. Oder anders gefragt: Sind Blogger Künstler?

Als Künstler gilt, wer…

[…] Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft oder lehrt; Publizist ist, wer als Schriftsteller, Journalist oder in anderer Weise publizistisch tätig ist oder Publizistik lehrt. In anderer Weise betroffen ist die Gruppe der Kritiker, Übersetzer, wissenschaftlichen Autoren und Fachleute für Öffentlichkeitsarbeit oder Werbung. Voraussetzung: Sie erzielen aus dieser erwerbsmäßigen und nicht nur vorübergehend ausgeübten Tätigkeit ein Mindesteinkommen, beschäftigen nicht mehr als einen Arbeitnehmer und sind nicht anderweitig von der Versicherungspflicht befreit. Quelle: wikipedia

Aber auch Blogger fallen mittlerweile in diese Kategorie, wie das Bundessozialgericht Mitte 2011 konstatierte. Denn bei einer vorherrschenden „Umsonst-Kultur“ im Internet gelten auch Blogger als freischaffende Künstler, wenn sie ihre Texte kostenlos im Internet zu Verfügung stellen.

Ob das nun eine gute Botschaft ist, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Dennoch kann die Entscheidung für die Künstlersozialkasse natürlich vorteilhaft sein. Denn letzten Endes werden so Selbständige mit zweierlei Maß bemessen und das kann zur Entlastung seitens des Bloggers oder eben Texters führen.

Allerdings ist genau dieser Aspekt auch der kritische Punkt dieser Einrichtung, denn vermehrt keimen Stimmen auf, die eine Abschaffung fordern. (Artikel: Bund der Steuerzahler fordert die Abschaffung)

Was denn nun? Blogger, Selbständige und Webworker

Letzten Endes ist es immer eine individuelle Problematik, denn jeder Mensch und natürlich auch Selbständige hat unterschiedliche Ansprüche und Vorstellungen.

In diesem Zusammenhang möchte ich nochmals auf die Beitragsbemessungsgrenze verweisen, die uns erst einen Aufschluss darüber gibt, ab wann ein Wechsel in die private Krankenversicherung für Selbständige überhaupt Sinn macht.

Dabei sollte allerdings bedacht werden, dass diese Entscheidung nachhaltig ist. Mal von Arbeitslosigkeit und Co abgesehen. 

Deshalb möchte ich das Wichtigste nochmals im Überblick darstellen:

  • Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse sind unabhängig von Alter oder einem Erkrankungsrisiko. Der Satz orientiert sich an der momentanen Einkommenssituation und diese sind bei Selbständigen natürlich häufig starken Schwankungen ausgesetzt.
  • Eine private Krankenversicherung orientiert sich sehr stark am Eintrittalter und auch verlockende Prämien sollten immer miteinander verglichen werden. Denn was für die ersten 30 Jahre interessant klingt, kann einem im Alter finanziell bedrohen.
  • Famielienmitglieder sind bei der gesetzlichen Krankenversicherung stets mitversichert und schließt alle Mitglieder, wenn sie nicht selbst versicherungspflichtig sind, kostenlos mit ein. Bei der privaten Versicherung sind in jedem Fall Prämien zu entrichten.
  • Die Künstlersozialkasse springt ein, wenn man per Definition als Künstler gilt, seinen Lebensunterhalt hauptsächlich mit dieser Tätigkeit bestreitet und jährlich mehr als 4000€ damit umsetzt. Wird die Selbständige Tätigkeit allerdings im Alter aufgegeben, entfällt der Zuschuss der Kasse zur privaten Krankenversicherung. Deshalb heißt es abwägen.
  • Die private Krankenversicherung macht also hauptsächlich dann Sinn, wenn man über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, eine selbständige Tätigkeit ausübt und jung ist. Jung ist hierbei natürlich recht dehnbar, aber ein hohe Eintrittsalter würde ich selbst nicht empfehlen.
  • Die Künstlersozialkasse ist allenfalls als Ergänzung zu verstehen und kann mit dem Arbeitgeberanteil bei Angestellten gleichgesetzt werden.

Weiterführende Links:

Vergleichrechner – private Krankenversicherung

Vergleichsrechner -gesetzliche Krankenversicherung

1 Meinung

  1. Miriam05-11-2012

    Der Begriff Webworker ist mir neu 😉 Dennoch sollte man fairerweise sagen, dass man danach nicht einfach so zurückwechseln kann. Ganz unwichtig ist dies wirklich nicht.