Schreibtipps für Blogger: Kann man Schreiben lernen?

In dieser Woche soll es also endlich losgehen und eine neue Reihe erblickt das virtuelle Licht der Welt. Ich habe jede Menge Artikelideen dafür gesammelt und möchte fortan Schreibtipps für Blogger geben.

Ich habe lange überlegt, mit welchem Beitrag ich diese Serie eröffnen sollte und außerdem jede Menge versprochen. Das gilt es nun auch einzuhalten.

Anfangs wollte ich gleich in die Vollen gehen und einen ganz konkreten Tipp verfassen, doch dann bin ich davon abgekommen. Es gibt nämlich ein paar Grundlagen, die vorab geklärt werden sollten.

Außerdem ist es wichtig, realistische Ziele abzustecken und deshalb möchte ich diese Artikelserie mit der Frage Kann man das Schreiben lernen? eröffnen.

Schreibtipps für Blogger

Kann man das Schreiben lernen?

Schreibtipps für BloggerBevor ich auch nur irgendeine Behauptung in den Raum stelle, muss klar sein, dass es dabei keine richtige oder falsche Antwort gibt.

Die Geister scheiden sich bei der Beantwortung dieser Frage und ein Blick in die Googlesuche hilft uns auch nicht wirklich weiter.

Klar ist, dass das Schreiben gemeinhin als Handwerk gilt und ein solches kann in der Regel erlernt werden. Auch wenn das notwendige Fingerspitzengefühl vom Lehrling abhängt.

In Deutschland gibt es immer mehr Hochschulen, die sich ganz dem Kreativen Schreiben verpflichtet haben und versuchen, ihren Schützlingen das Handwerk näher zu bringen.

Was in unseren Breiten noch neu und aufregend ist, scheint in den Staaten allerdings schon zum guten Ton zu gehören und zwischen Ost- und Westküste eröffnen ständig neue Schreibschulen ihre Pforten.

Oftmals können wir solche Einrichtungen mit einem müden Lächeln abtun, da sie lediglich aus der Leichtgläubigkeit ihrer Schüler schnelles Geld machen. Manchmal gibt der Erfolg solchen Institutionen allerdings recht.

Schaue ich beispielsweise auf die Abgänger des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig, schlägt mir eine Fülle von bekannten Gegenwartsautoren entgegen, die vom Schreiben leben und ihre Erstlingswerke in den Bestsellerlisten platzieren können.

Fraglich ist aber, ob nicht eher die Vernetzung der Autoren untereinander zum Erfolgsgarant wird und es nur zweitrangig ist, ob sie diese Schule jemals besucht haben oder eben nicht.

Schauen wir doch einmal darauf, was das Schreiben überhaupt ausmacht und beantworten so die Frage, ob das Schreiben erlernbar ist.

Was bedeutet Schreiben?

Grundsätzlich verstehen wir unter dem Begriff Schreiben die Fähigkeit, Schriftzeichen aufzuzeichnen und zu einem Text zusammenzufassen. Dabei können wir allgemein zwischen sekundären und primären Schreibkompetenzen unterscheiden.

Der Unterschied liegt hierbei im Detail: Denn Text ist nicht gleich Text und bloß weil ich eine sinnvolle Zeichenkette aneinanderreihen kann, bin ich kein großartiger Autor. Klar, oder?

Als eine primäre Schreibkompetenz kann das Erstellen eines Textes selbst gelten, also meinetwegen der Satz Ich möchte das Schreiben lernen.

Die sekundäre Kompetenz unterliegt aber ganz klaren Regeln. Sie sagt nämlich aus, ob ein Autor den Anforderungen der Texterstellung selbst gewachsen und in der Lage ist, die unterschiedlichen Textgattungen zu bedienen. Ob nun für eine Webseite, eine Fachzeitschrift oder auch einen Roman.

Diese ist folglich die Königsdisziplin und es ist fraglich, ob sich jeder in dieser behaupten kann.

Das Schreiben selbst ist folglich erlernbar und wird uns schon am Anfang unseres Lebens beigebracht. Was wir aus diesen Anlagen machen, hängt aber von uns selbst ab und wir können nur beständig versuchen, die eigenen Fähigkeiten auszubauen.

Schreibkompetenzen unterscheiden

Notizen und Listen anlegenWenn ich also darüber blogge, was es beim Schreiben zu beachten gilt, streife ich unmittelbar beide Disziplinen.

Einerseits natürlich die primäre Schreibkompetenz, die wir durch Grammatik, Zeichensetzung und Ausdruck verbessern können.

Aber eben auch die sekundäre Schreibkompetenz, die schon einen Grad anspruchsvoller ist. Sie bedeutet nämlich, dass wir in der Lage sind, verschiedene Arten von Texten zu verfassen.

Allerdings sind beide Arten für das erfolgreiche Schreiben essentiell und greifen unmittelbar ineinander über.

Das ist insofern wichtig, als dass es keinen Sinn macht, den Aufbau einer Kurzgeschichte zu studieren, wenn es am erzählerischen Werkzeug mangelt. Beide Disziplinen lassen sich aber durch ein paar Tipps und Tricks verbessern.

Erstere durch das trockene Studium der Zeichenkunst selbst und zweitere fordert unweigerlich unsere Kreativität und die Auseinandersetzung mit den jeweiligen Textgattungen.

Das möchte ich nun anhand der Lyrik (Gedichte) aufzeigen und dabei einen kleinen Ausflug in das Reich der Definitionen wagen. Die untenstehende stammt übrigens von Roman Jakobson und gilt seither als eine der wichtigsten, um Lyrik generell zu beschreiben:

Die poetische Funktion überträgt das Prinzip der Äquivalenz von der Achse der Selektion auf die Achse der Kombination. (Poetik, Jakobson, S. 153)

Dieser Satz wurde mir in den ersten Semesters meines Studiums der Literaturwissenschaft fast täglich um die Ohren gehauen und beschreibt die Grundzüge, die Lyrik prinzipiell ausmachen. Er liest sich vollkommen kompliziert und ist im Grunde aber ganz einfach.

Vor allem dann, wenn wir ein Diagramm zur Veranschaulichung nutzen:

Die poetische Funktion nach Jakobson

 

Wir sehen hierbei die Entstehung des Satzes: Der Rüde ist müde.

Und können nun als primäre Schreibkompetenz annehmen, dass wir aus unserem Wortfundus die notwendigen Begriffe schöpfen konnten – also die verschiedenen Substantive für Hund und die unterschiedlichen Adjektive für müde.

Im zweiten Schritt wurden diese zu einem Reim umfunktioniert, wobei ich auf meine sekundäre Schreibkompetenz zurückgegriffen habe. Also das grundsätzliche Verständnis eines Gedichts.

Der komplizierte Satz von Jakobson beschreibt also nichts anderes, als die Verkettung dieser Worte zu einem Reim, der ähnliche (äquivalente) Endungen aufgreift und in eine Ordnung bringt.

Denn in der Lyrik übertragen wir die Äquivalenz eines Wortes auf die Achse der Kombination. Das bedeutet, dass wir nicht einfach so quatschen, wie uns der Mund gewachsen ist, sondern die Kombination der einzelnen Phrasen zum obersten Prinzip der Texterstellung erheben.

Wir legen also unser Augenmerk darauf, dass sich die Worte reimen und nicht willkürlich aneinandergereiht sind – Ob nun aufgrund ihrer Ähnlichkeit, der Lautmalerei (Onomatopoesie) oder eines anderen Kriteriums ist dabei zweitrangig.

Worauf es mir in diesem Beispiel allerdings ankommt, ist genau dieser Aspekt und die Veranschaulichung des Grundsatzes, dass das Schreiben selbst eine handwerkliche Übung und die kombinatorische Kreativität ein anderes Feld ist.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle schlussfolgern, dass man das handwerkliche Schreiben sehr wohl lernen kann, doch wie es mit der eigenen Kreativität aussieht, muss eine andere Frage sein.

Ist Kreativität erlernbar?

Ist Kreativität erlernbar?Die eigentliche Frage, die ich mir also stelle, ist, ob wir Kreativität erlernen können.

Grundsätzlich erachte ich Talent für gegeben oder eben nicht. Denn wer nicht in der Lage ist, überhaupt zu schreiben, wird wahrscheinlich keine guten Texte schreiben, aber natürlich können wir uns verbessern.

Allerdings möchte ich auch dafür ein kleines Beispiel nutzen:

Wenn Du tagtäglich läufst und Deine Strecke jedes Mal ein wenig länger wird, wirst Du mit der Zeit ein guter Läufer. Vielleicht wirst Du dabei immer schneller und erreichst neue Bestmarken.

Du wirst es aber nicht mit jemandem aufnehmen können, der schon von Geburt an bessere Voraussetzungen hatte und diese fortan trainiert und ausgebaut hat.

Aber trotzdem kannst Du mit der Zeit ein ganz passabler Läufer werden und Dich Stück für Stück verbessern und Deine Werte nachhaltig steigern.

Ich denke, dass es sich mit dem Schreiben ähnlich verhält. Und so wird nicht jeder übermorgen einen Besterseller veröffentlichen, aber jeder kann es schaffen, eine lesenswerte Geschichte zu erzählen. Ob nun für einen Blog, eine Webseite oder auch nur die eigene Textsammlung.

Und genau das möchte ich Dir zeigen. Ich möchte Dir beibringen, wie Du Deine eigenen Texte jedes mal ein kleines bisschen besser gestaltest, was es dabei zu beachten gilt und Dir die grundsätzlichen Fehler und Stolpersteine beim Laufen aufzeigen.

Ob es für das olympische Gold reicht, können nur Du selbst und Dein Publikum beurteilen und ich kann es Dir in keinem Fall versprechen.

Kann man Schreiben lernen – ein Fazit

Ich hoffe, niemand ist vom Auftakt dieser Serie enttäuscht. Aber mir war es wichtig, das Ganze von vorne aufzurollen und nicht irgendwo zu beginnen.

Ich könnte jetzt ganz klar sagen, dass es wichtig ist, dass

  • …wir uns kurz fassen,
  • keine langen Sätze schreiben,
  • einfache Wörter verwenden und
  • …die geringe Aufmerksamkeitsspanne der Leser bedenken sollten.

Allerdings glaube ich nicht, dass Dir das wirklich helfen würde, besser zu schreiben. Außerdem wäre es nur die halbe Wahrheit. Diese Sätze findet jeder selbst, wenn er einmal Google befragt oder zu einschlägiger Lektüre greift, aber sie sind nicht wirklich zielführend.

Vielmehr geht es darum, den Bereich der Sprache oder eben des Schreibens aufzuteilen und einmal ganz genau zu untersuchen, was wir tun können und was nicht. Welche Fähigkeiten wir ausbauen können oder auch müssen und welche nur teilweise in unserer Macht stehen.

Wie man letzten Endes einen guten Text schreibt, ist immer das Ergebnis vieler Bausteine, die durch Dich zusammengefügt werden müssen.

Es ist also nicht sinnvoll, wenn ich Dir erkläre, was die Merkmale eines guten Artikels sind, wenn Du nicht weißt, wie Du diese umsetzt und auf Deinen eigenen Schreibstil anwendest. Jedenfalls sollte das nicht der Anfang der Auseinandersetzung sein.

Grundsätzlich halte ich das Schreiben für erlernbar, wenn auch die textliche Qualität und Wirkung in erster Linie vom Autor selbst abhängt und sich nur die Basics erklären lassen.

In der nächsten Woche soll es dann ein wenig konkreter werden und ich möchte über den Unterschied zwischen erzählen, nennen und schreiben einen Beitrag veröffentlichen.

Denn die Wirkung einer Geschichte oder eines Artikels hängt oftmals von der Art und Weise des Erzählens ab :)

Schreibtipps für Blogger

10 Meinungen

  1. Matze03-12-2012

    Ich habe mir was ganz anderes vorgestellt, finde das Vorgehen aber bisher super und freue mich umso mehr auf die weiteren Artikel.

    Das ist mal ganz anders und unterscheidet sich von den üblichen tipps. Ich bin weiterhin sehr gespannt.

    • Jonas G.03-13-2012

      Hallo Matze. Dann hoffe ich, dass Du weiterhin am Ball bleibst und dann werden wir sehen. Natürlich freue ich mich, dass Dir der Artikel gefällt :)

  2. Roland03-13-2012

    Sehr gelungener Einstieg über das Thema Schreiben.
    Ein bisschen VHS-Feeling kommt da in mir auf.
    Zuerst muß ja dargelegt werden, was mit dem Schreiben gemeint ist.

    • Jonas G.03-13-2012

      Oh, dann sollte ich vielleicht einen Gang runterschalten? VHS erweckt in mir gruselige Erinnerungen mit kaltem Kaffee und Kekskrümeln im Mundwinkel. Oder war das gar ein Kompliment :)?

  3. Chris03-13-2012

    Guten Morgen!
    Ich bin nicht enttäuscht, keine Sorge. Mir gefällt eher, wie du das Thema angehst und ich bin überrascht. Ich hatte die Befürchtung, das gleiche zu lesen, wie an jeder Ecke, aber man merkt, dass du wirklich ahnung hast, worüber du schreibst.

    Ich freue mich also über die nächsten Artikel und es darf gern noch so ein grundsatz-Artikel über das Schreiben folgen :)

  4. Roland03-13-2012

    Das war ein Kompliment :-)
    Denn VHS versucht ja auch zunächst ein Niveau herzustellen, eine Basis zu schaffen. Das ist das schwierigste.
    Sind dann alle einverstanden mit der Basis, bzw. darauf eingestellt, kann man weitermachen.

    • Jonas G.03-15-2012

      Oh, dann bedanke ich mich und hoffe, dass wir die Basis in den nächsten Wochen noch kräftig erweitern können :)

  5. Klara_Himmel03-15-2012

    Roman Jakobson … da merkt man mal ganz deutlich, welcher Schule Kind Du bist :)
    (eigentlich aber mit „o“, Deiner schmückt sich aktuelle mit einem „e“)

    • Jonas G.03-15-2012

      Oh, Klara, vielen Dank.

      Diesen Fehler mache ich schon seit Jahren. Der Gute spricht sich so, als müsste er auf ein „e“ bestehen :) Kann es sein, dass dein Blog gerade ein wenig „herumzickt“? Google leitet mich sofort um und schreit:Achtung, Malware!

      Feine Grüße
      ich