Google Analytics: Der unsichtbare Besucher (not provided) – Eine Abhilfe

Wer bloggt, nutzt meistens auch irgendein Statistik-Tool, um die eigene Seite auszuwerten.

Die meisten Seitenbetreiber greifen dabei wohl auf Google Analytics zurück, auch wenn die Open Source-Lösung Piwik immer populärer wird.

Auch ich nutze das praktische Tool von Google.

Neuerdings kommen allerdings immer mehr Besucher über das Keyword not provided auf meinen Blog und verschlüsseln gewissermaßen die eigene Herkunft.

Das bedeutet, dass das Suchwort nicht übergeben wird und macht die Auswertung natürlich ein bisschen komplizierter.

In diesem Artikel möchte ich Dir erklären, was das bedeutet und dir eine Lösung vorschlagen, wie wir trotzdem ermitteln können, wie unsere Besucher auf den eigenen Blog kommen.

Was heißt „not provided“?

Schauen wir doch vorab in die statistische Auswertund dieses Tages und werfen einen Blick in meinen Analytics-Account, so wird das Ausmaß vielleicht ein wenig deutlicher.

Keyword: not provided

Der Screenshot zeigt die Besucher, die heute auf meinem Blog gelandet sind, natürlich nur über die Google Suche, also sind Refferer und direkte Zugriffe aus der Übersicht entfernt. Auffällig ist nun, dass fast ein Drittel aller Besucher über das Keyword not provided bei mir gelandet ist, besser: Bei einem Drittel meiner Leser wurde das Suchwort nicht an mich übermittelt.

Das ist natürlich blöd, wenn man den eigenen Blog auswerten möchte und dabei folglich auf die Suchphrasen der einzelnen Nutzer Wert legt. Aber woran liegt es überhaupt, dass das Keyword nicht übermittelt wurde?

Warum wird not provided angezeigt?

Was weiß Google über mich?Wenn wir auf die Suchmaschine Google zugreifen, steht normalerweise http:// in der Browserzeile. Kein Problem, denken wir, das ist ja auch bekannt.

Nun hat Google allerdings schon im Oktober angekündigt, dass wir die Suchmaschine auch über https:// nutzen können und somit über eine sichere Verbindung surfen, die abhörsicher ist.

Wen nun der Unterschied zwischen den beiden Kürzeln brennend interessiert, der wird auf Wikipedia fündig :)

Vereinfacht heißt das aber, dass theoretisch jeder die Wahl hat, ob seine Suchanfragen bei den jeweiligen Webmastern ankommen oder eben nicht. Denn er könnte ja ebenso die sichere Suche nutzen und die Übermittlung seiner persönlichen Daten verhindern.

Somit wahrt Google die Privatsphäre des Einzelnen und alles wird gut. In diesem Fall kommt es dann zur Ausgabe von not provided in unserem Analytics Account.

In vielen Blogs lese ich derzeitig, dass die Zahlen dahingehend interpretiert werden, dass immer mehr Menschen die verschlüsselte, sichere Suche nutzen und plötzlich auf Privatsphäre pochen.

Das halte ich aber für Quatsch, denn auch ein Anstieg des Sicherheitbewusstseins würde wohl kaum ein Drittel meiner Suchanfragen beeinflussen und ist auch nicht wirklich die Hauptursache.

Die Begründung müssen wir ganz woanders suchen und nicht beim ordentlichen und sicherheitsbewussten Leser.

Nein, Schuld daran sind Google Plus, Adsense, Google Mail und alle anderen Google Dienste, die Dir noch so einfallen.

Denn wer einen Account des Suchmaschinen-Riesen nutzt, wird automatisch auf eine gesicherte Verbindung umgeleitet. Ist ja auch von Vorteil, da eine sichere Verbindung für sensible Daten wie Mails oder auch Adsense idealerweise die erste Wahl ist.

Nun wachsen Google Plus und Google Mail aber gleichermaßen und die logische Folge ist, dass immer mehr Menschen bei irgendeinem Dienst eingeloggt sind und somit ihre Suchanfrage verschlüsseln und not provided als Keyword überliefern. Tada – Geheimnis gelöst.

Nun möchte ich Dir allerdings noch ein paar Anregungen geben, wie wir trotzdem unsere Analytics-Statistik auswerten können, not provided hin oder her.

Die Erklärung dauernd in diesem Fall übrigens um einiges länger, als die tatsächliche Umsetzung – keine Sorge :-)

Tipp: Landingpages analysieren

Normalerweise schauen wir über den Reiter Traffic Sources (Besucherquellen) unter dem Punkt Keywords nach und stoßen an dieser Stelle bekanntlich auf die verschlüsselten Suchanfragen und alle anderen Kombinationen.

Nun empfiehlt es sich, einfach mal nicht nach den Quellen zu gucken, sondern zu überprüfen, wo die lieben Besucher bei uns angekommen sind. Also auf welcher Seite sie in unserem Blog gelandet sind.

Die Landingpage analysieren

Der Screenshot zeigt einfach nur den Weg dort hin. Spannend ist in diesem Fall, dass wir noch ein weiteres Kriterium auswählen können, nämlich unsere Keywords. Dafür einfach auf den Reiter None klicken und Keyword auswählen.

Hinweis: Bei der neuen Analytics-Oberfläche kommen wir über Content, Zielseiten, dann unter sekundäre Dimension den Punkt Keywords auswählen, zum gewünschten Ergebnis.

Das Resultat ist, dass unsere Zielseiten oder eben Landingpages gelistet werden. Also die Inhalte, auf denen unsere Besucher landeten, wobei daneben das zielführende Keyword ausgegeben wird.

In vielen Fällen eben auch not provided. Aber immerhin können wir daraus jede Menge ableiten, denn nun wissen wir, bei welchen Inhalten kein Keyword überliefert wurde und so können wir einen Rückschluss ziehen.

Nun wählen wir noch als Filter, dass alle Keywords, die nicht das Kürzel not provided in sich tragen, aus der kleinen Übersicht ausgeschlossen werden, um das Ganze ein wenig kompakter und übersichtlicher zu gestalten.

not provided ausschließen

Der Screenshot zeigt die alte Analytics-Oberfläche, wobei wir durch Advanced Filter (unter den Ergebnissen) zum Ziel kommen.

Bei der neuen Oberfläche sortieren wir einfach die Ausgabe alphabetisch. Das Ergbenis sollte in etwa so aussehen:

Keywords sortiert nach not provided

Nun müssen wir eigentlich nur noch ableiten und auf die Verteilung schauen und dabei überprüfen, mit welchen angezeigten Keywords Besucher auf die jeweilige Seite kamen.

Dabei merken wir uns, wie viele Besucher auf die jeweilige Zielseite, die wir analysieren wollen kein Keyword übermittelten.

Letzten Endes sprechen wir dabei von einer Normalverteilung, wir sie auch beim Long Tail auftritt. Natürlich macht das aber nur Sinn, wenn wir genug Besucher haben. Zwei Klicks lassen sich mitunter schlecht auswerten :-)

Besucherquellen mit Landingpage vergleichen!

Dafür ein Praxisbeispiel aus meinem Blog. Nehmen wir doch einfach das erste Ergebnis aus dem Screenshot.

Also meinen Artikel zur Facebook-Chronik. Immerhin kamen rund 101 Besucher auf die Zielseite, die nur not provided zurückgeliefert haben.

Deshalb schaue ich nun auf die Zielseite und werfe einen Blick auf die sonstigen Keywords. Dafür nutze ich natürlich wieder den Menüpunkt Traffic Sources (Besucherquellen) im Analytics-Account und lasse mir die jeweiligen Keywords für die einzelne Seite ausgeben.

Durch die entsprechenden Filtereinstellungen wird dann nur noch die gewünschte Zielseite, in diesem Fall zur Facebook-Chronik, angezeigt. (Filter: Landingpage enthält URL)

Sortierte Keywords

Das Bild zeigt, dass 101 Besucher keinen Wert für das Keyword überlieferten. Nehme ich das mal als Vergleichsgröße, muss ich nur noch auf die restlichen Keywords schauen und den prozentualen Anteil berechnen.

Davor ziehen wir diese aber natürlich von der Gesamtanzahl ab. In meinem Fall wären das 240 Besucher auf der Zielseite, bleiben noch 139 nach dem Abzug aller Leser, die keinen Wert übermittelt haben.

18 Besucher kamen über die Kombination facebook titelbild maße bei mir an, das sind rund 13%, weiterhin kamen 6,5% der Besucher über die Kombination facebook chronik titelbild maße, also neun. Aufgrund der logischen Normalverteilung, bedeutet das für unsere not provided-Kandidaten, dass 13,13 der Besucher über die erste Kombination kamen und runde 6 über die zweite Kombination.

Das lässt sich jetzt natürlich erweitern. Macht aber meistens nur auf einen längeren Zeitraum Sinn.

Mein Beispiel ist also nicht unbedingt ideal, besser wäre dabei die Auswertung für einen Monat, denn umso genauer wird das Ganze ja und umso mehr macht dann auch die Rechnung. Das Prinzip ist also:

  • Wie viele Besucher kamen auf eine Zielseite
  • …und lieferten not provided zurück
  • mit welchen Keywords kamen die anderen Besucher auf die Landingpage
  • …und wie sieht im direkten Vergleich die Normalverteilung aus?

Letzten Endes können wir so zwar nicht irgendwelche zufälligen Keyword-Kombinationen ergründen, aber eben doch durch Rückschlüsse ermitteln, was sich hinter not provided verbirgt. immerhin besser, als ahnungslos im Statistik-Tool zu verhungern :)

Was denkst Du? Hast Du vielleicht noch eine bessere Methode gefunden, wie Du die Herkunft Deiner Besucher überwachst und die lästige Verschlüsslung umgehst? Oder willst Du nur Deine Meinung hinterlassen? Ich freue mich über Deinen Kommentar :)

14 Meinungen

  1. Chaosweib03-30-2012

    Danke für die ausführliche Erklärung. Ich habe mich nämlich auch schon gewundert, was das (not provided) soll. Ich habe Deine Angaben mal bei mir durchgespielt und bei 154 Artikel, die über (not provided) angesteuert wurden, ist es schon recht mühsam auseinanderzuklabüstern mit welchem Keyword die nun gestartret sind. Aber ist schon mal gut, dass man sieht wo die gelandet sind. 😉
    Also Danke dafür und schönes Wochenende.

  2. Jonas G.03-30-2012

    Hallo Chaosweib,

    ja, ein wenig umständlich ist die Methode natürlich schon. Allerdings denke ich, dass das einmal im Monat drin sein sollte. Jedenfalls, wenn die eigenen Statistiken von Interesse sind :)

    beste Grüße und ebenfalls ein wunderbares Wochenende!

  3. Karl04-03-2012

    Vielen Dank für die ausführlichen Infos. Hilft mir sehr weiter, bin auch schon oft über dieses „not provided“ verzweifelt…

  4. Pierre04-07-2012

    Ist schon ärgerlich, wenn das Keyword fehlt. Gibts da nicht auch Blog/Webseiten-interne Lösungen? Hat das nicht WordPress Stats als Standardeinstellung, dass es trackt über welche Suchworte die Leute gekommen sind?

  5. Adrian04-08-2012

    Wow, sehr ausführlicher Bericht.
    Du hast es ja noch gut mit deinem Drittel not provided. Bei mir sind es in den letzten Tagen 9 von 10 gewesen.
    Ich wusste nie wie ich die ausfiltern und analysieren kann. danke für die Tipps, die sich auch leicht nachmachen lassen

  6. Holger04-08-2012

    Übrigens entsteht das „not provided“ auch bei Besuchern, die ihr Surfverhalten mit einem Tool anonymisieren. Da gibts ja zum Beispiel Tor und JAP bzw. Jondofox. Aus Webmaster-Sicht: Doof! :-)

  7. Daniel04-09-2012

    Vielen Dank für die Info. Ich dürfte auch ein not Provided hinterlassen haben. Das mit der Google Software scheint mir eine schlüssige These für das Problem. Daher ist deine wahrscheinlich auch besonders betroffen, da sich hier viele Webmaster mit entsprechender Software tummeln.

  8. Talk2Bet04-11-2012

    Vielen Dank für diese ausführliche Bericht. Hat mir schon einiges erleichtert.
    Hätte aber noch eine Frage zu diesen Piwik Tool. Stehe dort die Besucher auch als (not provided) oder werden diese erkannt ?

  9. Das würde mich auch interessieren wie es bei Piwik aussieht. Denke allerdings, dass es dort erst garnicht angezeigt wird da ja die https SSL Verschlüsselung genutzt wird. Vielen Dank für dein Bericht

  10. MIMA04-17-2012

    Das Piwik Tool kann auch nicht hexen. Klartext: auch (not provided)

  11. Bloggi04-26-2012

    Danke für die Ausführungen. Ich denke, dass Google sich damit keinen Gefallen tut, wenn die Keywords im eingeloggten Zustand nicht mehr anzeigt werden. Auf der einen Seite will Google, dass jeder einen Google Account hat und auch eingeloggt im Netz unterwegs ist, auf der anderen Seite fehlen dadurch den Betreibern der Webseiten wichtige Daten – nicht sehr schön das!

  12. Martin07-13-2012

    Feiner Artikel, der mir echt weitergeholfen hat. Ich habe zusätzlich aber auch noch ein „(not set)“-Problem. Not set ist noch häufiger bei zwei Landingpages, die mich gerade besonders interessieren, zu finden als not provided. Gibt es dazu auch erhellende Thesen?

    • Jonas G.07-13-2012

      Ja, gibt es. Wenn mich nicht alles täuscht, ist es genau das gleiche Problem, nur dass es sich hierbei nicht um die organischen Suchergebnisse handelt (hier wird not provided) ausgeworfen, sondern um den Klick auf eine AdWords-Anzeige (not set). Trifft das vielleicht auf Deine Landingpages zu? Werden diese über AdWords beworben?

      beste Grüße :-)

  13. Martin07-17-2012

    Nein, werden sie nicht. :(