Geld verdienen durch Spenden? Flattr und Co!

Vor einiger Zeit gab es nahezu einen Hype. Überall tauchten plötzlich Flattr-Buttons auf und hingen zwischen Social Media Plugins und unter aktuellen Blog-Beiträgen.

Auch ich habe in manchen Projekten versucht, über Spenden Einnahmen zu erzielen.

Manchmal erfolgreich und in den meisten Fällen ohne einen spürbaren Effekt. Dabei ist die Idee doch gar nicht so schlecht? Ich schreibe gute Inhalte und werde von meinen Lesern belohnt.

In diesem Artikel möchte ich einmal auf die Vor- und Nachteile des Spendens eingehen und erläutern, warum ich Flattr oder Spenden für ein unzureichendes Geschäftsmodell erachte.

Was ist Flattr?

Flattr als Geschäftsmodell?Vorab möchte ich erklären, was Flattr überhaupt ist, denn genauso schnell, wie es sich damals verbreitete, verschwand es auch wieder aus zahlreichen Blogs. Auch wenn man den grünen Button noch an wenigen Stellen aufspüren kann.

Flattr ist ein Social Payment Service, bei dem ich als Nutzer einen frei wählbaren Betrag auf meinen Account lade und fortan andere Flattr-Nutzer mit einem kleinen Betrag unterstützen kann.

Gehen wir in einem Beispiel davon aus, dass ich 10€ in meinen Account lade und im nächsten Monat 20 Mal irgendeinen Flattr-Button benutze.

Flattr auf einem BlogAm Ende des Monats wird der jeweilige Betrag, dividiert durch die Anzahl meiner Klicks, an die entsprechenden Webmaster aufgeteilt.

In diesem Fall würde also jeder 50 Cent bekommen. Hätte ich den Knopf nur ein einziges Mal genutzt, wären immerhin 10€ beim betreffenden Blogger gelandet. Allerdings behält Flattr selbst noch eine Gebühr von 10% ein, aber das ist natürlich überschaubar.

Der typische Flattr-Button zeigt an, wie häufig ein Beitrag schon „geflattert“ wurde, wobei natürlich keinerlei Rückschlüsse über die realen Einnahmen gemacht werden können.

Denn vielleicht haben 500 Leute einen Cent gespendet oder eben eine handvoll 50€. Aber auch das ist nicht immer der Fall.

Das Wort leitet sich übrigens aus dem englischen Flatrate (Gebühr) und dem Verb to flattr, also jemandem schmeicheln ab.

Flattr zum Geld verdienen?

In manchen Blogs ist der Button immer noch eingebaut, doch mittlerweile hat wohl jeder Webmaster das Problem mit solchen Modellen, die auf Spendenbasis beruhen, bemerkt. Denn ein wirkliches ist Flattr eben nicht.

  • Zwar können ein paar Euro hängen bleiben, aber
  • der Erfolg ist nicht planbar
  • das Modell richtet sich nur an internetaffine Besucher
  • Flattr ist nicht wirklich ausbaufähig
  • die Einnahmen sind willkürlich
  • die Einnahmen sind meist sehr gering

Nun könnte man einwenden, dass das doch vollkommen egal sei. Denn immerhin bleibt Geld beim jeweiligen Betreiber hängen und wenn es nur ein paar Centbeträge sind.

Jedoch muss ich an dieser Stelle einräumen, dass ich von Bloggern schreibe, die im Internet Geld verdienen möchten. Dabei geht es mir weniger um gemeinnützige Vereine, Journalisten und Hobbyblogger. Für diese Gruppen kann das Modell mitunter sogar Sinn machen. Dazu aber später mehr.

Warum ich Flattr nicht nutze

1. Die Umverteilung des Geldes

Wenn ich davon ausgehe, dass es im deutschsprachigen Raum vielleicht 200.000 Blogger gibt, die ihren Blog semi-aktiv betreiben. Meinetwegen sind es mehr oder weniger, denn genaue Zahlen lassen sich nur sehr schwer schätzen.

Gehe ich weiterhin davon aus, dass vielleicht eine Million Menschen aktiv in Blogs lesen und sich dessen bewusst sind. Also nicht dem Faktum, dass sie lesen, sondern das hinter der jeweiligen Seite ein realer Blogger steckt, der mitunter Geld verdienen möchte. Auch Leute, die über Google kommen fallen aus der Rechnung, da diese doch recht selten willkürlich auf Flattr-Buttons hacken.

So. Jetzt kann ich annehmen, dass ein paar dieser Blogger aktiv flattern und den Dienst für sich entdeckt haben und sich nun eifrig unterstützen.

Letzten Endes schubsen diese also Geld von Position A (ihrem Account) auf Position B (den Account eines anderen) und dieser gibt es anteilig an einen weiteren Flattr-Nutzer. Nun gibt es aber auch recht große Blogs, die den Button einsetzen, beispielsweise die taz.

Die logische Konsequenz ist also, dass viele einen unterstützen und das Geld nicht im Kreis zirkuliert, was ja schon eine witzige Vorstellung wäre, da man real gar nichts verdienen würde. Sondern es tritt das Phänomen ein, dass große Blogs wachsen und kleine diese bezahlen.

Dieses Prinzip der Umverteilung, also von unten nach oben, sagt mir überhaupt nicht zu. Egal auf welcher Seite ich stehe. Das bezieht sich übrigens nicht nur auf die Blogosphäre 😉

Die angenommenen Zahlen sind bezüglich des Prinzips vollkommen irrelevant, da ja letzten Endes das gleiche Ergebnis mit mehr oder auch weniger Beteiligten entstehen würde.

2. Ich sehe mich ungern als Bittsteller

In dem Augenblick, wo ich einen Flattr-Button in meinem Blog integriere, zeige ich offenkundig, dass ich doch den ein oder andere Cent für meine Arbeit annehmen würde. Das mache ich natürlich auch durch Werbung oder Affiliate-Links, aber eben nicht in dieser direkten Leser-Autor-Kombination.

Hierbei sehe ich allerdings die Gefahr, einen Artikel nur noch aufgrund des potentiellen Flattr-Klicks zu schreiben und nicht, weil es mich wirklich interessiert. Auch hier könnte man natürlich einwenden, dass es dem Affiliate-Marketing doch recht ähnlich sei.

Ja. Bestimmt. Aber es besteht eine sehr schöne und vor allem wichtige Distanz zwischen Blogbetreiber und Blogbesucher. Ich erbitte nämlich keine direkte Leistung, sondern lege Links oder eben Werbebanner aus, die bei Gefallen angeklickt werden. Das ist für mich ein grundlegenden Unterschied.

Es könnte also vorkommen, dass ich mit Kalkül berichte und gleichermaßen auf einen Spenden-Betrag X setze. Ich erfreue mich in der Folge an den Klecker-Sümmchen und avanciere im Umkehrschluss zum Bittsteller gegenüber meinen Lesern.

Diese Vorstellung sagt mir nicht zu und als Geschäftsmodell ist sie auch undenkbar. Es gleicht eher der textlichen Prostitution.

3. Die Einnahmen sind zu gering

Und jetzt der wichtigste Punkt: Die möglichen Einnahmen. Ich habe Flattr ausprobiert, es hat funktioniert, ich wurde geflattert. Hui!

Im Durchschnitt waren das 10 Cent pro Klick. Nehmen wir an, ich würde auf Flattr setzen und hätte ganz realen Hunger und Lust, meine monatliche Miete zu zahlen. Ich müsste tausende Klicks bekommen, um von einer lukrativen Refinanzierung zu sprechen.

Das liegt mitunter im Auge des Betrachters, aber das erscheint mir einfach zu gering. Vor allem wenn ich auf großen Blogs sehe, dass Artikel oder auch die ganze Seite maximal 50 Klickende im Monat auf sich vereinen – das ist traurig, kein Geschäft.

Spenden – Geld verdienen

Zugegeben. Das klingt jetzt alles recht negativ und nach jeder Menge Abstand.

So schlimm ist es aber gar nicht, denn grundsätzlich finde ich die Idee schön. Doch als Basis, um erfolgreich im Internet zu bestehen, kann es in gar keinem Fall angesehen werden.

Vielleicht können sich Zeitungen oder gigantische Blogs ein wenig damit refinanzieren, doch halte ich den Einsatz als reale Einnahmequelle sogar für gefährlich. Denn nichts ist willkürlicher und unvorhersehbarer als die Gunst des Publikums. Bricht diese Zuneigung weg, ist mein Business im EimerSuper!

Deshalb verwende ich Flattr und Spendenaufrufe nicht als Mittel der Monetarisierung, aber nutze das System trotzdem, um andere Blogger zu unterstützen.

Ich erachte das Prinzip also grundsätzlich für sehr interessant und auch die Idee dahinter gefällt mir.

Durchsetzen wird es sich meiner Meinung nach nicht. Auch wenn es eine spannende Sache ist, um einem Autor die eigene Zuneigung zu bekunden und ihn finanziell zu unterstützen. Eine lukrative Geldquelle wird es für diesen aber nicht sein.

Natürlich gibt es auch sehr positive Beispiele, wie das Geschäftsmodell der Spenden funktionieren kann:

Vor einiger Zeit hatte Kai Renz zum Spenden-Launch aufgerufen, wobei immerhin rund 15.000€ gesammelt wurden. Aber hierbei gilt, dass es sich um ein gemeinnütziges Projekt handelt und keiner daran verdient hat.

Spenden können also schon ein effizientes System der Geldbeschaffung sein, aber die Zielsetzung ist natürlich stark an den potentiellen Erfolg geknüpft. Und auch dieser ist eben sehr willkürlich und nicht planbar.

Deshalb halte ich Spenden nur dann für eine sinnvolle Sache, wenn der Eigennutz nicht im Vordergrund steht. Denn stellvertretend betteln ist wahrlich eine Kür, für sich selbst, eher armselig.

Jedenfalls, wenn man sich das Geld verdienen im Internet auf die Fahnen geschrieben hat.

Was denkst Du? Hälst Du Spenden für ein sinnvolles Geschäftsmodell, hast Du Erfahrungen mit Flattr, PayPal und Co gesammelt oder siehst das alles ganz anders? Ich freue mich über Deinen Kommentar :)


Dieser Beitrag wurde im Rahmen des aktuellen Webmaster Fridays verfasst, wo noch viele andere Blogger Ihre Meinung zum Thema Spenden kundtun – Schau doch mal vorbei!

6 Meinungen

  1. Roland03-16-2012

    Ich hatte mir das Modell selbst einmal angeschaut, aber dann für meine Seiten verworfen. Das liegt aber nicht an dem sogenannten „Betteleindruck“, sondern daran, dass ein Teil meiner Beiträge von vornherein bezahlte Beiträge sind.

    Dafür noch etwas nehmen und möglicherweise anderen, die sich viel Mühe für Informationen geben etwas zu nehmen, empfand ich als unanständig.

    Für meine Vereinsseite hatte ich mal einen Paypalaccount eingerichtet. Dieser ist wieder verschwunden, da ich Paypal und das Geschäftsgebaren, insbesondere in Zusammenhang mit Wikileaks, nicht unterstützen werde. Es ist auch nicht viel auf dem Vereinskonto gelandet.

    Die TAZ hat neben Flattr noch ein tolles Modul, spenden per Handy. Beträge ab 30cent sind per Anruf möglich. Das finde ich sogar in Ordnung, denn je unabhängiger Journalismus betrieben werden kann, desto besser für alle.
    Vermutlich sehen das nicht alle Internetnutzer so.

    Vielleicht ist aber auch für viele ein Artikel mit einem Autor zu anonym um zu spenden. Ich weiß nicht wie es aussähe, wenn man vermittelt, dass die Hälfte an diese oder jene gemeinnützige Sache geht. So bekommt die Spende ein Gesicht und der Nutzer hat das Gefühl gleich 2x was gutes getan zu haben.

    Sehe ich einen guten Beitrag, so sehe ich mir auch Werbung an und klicke ab und an mal. Da bleibt beim Autor vermutlich mehr als über Flattr.

  2. Helge03-16-2012

    @Roland

    Ich weiß nicht, auch bezahlte Artikel können gut oder eben schlecht sein. Schaue ich in die deutsche Zeitungslandschaft, müsste ich ja auch festhalten, dass jeder Autor für seine Arbeit bezahlt wird und meistens nicht wirklich frei über die Inhalte entscheidet. Dennoch bezahle ich dafür und auch sehr gern. Das Problem sind dann wohl eher deine bezahlten Artikel oder nicht?

    @Jonas

    Naja. Ich halte Flattr auch nich geeignet, um Geld mit dem Blog zu verdienen und verstehe auch, was du mit Bettelei meinst. Ich finde aber, dass man ihn schon integrieren kann. Vielleicht nicht unbedingt hier, aber doch auf „themenblogs“

  3. Dani Schenker03-19-2012

    Hallo Jonas,
    Ich bin über SIN auf deinen Blog gestossen und finde deine Themen bisher ganz interessant.

    Ich hatte Flattr als es aufkam ebenfalls getestet. Und zwar auf ganz verschiedenen Blogs. Einer zum Thema Geld verdienen / Bloggen (DaniSchenker.com) oder auch zum Thema Sprachen Lernen (SprachenLernenWeb.com).
    Verdient habe ich damit nichts, sondern nur drauf gezahlt. Fürs Geld verdienen war es also nicht geeignet.

    Was mich aber am meisten störte war, dass ich die Idee eigentlich klasse fand. Ich wäre gerne bereit Bloggern einige Cents für ihre Artikel zu bezahlen. Nur leider hatten nur 2-3 meiner Lieblingsblogs Flattr eingebunden. Und so verteilte sich mein Geld monatlich auf die 3-5 Blogger, da ich einfach nicht mehr Möglichkeiten hatte, zu flattern!

    Als dann die Buttons auch bei den meisten grossen wieder verschwanden, gab ich es sowieso wieder auf. Schade eigentlich, denn die Idee ist ja wirklich gut.

    Schöne Grüsse
    Daniel Schenker

  4. Jonas G.03-19-2012

    @Roland

    Ja, ich denke, dass Flattr der „direktere“ Weg ist, um einem Autor zu zeigen, dass man seine Arbeit schätzt und ich selbst kenne es von mir, dass ich absichtlich auf Adsense klicke, um mich in irgendeiner Form zu bedanken. Da ist Flattr natürlich schöner, aber eben weniger lukrativ für den Autor – so empfinde ich es jedenfalls. Gerade bei Vereinen gibt es aber das Problem, dass die Flattr eher aus einem internetaffinen Klientel stammen und somit oftmals die Zielgruppe gar nicht erreicht wird. So jedenfalls meine Erfahrung.

    @Helge

    Naja, was sind „Themenblogs“? Dieser Blog hat ein Thema und dennoch glaube ich nicht, dass der Einsatz effektiv wäre. Ein Einbau wäre vielleicht mal für eine Testreihe sinnvoll, um wirklich zu probieren, was dabei rumkommt. Auf den Seiten, wo ich es probiert habe, kam letzten Endes wenig rum.

    Gut funktionierte es auf einem Blog, der sich mit der Kunst im Computerspiel befasst, der aber mittlerweile lahmgelegt wurde. Hierbei griff „Ruhe“ ins Internetklientel, also Menschen, die sich für etwas interessierten und dennoch online aktiv waren – dabei kamen täglich ein paar Klicks zusammen. Aber von einer refinanzierung würde ich dennoch nicht sprechen.

    @Dani

    Oh, es freut mich, dass Du den Weg hierher gefunden hast – ich hoffe,weiterhin interessante Themen nachliefern zu können :)

    Du kannst Dir Flattr mit dieser Begründung aber vielleicht nochmals anschauen, denn seit Mai (?), vielleicht irre ich mich im Zeitpunkt, kann man Flattr nutzen, ohne den obligatorischen Monatsbeitrag von 2€ zu zahlen, wie es früher üblich war.

    Aber sonst gebe ich Dir vollkommen Recht – es ist eine Umverteilung, die spiralförmig vom kleinen Blog weg geht.

    Schöne Grüße und einen guten Wochenstart Euch drein :)

  5. Dani Schenker03-19-2012

    @Jonas

    Wie gesagt, der Hauptgrund war für mich der, dass ich schlussendlich zu wenig Möglichkeiten hatte, einen solchen Button zu klicken, da schlichtweg niemand einen hatte. Der grösste Teil meines Flattr Geldes ging dann zum Beispiel an die Blogs von Blogwerk. Was zwar nicht schlecht ist. Die Idee wäre aber für mich, mit Flattr die kleinen zu unterstützen.

    Naja. Vielleicht kommt Flattr nochmal in Fahrt. Eventuell muss nochmal richtig bekannt gemacht werden, dass der Monatsbeitrag wegfiel. Das würde sicher helfen.

    Schöne Grüsse
    Dani

  6. Henning Uhle07-06-2012

    Tag zusammen,

    was doch die Google-Suche alles zu Tage fördert. :-)

    Ich bin auf der Suche nach einer Möglichkeit, meinen Lesern sinnvoll zu erklären, dass ich mit dem Flattr-Button nicht betteln möchte, aber jeder Klick helfen würde, die Kosten für die Bereitstellung der Seite zu bezahlen. Grob gesagt, mir geht es um die Antwort auf die Frage: Wie setze ich Flattr sinnvoll ein?

    Ich habe den Button seit – weiß nicht – einem halben Jahr im Einsatz. Aber außer dass das WordPress-Plugin mehrfach abgestürzt ist, ist nichts passiert. Für mich macht Flattr demnach keinen Sinn.

    Ich hab sogar versucht, auf den Flattr-Button hinzuweisen:
    http://www.henning-uhle.eu/in-eigener-sache/in-eigener-sache-ein-klick-fur-die-webseite

    Trotzdem ist nicht ein Klick erfolgt. Mein Eindruck ist aber auch, dass ich damit nicht allein dastehe. Es scheint wirklich so abzulaufen, dass nur wirklich große Blogs davon profitieren könnten.

    Ich werde Flattr wohl wieder sein lassen. Für mich taugt es nichts. Auch Affiliate-Links taugen für mich nichts, die Klickrate ist schlicht zu gering (AdBlocker?).

    Noch suche ich nach einer sinnvollen Refinanzierung, ohne mich verkaufen zu müssen. Das war der Sinn hinter der Flattr-Integration. Tja, die Erwartungen konnten nicht erfüllt werden.