Farben im Internet: Farbvorlieben unterschiedlicher Altersgruppen

Gestern habe ich über die Bedeutung und Wirkung von Farben geschrieben und dabei ein paar grundsätzliche Hinweise gegeben.

So vermitteln manche Farbtöne eher positive Gefühle und andere sind negativ aufgeladen. Aber auch das kann in den jeweiligen Regionen und Kulturen stark variieren.

Heute möchte ich mich nochmals den Farben im Internet widmen und was wir diesbezüglich beim Aufbau und der Konzeption unseres Blogs beachten sollten. Denn die richtige Farbwahl kann kann sich positiv auf die Nutzererfahrung auswirken.

Aber die Wahrnehmung von Farben ist nicht unbedingt festgelegt, sondern kann sich im Laufe eines Lebens grundsätzlich verändern und man kann bestimmte Farbvorlieben in unterschiedlichen Altersgruppen verorten.

Also, werfen wir einen Blick auf die Wahrnehmung von Farbtönen und den Zusammenhang von Zielgruppen, Alter und Farben.

Farben und das Alter – Einführung

Die Wirkung von Farben im AlterWenn ich aus dem Fenster schaue und ältere Herrschaften beim Spaziergang beobachte, fallen mir vor allem die gedeckten Farben im Alter auf.

Wer gemein ist, nennt es urnennah, wer realistisch bleibt, tut das Ganze als Vorzug des Alters ab.

Nicht mehr ganz so auffällig, die letzte Rebellion liegt schon ein Weilchen zurück und irgendwie ist es ja auch egal, denn wichtig ist nur, dass die Kleidung praktisch und vor allem pflegeleicht ist.

Direkt neben den Spaziergängern kann ich ein kleines Mädchen entdecken, sie radelt mit ihrem rosafarbenen Fahrrad gekonnt an ihnen vorbei und hinterlässt nasse Abdrücke auf dem Gehweg – irgendeine Pfütze wässerte die Reifen.

Nun, dass Mädchen Rosa ausgestattet werden, wobei prinzipiell grelle Farben in der Jugend bevorzugt werden, alte Menschen eher zu Pastelltönen und gedeckten Farben greifen, ist normal und liegt mitunter nicht nur an Tradition und Wertvorstellung, sondern an den jeweiligen Vorlieben des Alters.

Darüber haben sich schon viele Menschen den Kopf zerbrochen und gerade bei der Konzeption von Werbung ist es natürlich entscheidend, bei welcher Zielgruppe (Artikel) wir was beachten sollten.

Und so sind Bonbons selten dunkelbraun, jedenfalls nicht, wenn sie kleine Kindern ansprechen sollen und flippige Rollator-Modelle konnte ich bisher auch nirgends finden.

Wahrnehmung: Farben und Alter

Die folgenden Aussagen habe ich übrigens von Dr. Heinrich Frieling übernommen, der in seinem Buch Farbe hilft verkaufen jede Menge praktische Tipps für den Umgang mit Farben und der Korrelation zwischen Farbwahrnehmung und Produktdesign gibt. Dieses Buch möchte ich an dieser Stelle also jedem ans Herz legen, der sich grundsätzlich für Farbtheorie und die Wirkung von Farben interessiert.

5-8 Jahre

  • bevorzugen: Violett, Rosa, Rot, Zitronengelb
  • lehnen ab: Braun, Grau, Weiß, Schwarz

9-10 Jahre

  • bevorzugen: Purpur, Rot, Orange, grünes Blau, Brauntöne werden beliebter
  • lehnen ab: Dunkelbraun, Grau, grünstichiges Hellblau, starkes Hellgrün

11-12 Jahre

  • bevorzugen: Ultramarin Blau, sattes Gelb, Grün
  • lehnen ab: Violett, Hellgrün, Olivgrün,

13-14 Jahre

  • bevorzugen: Ultramarin, Blau, Rot, Orange, rötliches Orange
  • lehnen ab: Dunkelbraun, aber auch Braun, sehr helles Grün

15-16 Jahre

  • bevorzugen: Helles Ultramarin, Grün, Rot und Gelb
  • lehnen ab: Maigrün, teils Violett und Lila

17-19 Jahre

  • bevorzugen: Ultramarin Blau,Rot, Gelb Grün, Orange, Blau, aber auch die Zuneigung zu Ockertönen und teils sogar Schwarz steigt enorm
  • lehnen ab: Rosa, Pink, Violett, aber auch Purpur

20-29 Jahre

  • bevorzugen: Blau, Rot, Grün, Orange, Blau, Gelb und ebenfalls Ockertöne und Schwarz – weiterhin ist allerdings eine Bevorzugung von Weiß, Dunkelbraun und Pastelltönen zu verzeichnen
  • lehnen ab: Purpur

Diese Beobachtungen sind insofern interessant, als dass sich eine recht klare Entwicklung daran ablesen lässt. So werden im fortschreitenden Alterungsprozess immer mehr Farben akzeptiert und zu den eigenen Vorlieben gezählt, die nicht mehr schrill oder allzu verspielt sind.

Die Dominanz von dunklen und vor allem Pastelltönen nimmt mit dem Alter also proportional zu.

Weiterhin lässt sich schlussfolgern, dass sich der blaue Farbton Ultramarin durch nahezu alles Altersgruppen zieht und bei rund 40% aller Männer immerhin die Lieblingsfarbe über den ganzen Lebenszeitraum bleibt und auch das weibliche Geschlecht bevorzugt den marinen Anstrich (36%).

Dennoch muss konstatiert werden, dass gewisse Vorlieben natürlich durch eine äußere Norm diktiert werden. Zwar galt Rosa vor rund 100 Jahren als männlicher Farbton, doch hat sich das im Laufe der Zeit stark verändert. So werden Mädchen mit Rosa und Jungs eben mit hellblauen Tönen ausgestattet und natürlich hat das auch Auswirkungen auf die jeweiligen Vorlieben. Jedenfalls im Kindesalter.

Die Studien von Frieling belegen allerdings, dass sich diese Festlegung schnell wieder auflöst und im Heranwachsen die unterschiedlichen Farbvorlieben vor allem in einem direkten Zusammenhang zum Alter stehen und sich nicht unmittelbar vom Geschlecht ableiten lassen.

Farben und das Alter – Was können wir ableiten?

Natürlich lässt sich nicht pauschal sagen, dass eine Seite so oder so aussehen sollte und wir sie einfach nach Schema F aufbauen müssen, um erfolgreich zu sein.

Das wäre auch absoluter Quatsch und würde jegliche Individualität im Internet untergraben. Dennoch kann man bei der grundlegenden Gestaltung des eigenen Blogs ein paar Dinge bezüglich der Farbausrichtung beachten.

Dafür ist es allerdings wichtig, das ungefähre Alter der eigenen Besucher zu kennen. Zwar gibt es eine handvoll Tools, die wir dafür nutzen können, doch meines Erachtens reicht dafür das simple Alexa Ranking. Das ist ungenau, aber es reicht, um die ungefähre Altersgruppe einzuschätzen. Jedenfalls mir.

Außerdem habe ich einmal im Artikel Was weiß Google über mich ein paar Hinweise gegeben, in welche Altersgruppe uns der Suchmaschinen-Riese sortiert. Wer einen Blog zu den eigenen Vorlieben betreibt und somit sein Surfverhalten diesem unterordnet, kann somit natürlich Rückschlüsse über das Alter der eigenen Zielgruppe ziehen.

Außerdem halte ich die Kenntnis der jeweiligen Lieblingsfarben für essentiell, denn immerhin können wir so erahnen, dass ein Blog, der sich an ein breites Publikum richtet, idealerweise in den Farben Blau, Rot, Grün oder auch Schwarz erscheint. Und das kann natürlich von Vorteil bei der Auswahl des eigenen Themes sein.

Farben, Alter und Lieblinge – Ein Fazit

Natürlich werden wir durch die Farbwahl nicht das Ruder herumreißen, wenn der Rest Quark ist und man sollte auch keine Wunder erwarten.

Allerdings erachte ich Farbtöne als weichen, aber wichtigen Faktor. Immerhin können sie ein Produkt preiswerter erscheinen lassen (Orange), den Betrachter wachhalten (Blau) oder eben den Vorlieben unserer Zielgruppe entsprechen.

Außerdem habe ich durch die Lektüre über die Wirkung von Farben recht viel gelernt und bin vor allem erstaunt, welche Dinge ich so über das Farb-Konzept erfolgreicher Unternehmen und Webseiten ableiten kann. Denn mit Sicherheit ist Facebook nicht aus Spaß Blau und es ist auch nicht verwunderlich, dass die meisten Konzerne auf die Lieblingsfarben der Menschen zurückgreifen.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle nochmals meinen Artikel über die Bedeutung von Farben empfehlen, der weitere Hinweise und Anregungen für den idealen Einsatz von Farben im Internet gibt.

Dieser Artikel sollte eigentlich nur den gestrigen ergänzen, aber ich habe noch viele Ideen, was ich über Farben berichten könnte. Ich habe also unfreiwillig eine Artikelserie gestartet, möchte diese aber lose fortführen.

Dabei soll es zukünftig über Wirkung, Komposition und gleichermaßen um den Geschmack von unterschiedlichen Farbtönen gehen und außerdem möchte ich ein paar Hinweise geben, was bei der Farbwahl im Internet zu beachten ist – Rot/Grün-Schwäche und Co :)


Hinweis: Alle Angaben, die sich auf rosafarbene Mädchen und rollatorschiebende Greise beziehen, sind auf mein klischeehaftes Weltbild zurückzuführen und sollen lediglich zur Illustration dienen. Wer also eine pinke Gehhilfe nutzt, ist vollkommen hip und bricht mit allen wissenschaftlichen Erhebungen.

2 Meinungen

  1. Matze03-27-2012

    Sorry für den unpassenden Kommentar, aber der letzte Satz ist einfach geil 😀

    Übrigens Glückwunsch zum 250. Artikel in diesem Blog!

  2. Interessant! Eine solche Analyse habe ich gesucht. Gerade als Webdesigner sind solche Aspekte sehr wichtig. Vielen Dank!