Siezt Du noch oder duzt Du schon? Du oder Sie beim Bloggen?

Wer in meinem Blog-Archiv stöbert, findet dort die ersten Artikel. Manche sind gelungen und andere lassen mich schaudern. Aber das ist mit Sicherheit normal.

Auffällig ist dabei, dass ich meine Besucher und Leser in der Anfangszeit gesiezt habe.

Irgendwie fand ich das angemessen – Es ging immerhin um Geld und außerdem kenne ich sie überhaupt nicht. Doch mittlerweile duze ich Dich, lieber Leser.

Aber macht das überhaupt einen Unterschied und welche Möglichkeiten gibt es zwischen Können Sie an dieser Stelle mitverfolgen, Dort findest Du den entsprechenden Hinweis und Hey, alte Granate – Lies dort weiter!

Also, schauen wir einmal auf den Unterschied zwischen Du und Sie und was beim Bloggen besser funktioniert – ob es die eine Wahrheit gibt, bleibt aber mit Sicherheit zweifelhaft…

Duzen und Siezen im Wandel der Zeit

Was ist besser - Sie oder Du?Meine Großeltern sind eigentlich topmodern.

Sie bieten meinen Freunden und Bekannten schon nach wenigen Augenblicken das Du an und verwerfen das altbackene Personalpronomen in den ersten Minuten.

Das nimmt vielen die anfängliche Last von den Schultern und wirkt fast wie eine Einladung ins Familienleben. Das ist es zwar nicht, aber überraschenderweise fühlen sich alle Beteiligten besser und lassen schneller die angespannte Seele baumeln.

Auch meine Eltern duzen alles, was sich im heimischen Wohnzimmer niederlässt und das lockert die Stimmung innerhalb weniger Augenblicke – mal von Klempern, Lieferanten und Sanitätern abgesehen.

Dass das nicht unbedingt üblich ist, habe ich allerdings schon häufiger erlebt und manchmal bin ich auch großflächig gegen die zarten sozialen Bande gerasselt, weil ich per se auf ein Sie verzichte. Ein Du gehört dazu und ich biete es selten an, sondern setze es einfach voraus.

Mitunter hat das aber schon für Kleinkriege gesorgt, vor allem Schwiegereltern und ehemalige Dozenten sahen das Ganze irgendwie nicht so locker und fühlten sich in ihrer Rolle und Autorität verletzt.

Denn das Sie bedeutet Respekt und gleichermaßen schwingt eine gewisse Distanz mit. Das Du wird mit der Einladung zum Abendbrot gleichgesetzt und am Esstisch wollen wir eben nicht Hinz und Kunz haben.

Verfolgt man die Entwicklung der unscheinbaren Personalpronomen, fällt auf, dass bis ins späte 19. Jahrhundert sogar im trauten Elternhaus gesiezt und die Mutterliebe in ein Netz aus Förmlichkeit gewoben wurde.

Ja, lieber Herr Vater, so war das. Im Laufe der Zeit hat sich das allerdings verändert und spätestens seit der Studentenbewegung der 68er gehörte es zum guten Ton, das Gegenüber einfach und frech zu duzen.

Kein Problem, man war ja kollegial und wollte alten und traditionellen Formen schlichtweg den Rücken kehren und ein verbindendes Miteinander aus dem Nichts stampfen. Leider konnte ich das nicht live verfolgen, da ich diesen Jahrgang um Längen verpasst habe, aber so wird es im Internet behauptet. Immerhin!

Das Du und der Rest der Welt

Die BILD fragte vor wenigen Jahren, ob wir uns nicht lieber alle duzen möchten und bei IKEA werden eh nur noch Könige gesiezt. Blöd nur, dass in Deutschland der Kunde König ist, aber dieses Sprichwort ist wohl auf dem langen Weg Richtung Skandinavien irgendwie untergegangen. Vielleicht wurde es von einem Elch gefressen? Man weiß es nicht…

Schaut man sich den Rest der Welt an, fällt schnell auf, dass das Du auf dem Vormarsch ist.

Im englischsprachigen Raum gibt es eh keine Höflichkeitsform. Der findige Leser könnte nun bemängeln, dass es diesen Unterschied sehr wohl gibt, denn man unterschied zwischen Thou und You, aber irgendwie ist das eher verstaubt und das freundschaftliche Thou findet nirgends Verwendung. Das You wurde omnipräsent und boxte den brüderlichen Vertreter einfach aus dem Sprachring. Kein Problem, war ja eh unnütz.

Auch in anderen Sprachfamilien kann man einen Rückgang beobachten und dem Du einen klaren Sieg bescheinigen. Lediglich im asiatischen Raum finden wir so viele Höflichkeitsformen, dass es mitunter unmöglich wird, die richtige Anrede zu finden.

Das Problem ist uns aber auch in Deutschland bekannt. Spätestens seit dem Kultroman Herr Lehmann weiß wohl keiner mehr, wie wir etwas bezeichnen sollen und die Medien geben uns dabei Recht.

Lieber Herr Geldschläger, kannst Du mir einmal das Wasser reichen? Oder auch Können Sie mir das Wasser reichen, Jonas?

Mal davon abgesehen, dass dieses Wortspiel ein wenig lahm ist, fällt auf, dass es die Verballhornung der Anrede selbst ist. Die zweite Form findet übrigens häufig in unseren Schulen Verwendung und kann vielleicht sogar als Unsicherheit abgetan werden.

Menschen sind plötzlich nicht mehr klitzeklein, sondern nahezu erwachsen und verlangen nach einer neuen Anrede, kein Wunder, dass es zu sprachlichen Ungereimtheiten kommt. Letztens ermahnte man sie noch in der Grundschule und plötzlich untersagt man ihnen das Rauchen.

Das Phänomen möchte ich allerdings nochmals anhand dieses kleinen Videos illustrieren. Hier sehen wir Herrn Lehmann und die ganz alltäglichen Sprachwirrungen zwischen Du, Sie und Das…

Please enter the url to a YouTube video.

Das Sie oder Du in der Geschäftswelt

Was heißt Dropshipping?Jetzt kommt es knallhart und wir, ja, auch Du, lieber Leser, versinken in einem Strudel aus Ahnungslosigkeit.

Denn die Geschäftswelt ist ungefähr so durchschaubar, wie das anfängliche Verhältnis zu Schwiegermutter und Co. Es ist ein Herantasten, das durch Unsicherheiten kaschiert wird und jeder weiß, dass er mit dem Sie auf der sicheren Seite steht.

Aber wann ist der Übergang zum Du erlaubt? Ich denke, dass es es auf das Verhältnis der jeweiligen Geschäftspartner ankommt und außerdem die Entstehung der Beziehung eine wichtige Rolle spielt. Dafür ein Beispiel.

Wenn ich mich selbst an einen Dienstleister oder eben Geschäftspartner wende, greife ich auf das Sie zurück. Es symbolisiert eben doch noch den guten Ton und kann mitunter irgendwann durch das Du ersetzt werden. Wir wägen uns in einer besseren Situation, wenn wir höflich anklopfen und die Tür zur geschäftlichen Beziehung nicht gleich verbal aus den Angeln heben.

Andersherum gibt es aber sehr große Unterschiede. Ich nutze auf all meinen Projekten das Du und somit ist es eine ganz andere Ausgangslage, wenn jemand auf mich zukommt.

Denn ich kann annehmen, dass er nicht willkürlich meine Mailadresse eingetippt hat, sondern ganz bewusst über meine Blogs oder Projekte zu mir fand. Das bedeutet allerdings, dass der Ton, den ich anschlage, bekannt ist und es sollte keinerlei Verwirrungen geben, wenn wir diesen beibehalten. Allerdings empfiehlt es sich, anfangs vorsichtig die richtige Anredeform zu ertasten.

Mitunter kann man das aber auch einfach erfragen und davon habe ich selbst schon öfters Gebrauch gemacht. Wenn ich nicht sicher bin, frage ich und die Hürde der Personalpronomen löst sich in Luft auf. Bisher habe ich nicht die Erfahrung gemacht, dass ich so irgendwem auf die Füße getreten bin.

Dass das allerdings nicht jeder so sieht, zeigt eine Anekdote über einen Mitarbeiter der Kette H&M. Dieser klagte, dass er sich in seiner Menschenwüre verletzt fühle, da er von seinen Kollegen ungefragt geduzt wurde. Das Gerichtsurteil bescheinigte dem Kläger allerdings, dass unangemessen sei und entschied zu Gunsten des Beklagten. Puh…, Glück gehabt – Die Würde des Menschen hängt nicht davon ab!

Ist das Du unhöflich?

Warum hat mein Blog keine Besucher?Ich erinnere mich lebhaft an ein Gespräch mit meiner Deutschlehrerin in der 13. Klasse. Das ist zwar schon ein paar Jährchen her, aber beschreibt recht passend, was das Problem bei der richtigen Anrede ist.

Dabei machte ich mir das erste Mal darüber Gedanken, ob es einen eklatanten Unterschied macht, wenn ich sie nun duze oder eben sieze.

Üblicherweise wurden Lehrkörper von uns Schülern gesiezt, mit den Jahren war das sogar eine beidseitige Anrede. Wenn auch nicht in jedem Fachbereich und mitunter kam es zu seltsamen Sprachverwirrungen á la Herr Lehmann.

Irgendwann fragte ich meine Lehrerin, ob ich auch Du sagen dürfte, da ich nach unzähligen Deutschstunden und Tagen das Gefühl hatte, dass es eben angebracht sei. Sie antwortete mir, dass ich das Du gern verwenden könne, jedoch nicht vor den anderen, da wäre ihr das Sie lieber. Hä, macht das einen Unterschied?

Es ging also darum, dass das flachse Du in Anwesenheit meiner Mitschüler eine Grenzüberschreitung darstellte und das Gespräch brachte mich bei meinen Überlegungen nicht wirklich weiter. War es nun wichtig, ob Du oder Sie? Das Ergebnis: Ein klares Jein!

Wenn wir auf der einen Seite das Du haben, was eben in einem freundschaftlichen Rahmen Verwendung findet und schmallippig und düster auf der anderen Seite das Sie steht, das gewissermaßen eine Distanz und eben gleichermaßen Respekt symbolisiert, haben wir eine klassische Patt-Situation.

Es geht viel mehr darum, dass wir den Respekt trotzdem wahren, eine freundliche Distanz dennoch gegenüber Fremden aufrechterhalten und das Du nicht als Freischein für sonderbares Benehmen akzeptieren. Ein persisches Sprichwort lautet, dass Höflichkeit ein Kapital sei, das denjenigen bereichert, der es ausgibt.

Ob es sich beim Du genauso verhält? Für mich bedeutet es lediglich, dass ich nicht komplizierte Sätze ersinnen muss, bloß weil ich das Fenster öffnen möchte und nicht weiß, wie ich mein Gegenüber ansprechen soll.

Entschuldigung, würde es Di.., Ihn – Könnte ich das Fenster aufmachen, mir ist warm?!

Ein Du ist nur dann unhöflich, wenn es unhöflich verwendet wird und freundlich sollte ich gegenüber jedem Menschen sein, ob nun gesiezt, geduzt oder gedingst.

Tipps für Blogger – Sie oder Du?

  • Das Siezen und Duzen ist immer noch Gang und Gebe. Es gibt Menschen, die es als respektlos abtun, wenn wir sie ungefragt duzen. Mitunter gehören wir sogar selbst dazu. In Blogs ist es daher wichtig, einmal ganz genau auf die eigene Zielgruppe zu schauen. Wollen wir etwas verkaufen, unsere Meinung kundtun oder sogar eine vertraute Ebene beschreiten. Richten wir uns an junge Leser oder doch an eine ältere Generation?
  • Das Sie kann mitunter aber auch eine wichtige Distanz aufbauen. Gerade im Business-Bereich sollte man eventuell dieser Anrede den Vorzug geben. Einerseits aufgrund des Umfelds, aber eben auch, um sich selbst gegen Kritik zu wappnen.
  • Das Du ist einfach entspannter und schafft gleich eine andere Atmosphäre. Gerade in Blogs, die sich mit privaten, vertrauten oder auch Freizeit-Themen befassen, ist das Du meistens angebracht und kann mitunter sogar den Austausch beflügeln. Immerhin galt ein Blog ursprünglich als virtuelles Tagebuch.
  • Du selbst entscheidest. Ich habe für diesen Artikel lange im Internet nach Antworten gesucht, ob es vielleicht etwas gibt, was der jeweiligen Anrede den Vorzug bescheinigt. Gefunden habe ich keine. Vielmehr konnte ich beobachten, dass der Blogger oftmals den Ton angibt und die Leser darauf reagieren. Duze ich, duzen sie, sieze ich, werde ich gesiezt.
  • Zu guter Letzt halte ich es für wichtig, auf den eigenen Kopf und das Herz zu hören. Wenn ich mich selbst unwohl fühle, wenn ich von wildfremden Menschen einfach freundschaftlich geduzt werde, sollte ich das in meinem Blog sein lassen. Ist mir aber ein vertrautes Ambiente wichtig und ich finde es schön, auf gleicher Augenhöhe mit unbekannten Gesprächspartnern zu stehen, bietet sich das Du förmlich an.

Sie oder Du – Meine Meinung

Ich bevorzuge immer das Du. Sogar bei Menschen, die ich eigentlich überhaupt nicht mag. Ich kann sogar besser Kritik üben, wenn das olle Sie nicht im Weg steht, aber es birgt gleichermaßen die Gefahr, persönlich zu werden. Und das kann ganz schön verletzen.

Ich halte es für wichtig, egal, welches Personalpronomen gesprochen wird, seinem Gegenüber Respekt und Höflichkeit zu zollen. Es ist vollkommen egal, mit wem wir es zu tun haben.

Dabei ist es allerdings eine Frage der Disziplin, sich nicht im Du zu verlieren, denn es ist und bleibt keine Freifahrt zu verletzenden und unangebrachten Äußerungen. Ob nun im Internet oder an der Kasse des nächsten Supermarkts.

Wie ist es bei Dir? Welche Anrede bevorzugst Du und worauf sollte man bei der Verwendung achten. Ist es überhaupt wichtig oder gibt es bestimmte Grenzen? macht es einen Unterschied, ob Du oder Sie oder ist im Internet eh alles egal? Ich freue mich über Deinen Kommentar :)

4 Meinungen

  1. Uli03-07-2012

    Also Herr Geldschläger, Du :mrgreen: hast da aber echt einen langen Artikel über eine verzwickte „Geschmacksfrage“ geschrieben! Ich Duze in meinem Blog, z.T. weil ich die 3 Stammleser die ich habe (die nicht auf Backlinks aus sind) schon eine Weile (online) kenne und zum anderen weil Ichs einfach locker und unverkrampfter finde! Meistens umgehe ich aber das persönliche singuläre Ansprechen und wähle den Plural „ihr könnt euch vorstellen…“ oder „geht es euch auch so…“!
    Je nach Webprojekt könnte ich mir aber auch das „Sie“ vorstellen – etwa bei geschäftlichen Seiten oder dergleichen…

  2. Helge03-07-2012

    Uff. Ganz schön lang und ich muss gestehen, dass ich manche Bereiche einfach überflogen habe. Aber die Tipps am Ende habe ich gelesen und das Video angeschaut. Ich finde die Gratwanderung zwischen Du und Sie auch manchmal recht schwierig und deine Hinweise in sich sehr interessant. Danke dafür :)

    • Jonas G.03-07-2012

      Guten Abend Herr Ulli,

      ja, es ist mitunter nicht so leicht, das zu entscheiden. Doch sollte man, jedenfalls im privaten Blog, außerdem beachten, dass es unterm Strich einfach der eigene Blog ist. Entweder er wird gelesen oder eben nicht :) Aber bei Geschäfts-Seiten ist es ggf. sinnvoll, lieber das Du zu unterlassen, vor allem wenn wir etwas verkaufen möchten. Aber auch hier ist natürlich fraglich, ob wir auf ein „seriöses Image“ aus sind oder nicht. Schauen wir auf die bekannten Online-Marketer, lullen diese Ihre Schäfchen ganz gut mit dem Du ein und verkaufen ganz nebenher eBooks für horrende Summen.

      beste Grüße

  3. Webkatalog03-07-2012

    Du, definitiv Du!