Die Angst vorm Bloggen – Bin ich gut genug?

Wer bloggt, macht das normalerweise privat. Er haut relativ anonym in die Tasten, hofft, dass die Welt mitliest und ergötzt sich an den täglichen, wöchentlichen oder auch nur jährlichen Verbesserungen in der hauseigenen Statistik.

Dass das frustrierend sein kann, hat wohl jeder schon erlebt, wünscht man sich doch einfach nur Kommentare und ein wenig Interaktion.

Und plötzlich: Töröö! Es kommt Feedback, Interaktion und jede Menge Selbstzweifel.

Warum das so ist und wie man damit umgehen kann, versuche ich in diesem Blog-Beitrag zu ergründen und natürlich gleichermaßen zu beantworten.

Der Selbstzweifel des Bloggers

Angst vorm Schreiben?Ich habe lange in diversen Blogs geschrieben, manchmal anonym, häufig unter meinem richtigen Namen und nun auch auf diesem. Das macht Spaß und nahezu täglich habe ich Ideen, über was ich schreiben könnte und was vielleicht für meine kleine Leserschar von Interesse sein könnte. Darüber freue ich mich natürlich.

Doch gibt es mittlerweile einige Dinge, die mich beschäftigen und die ich für mich noch nicht ganz gelöst oder eben beantwortet habe. Darunter fallen die folgenden Aspekte und ich hoffe, dass dieser Artikel und Euer Feedback dabei hilft, meine Gedanken ein wenig zu sortieren.

Über die gleichen Themen schreiben

Nun ist es einmal so, dass mein Blog erst seit Juni 2011 im Internet steht, ich aber selbst erst seit September oder eher Oktober regelmäßig neuen Content bereitstelle. Klar, dass es vor diesen wichtigen Zeitpunkten auch schon jede Menge interessante Dinge im virtuellen Raum gab, über die ich nicht geschrieben habe.

Anfänglich ist es natürlich egal, aber sehr gern würde ich über die unterschiedlichen Möglichkeiten schreiben, um im Internet Geld zu verdienen, über Anbieter, die seit Jahren schon im Netz aktiv sind und den meisten Bloggern mit Sicherheit schon bekannt sind.

Denken wir an Textbroker [Artikel], Teliad [Artikel] oder Zanox [Artikel], dann fällt auf, dass diese schon viel länger existieren als die ersten Blog-Artikel, die es hier jemals gab. Sind diese Themen deshalb uninteressant und ich vergraule meine Feedabonnenten, Facebook-Freunde und Follower, wenn ich abermals so alte Kamellen ausgrabe?

Nun, ich denke, dass das eine Gratwanderung ist und bleiben wird. Ich möchte in der Zukunft gern auch Superclix, affili.net oder auch die Plattform suite101 vorstellen, muss aber versuchen, hier einen Spagat zu schaffen.

Denn ich weiß, dass ich monatlich mehr als 75% meiner Leser über Suchmaschinen, ferner Google, erhalte. Das heißt also, dass ich natürlich vorerst an Content interessiert bin, der rankt auf der anderen Seite möchte ich aber auch regelmäßige und vor allem neue Inhalte generieren, die auch für Stammleser spannend sind.

Vor allem gibt es hierbei noch einen anderen Aspekt, der beachtet werden sollte: Über das Gleiche schreiben, was ein anderer schon tat. Woran das liegt?

Nun, vor einigen Wochen wurden Unkenrufe laut, die Jürgen Schnick als Buhmann abstempelten, dass all sein Expertenwissen lediglich geklaut sei. Ja, es wurde auch abgeschrieben, doch in diesem Fall nicht einmal das Statement des Bloggers abgewartet. Es wurde gezetert, getrampelt und vor allem nach unten getreten. Unangenehm für alle Beteiligten und doch gleichermaßen gefährlich.

Zwar geht es in meinem Fall nicht darum, dass ich „abschreiben“ möchte, doch das Internet liest natürlich immer mit. Das heißt also, dass ich meine Inspirationen und Gedanken immer gleich notieren und mit Quellenangabe ablegen sollte. Denn hey, es soll vorkommen, dass man unbewusst abschreibt, wenn auch mit einer anderen Meinung.

Man liest viel, es kommt jede Menge Input und nach einer Woche kann ich meine eigenen Gedanken kaum noch vom Gelesenen unterscheiden, auch wenn ich es natürlich immerzu versuche. Denn keiner möchte sich dem gedachten Szenario aussetzen und als kopierenden Schreiberling deklariert werden. Oder?

Das führt allerdings zu einem sehr „lustigen“ Phänomen. Beispielsweise wollte ich diesen Blog-Artikel schon vor zwei Monaten verfassen und stolperte zufällig über einen sehr ähnlichen Artikel. Das ist natürlich paradox, denn es war meine subjektive Idee und ein Artikel, der über dieses Phänomen, also die Unsicherheit beim Bloggen berichtet, wirft mich aus der Bahn.

Ähnlich ging es mir erst letzte Woche, für die ich einen Blog-Artikel über die Betriebshaftpflicht von Selbständigen erdacht hatte. Schade. Peer hatte wohl einen ähnlichen Gedanken und gleich noch ein Interview zu diesem Thema geführt. Ich habe das Ganze erst mal wieder auf Eis gelegt.

Diese Reihe könnte ich fortsetzen, mache ich aber nicht, denn jedem ist klar, worum es geht, eben: Die Unsicherheit beim Bloggen. Doch möchte ich noch ein anderes Phänomen aus dieser Sparte aufgreifen.

Das Know-How und die Zielgruppe

Vor einiger Zeit habe ich einen ausführlichen Artikel darüber geschrieben, wie man denn die eigene Zielgruppe definiert, findet und ausmacht. Dabei ging es unter anderem um das Phänomen, dass man häufig professionell an der eigenen Leserschaft vorbei schwafelt und überhaupt keinen Zugang mehr bekommt.

Denken wir einfach an ein Gespräch am Stammtisch einer kleinen Gemeinde. Alle unterhalten sich über ihre kleinen Unternehmen, ihre Tischlerei, den Konsum, was weiß ich. Wir sind ebenso dabei und schwadronieren über SEO, Affiliates und Partnerprogrammen, um die Reichweite der kleinen Unternehmer zu vergrößern.

Die Folge: Wir werden nicht verstanden und jeder macht weiter, wie bisher. Blöd!

Das bedeutet also, dass wir versuchen müssen, die eigenen Zielgruppe und das ist in meinem Fall jeder, der online Geld verdienen möchte, gerne einen Blog aufsetzt oder sich mit der Existenzgründung befasst, ansprechen sollten. Nun ist dies aber ebenso ein Spagat, schreibe ich zu kompliziert, versuche ich das Ganze zu veranschaulichen oder verfehle ich das Ziel?

Das Problem lässt sich skizzieren ist aber noch nicht wirklich greifbar. Zwar habe ich Ideen, aber sind diese sinnvoll?

Der Ausweg: Sei du, mach deins, schreib los und blogg!

Irgendwann schrieb ich mal einen Artikel über die Schreibblockade  und wie man mit dieser fertig werden kann. Natürlich habe ich kein Problem mit dem Schreiben, aber es geht indirekt in eine ähnliche Richtung.

Doch widmen wir uns einfach einem Lösungsvorschlag:

  • Blogg, worauf DU Lust hast, denn die Leser kommen entweder über Google oder weil sie deine Schreibe interessant finden und ja, manchmal wurde schon viel über ein Thema geschrieben. Aber eben nicht von dir.
  • Auch wenn es zu einem Thema schon zig Artikel im Internet gibt, muss das noch lange nicht heißen, dass diese jeder gelesen hat. Beispielsweise habe ich letzte Woche über GoogleAdsense-Tipps aus dem Hause Google geschrieben und weiß nicht, ob das neu ist. Ich kannte es bis dato nicht und fand es interessant. Meine Leser wohl auch.
  • Das Internet pulsiert, ist gigantisch und nahezu unendlich: Kein Blogger wird das Rad neu erfinden. Es gibt fast kein Thema, das noch nicht durch den Wolf gedreht wurde. Na und? Auch wenn ich morgen über einen neuen Dienstleister schreibe, wird es mit Sicherheit 5 Blogger geben, die schneller waren. Püh!
  • Wenn es wirklich schon eine unendliche Fülle an Blog-Artikeln gibt, kann man trotzdem noch mal etwas dazu beisteuern. Vielleicht bis du einfach einer anderen Meinung, vielleicht fehlt in anderen Artikeln etwas oder wurde wirklich schon ALLES gesagt?
  • Unsicherheit ist Quatsch, denn es wird immer einen Leser geben, für den gerade der Artikel auf deinem Blog zur richtigen Zeit kam. Vielleicht ist er Anfänger, vielleicht kennt er bloß diesen Anbieter nicht.

Diese Punkte sind mit Sicherheit nicht der Weisheit letzter Schluss, aber immerhin, denke ich, ein Schritt in die sinnvollste Richtung, da man sich sonst zwischen Unsicherheit und dem Nicht-Wissen-Ob bewegt und wahrscheinlich den eigenen Blog einfach einstellt. Und das ist in der Regel einfach schade.

Denn die Blogosphäre macht nur als Kollektiv Sinn, mal ganz nüchtern und ein wenig sozialistisch paraphrasiert.

Einfach schreiben, bloggen, schreiben

Bisher durfte ich die Erfahrung machen, dass meine Leser mir mitgeteilt haben, wenn ihnen etwas enorm gegen den Strich ging. Entweder weil die Feedabonennten einbrechen, die Likes rückläufig sind oder keiner mehr Kommentare hinterlässt.

Fraglich ist nun allerdings, ob das immer auf diesen Grund zurückzuführen ist. Denn gerade bei kleinen Blogs können minimale Schwankungen ganz andere Ursachen haben.

Worauf ich jedoch hinaus will, ist ein einfaches: Sei’s drum.

Wenn ich mich beim Bloggen verbiegen muss, macht es mir irgendwann keinen Spaß mehr und wenn es einen Leser gibt, der nur kam, weil er über Apps informiert werden möchte, ist er hier eh falsch.

Das soll gar nicht zynisch klingen, sondern nur ein beidseitiges Regeln darstellen, denn eigentlich ist es doch ganz normal. Ich abonniere eine Zeitung, weil sie mir gefällt, dann ändert sich die Ausrichtung und ich bin vielleicht woanders besser aufgehoben.

Ähnlich ist es aber bei Blogs. Leser kommen und gehen und eine Stammgemeinde wird sich mit der Zeit herauskristallisieren. Oder etwa nicht?

Ich für meinen Teil werde versuchen, gleichermaßen über Bekanntes und Neues zu schreiben und damit einen Nerv zu treffen und setze mich jetzt an einen Artikel über die Betriebshafpflicht für Selbständige.

7 Meinungen

  1. Helge01-16-2012

    sehr interessantes thema, jonas.

    ich selbst kenne das auch, versuche aber immer alle möglichkeiten abzudecken und einfach DEN artikel zu schreiben. jedenfalls stellt mich das dann zufrieden.

    abgesehen davon, finde ich die artikel hier meistens interessant. natürlich nicht jeden, aber solange wöchentlich ein paar dinge dabei sind, die ich mitnehmen kann, bin ich vollends zufrieden.

    grüße

  2. Thomas Rith01-16-2012

    Hallo Jonas,

    einfach keinen Kopp machen. Es ist einfach so, dass jeder ein Individuum ist. Und jeder kommt mit einem anderen Wissensstand daher. Für den einen passt der Artikel gerade wie die Faust aufs Auge, für den anderen ist es ein alter Hut.

    Und solange Du das gelesene mit eigenen Worten und Meinungen, sowie Erfahrungen würzt, ist es auch Deine Sicht. Und dass macht Dich einzigartig.

    Der Fall Herr Schnick war so, dass er 1 zu 1 alles übernommen hat. Und das ist nicht die Feine.

    Sag, was Du zu sagen hast und bleib Du selbst. Dann passt es schon. :)

    Gruß
    Thomas

  3. Jonas G.01-16-2012

    Natürlich verhält es sich beim Herrn Schnick anders, lediglich die Tatsache, dass krakelt wurde, bevor der Gute überhaupt ein Statement abliefern durfte/konnte, ist fragwürdig.

    Aber dennoch denke ich, dass diese Frage nach Selbstzweife und Kritik viele Blogger beschäftigt, denn Einzigartigkeit ist ein Wort, Psyche ein anderes :)

    Beste Grüße und ich danke Euch beiden für Eure Kommentare.

    Jonas

  4. Thomas Rith01-16-2012

    „Allen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“ … In diesem Sinne… :)

  5. vanvox01-16-2012

    Ich mache mir mittlerweile keine Gedanken mehr, ob das Thema schon zig Mal behandelt wurde, sondern schreibe unabhängig davon über die Dinge, die ich interessant finde und verlinke die Beiträge, die mich inspiriert haben. Und jeder Blogger arbeitet einen anderen Aspekt heraus, sodass es zum gleichen Thema doch viele einzigartige und lesenswerte Beiträge geben kann.

  6. Matze01-17-2012

    Hallo!

    Sehr schöner Beitrag, trotzdem mache ich mir mittlerweile kaum noch Gedanken, auch wenn ich manchmal schon überlege, ob die Welt diesen oder jenen Beitrag jetzt wirklich noch braucht.

    Früher sah das ganz anders aus, da habe ich teilweise Wochen nicht geschrieben, weil ich kein Thema gefunden habe, dass noch nicht unzählige Male verbloggt wurde, auch wenn mir klar ist, dass das nicht heißt, dass meine Leser diesen Beitrag dann nicht eventuell „bräuchten“.

    Ich war ganz schön selbstkritisch und beim öffentlichen Schreiben wirklich enorm vorsichtig, weil ich mich irgendwie geziert habe und außerdem überlegt habe: Ist der Beitrag gut genug, enttäusche ich damit meine Leser, soll ich wirklich auf publizieren klicken?

    Das hat sich aber mit der Zeit gelegt und ich habe einfach geschrieben, gebloggt und meinen eigenen Stil gefunden und letzten Endes beibehalten.

    Denn es ist, wie du sagst: Die Leute lesen, weil ich blogge und in diesem Blog regelmäßig Beiträge hinterlassen oder weil sie über Google kamen, beides Dinge, die eigentlich das Selbstbewusstsein anheizen sollten und deshalb denke ich: Einfach weitermachen, egal ob das Thema schon unzählige Male auseinandergenommen wurde.

    Gute Nacht

    • Jonas G.01-17-2012

      @Thomas

      Ergänzt aber noch durch: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert 😉

      @vanvox

      Ja, natürlich. So ist es und wird es bleiben, dennoch gibt es häufig das „inhärente Problem“, auch wenn ich es mittlerweile ad acta gelegt habe, merke ich, dass es immer wieder durchkommt. Einfach deshalb, um einzigartig zu sein und eben nicht das zu schreiben, was alle bloggen. Mal ganz unabhängig von der eigenen Meinung :)

      @Matze

      Uff, das ist ja lang!
      Ja, natürlich und hier muss ich Dir Recht geben, manchmal schreibt der Zwiefel mit. Aber dennoch: Die Quintessenz sollte sein; bloggt, bloggt und schreibt über das, was Euch bewegt, interessiert und einfach Spaß macht :)

      Beste Grüße und ebenfalls eine gute Nacht.