Der Feind in meinem Blog! Was tun gegen Trolle?

Vor gut einem halben Jahr hatte ich einen Troll. Er hieß Herbert, war nervtötend und wollte zu allem seine Meinung loswerden.

Eigentlich ist das ja großartig, denn der Austausch ist gerade auf Blogs eine der schönsten Dinge überhaupt. Doch Herbert sah das ein wenig anders.

Er warf mit Beleidigungen um sich, störte den normalen Ablauf und hatte an allem etwas auszusetzen. Das war ganz schön ätzend…

In diesem Artikel möchte ich Dir zeigen, wie ich Herbert mit einem wunderbaren Trick los geworden bin und was man gegen Nörgler, Spammer und Trolle machen kann…

Was ist ein Troll?

Ein Troll im Internet!Kennst Du Herr der Ringe, lieber Leser? Kennst Du die grunzenden Ungetüme, die aus Mordor gegen die fröhlichen Hobbits in die Schlacht ziehen? Schleimig, dumm und gemein…

Nun. Optisch passt diese Illusion mit Sicherheit ganz gut. Auch wenn die Wirklichkeit ein wenig anders aussieht.

Prinzipiell bezeichnet man als Troll einen Störenfried, der absichtlich Beiträge zum Zwecke der Provokation verfasst und somit das Gespräch aktiv stört. Dabei geht es weniger um eine richtige Diskussion, als um das destruktive Agieren.

Folglich tauchen Trolle dann auf, wenn wir einen Raum zur Debatte eröffnen. Zwar können wir auch per Mail genervt werden, aber das ist dann höchstens ärgerlich und fällt nicht unter die klare Definition eines Trolls.

Der Begriff Troll bezeichnet im Netzjargon eine Person, die Kommunikation im Internet fortgesetzt und auf destruktive Weise dadurch behindert, dass sie Beiträge verfasst, die sich auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion darstellen. wiki

Wir sprechen also von Foren, von Seiten, die das Kommentieren ermöglichen und folglich auch von Blogs, wenn wir von Trollen sprechen.

Denn wo sonst tritt der Austausch der einzelnen Besucher so stark in den Vordergrund? Immerhin gilt vielen Bloggern ein schöner Kommentar als vermeintliches Salz in der Suppe.

Umso ärgerlicher ist es, wenn das Gegenüber die Anonymität des Internets nutzt und uns unsere Artikel verdirbt und versucht, uns den Spaß zu nehmen.

Also: Was können wir also gegen Trolle tun?

Ich hatte einen Troll!

Bevor ich Dir ein paar Tipps geben möchte, wie wir mit Störenfrieden umgehen können, möchte ich einmal in das Nähkästchen meiner eigenen Erfahrungen greifen. Denn immerhin: Ich hatte einen Troll!

Ich nenne ihn Herbert, weil er sich so nannte, als ich ihm das erste Mal begegnete. Herbert69 und ich glaube, dieser Name passt ganz gut zu ihm. Vielleicht ist er im wahren Leben nicht einmal männlich, aber in meinem Kopf geistert er seit Langem so herum.

Herbert - Mein TrollHerbert war ätzend und tippte seinen Groll unter nahezu jeden Artikel, den ich auf meinem Blog veröffentlichte. Kein Problem.

Anfangs freute ich mich sogar, denn immerhin ist auch eine kritische Meinung spannend und kann einen Mehrwert bieten.

Ich bin nämlich nicht fehlerfrei, auch wenn ich mich gern der Illusion hingebe und deshalb kann so ein Herbert auch ganz schön nützlich sein.

Er machte mich auf Fehler aufmerksam, nahm Beiträge auseinander und überhaupt war er recht aktiv auf meiner Seite.

Irgendwann erreicht mich allerdings die Mail eines Leser, der mich bat, gegen Herbert etwas zu unternehmen.

Irgendwie war dieser Leser von ihm eingeschüchtert, denn Herb, wie ich ihn manchmal liebevoll nenne, hatte nicht nur an mir etwas auszusetzen, sondern auch an allen anderen und tat seine Meinung lautstark kund. Inklusive Beleidigungen, Ausrutschern, Gemeinheiten und sinnlosem Geschwafel…

Das war plötzlich ein ganz reales Problem. Zwar schnellten die durchschnittlichen Meinungen in die Höhe, weil mein vermeintlicher Anhänger zu jedem Quark etwas beizusteuern hatte, aber eben auch jede andere Meinung in der virtuellen Luft zerriss. Das war ärgerlich und ich musste mich entscheiden.

Herbert oder meine treuen Leser? Darf ich einem Schreibenden das Wort verbieten? Wer bin ich, dass ich einen Besucher als mundtot erkläre?

Was habe ich gegen Herbert gemacht?

Anfangs wollte ich ihn einfach ignorieren…

Einfach über meinen Schatten, der da heißt Meinungsfreiheit, springen und eine klare Linie ziehen. War ja immerhin mein Blog und mir ist es doch egal, ob Mister X damit ein Problem hat oder eben nicht.

Aber irgendwie erschien mir das tumb und gleichermaßen sinnfrei. IPs kann man heutzutage wie Unterwäsche wechseln und dafür braucht es nicht einmal jede Menge Know-How oder eine gewiefte Taktik.

Deshalb habe ich nach einer Alternative gesucht und lange überlegt, wie ich mein Herbproblem in den Griff kriegen könnte, ohne dabei jeden Tag Stunden im Kommentarbereich zu versauern und nach Pseudonymen zu fahnden. Das wäre mir auf Dauer einfach zu anstrengend gewesen.

Kurzerhand habe ich etwas ausprobiert: Ich habe das gemacht, was man eigentlich nicht tun sollte, wenn man einen wütenden Herbert los werden möchte:

Ich habe den Troll gefüttert! Und zwar anonym!

Ich habe begonnen, unter jeden meiner Artikel selbst einen Kommentar zu setzen, dabei habe ich mich gelobt, in den höchsten Tönen versteht sich. Ich habe dezidiert erklärt, warum dieser Artikel in dieser Form Gültigkeit hat und was ich an ihm hervorheben würde.

Der Clou dabei? Ich habe in Herberts Namen geschrieben.

Den troll bekämpfen

Herbert wurde sauer, weil jemand seinen guten Namen missbraucht hat. Ja, das würde mich auch ärgern. Sehr sogar.

Aber zu diesem Zeitpunkt war mein geliebter Troll eigentlich noch ganz glücklich und vor allem aktiv. Er fand immer neue Artikel, die er mit seinen Meinungen zerstören konnte.

Außerdem war es mir nicht möglich, jeden Artikel akribisch zu überwachen und mich stundenlang mit Herby zu beschäftigen. Deshalb habe ich einfach nachgelegt und ein paar Freunde angeschrieben.

Ich habe sie gebeten, auf meinem Blog zu kommentieren und zwar unter dem wunderbaren Namen Herbert. Der Zahlenzusatz war frei wählbar. Es soll ja mehrere Menschen geben, die sich eine Bezeichnung teilen.

Was dann passierte war übrigens mehr, als ich erwartet hatte:

Denn es tauchten nicht nur ein paar Herberts auf, sondern hunderte. Hier haben meine Besucher ordentlich mitgeholfen und das Ganze wurde zum unterhaltsamen Selbstläufer, der sich selbst unterhielt.

 

Mein eigener Troll - Erfolgreich bekämpft!

Nun. So ging das noch ein paar Tage.

Irgendwann wusste ich übrigens selbst nicht mehr, wer denn hier der richtige Herbert ist und wer sich dem Spektakel nur angeschlossen hatte. Aber mir war das egal.

Ich glaube, ich habe den richtigen Troll nicht mehr wiedergesehen, denn plötzlich hatte er keinen Spaß mehr am Schreiben. Warum eigentlich? So viele Kommentare gab es niemals zuvor…

Ich meine sogar, dass der Herbertkult noch ein wenig länger anhielt, als der reale Mensch überhaupt da war. Aber das war eher lustig und nicht so ärgerlich, wie es in den Wochen davor aussah.

Was kann man gegen Trolle tun?

Den Troll bekämpfen!Augenscheinlich sind Trolle Menschen, die aktiv eine Debatte mit kritischen Bemerkungen fluten.

Dabei steht weniger die Selbstdarstellung im Vordergrund, sondern eher das aktive Destruktive.

Schnell wird hier zu Beleidigungen gegriffen, die von Angesicht zu Angesicht niemals geäußert würden.

Ich glaube eh, dass eine normale Person, kombiniert mit dem Medium Internet und einer Prise Publikum schnell zu verbalen Höhenflügen greift, die im Eigentlichen undenkbar sind. Aber gut…

An dieser Stelle also ein paar Tipps, wie man mit Trollen umgehen kann:

1) Aussperren!

Das einfachste Mittel ist das Löschen der Kommentare, das Ignorieren des Trolls. Aber das ist manchmal gar nicht so leicht.

Immerhin gibt es am nächsten Tag eine frische IP, vielleicht einen anderen Namen und schon stehen wir ganz am Anfang. Jetzt haben wir den Troll auch noch verärgert.

2) Sinnvoll diskutieren!

Klar: normalerweise geistert das Credo umher, nicht auf Trollkommentare zu reagieren.

Don‘ feed the Troll gilt schon seit Jahren als geflügelter Satz im Internet. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass manchmal auch die Debatte hilft. Vor allem dann, wenn eine große Community den eigenen Blog unterstützt.

Die wenigsten Nutzer haben über einen langen, langen Zeitraum die Muße, sich an Deinem Blog festzubeißen.

3) Den Troll anschreiben!

Mitunter habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, dass der Troll überhaupt nicht wahrnimmt, was er da eigentlich tut. Vielleicht gibt es ein wenig Groll, ja. Vielleicht sogar ein bisschen mehr!

Oftmals stecken hinter solchen Pseudonymen aber ganz normale Menschen, die sich lediglich im Ton vergriffen haben.

Ich konnte schon den ein oder anderen Nachbarschaftsstreit unterbinden, indem ich einfach eine Mail verfasst habe, die mein Problem schilderte. Resonanz: Meistens positiv!

4) Weitere Tipps

Dieser Artikel ist im Rahmen des Webmaster Friday entstanden. Deshalb gibt es natürlich noch eine handvoll Blogger, die sich aktiv mit dem Thema befasst haben.

Weitere Tipps und Tricks, wie Du den Troll in Deinem Blog bekämpfst, habe ich im folgenden Satz verlinkt.

Denn: Es gibt natürlich noch andere effektive Möglichkeiten mit Trollen umzugehen.

Aber natürlich freue ich mich auch über Deinen Kommentar zum Troll-Thema. Welche Erfahrungen hast Du gemacht. Welche Möglichkeiten sind effektiv oder hattest Du noch gar keinen Troll auf Deinem Blog?

16 Meinungen

  1. Herbert06-01-2012

    Ich bin Herbert!

  2. Helge06-01-2012

    Ich musste lachen. Die Idee ist wirklich gut, Jonas. Kreativ den Troll verbannt. Das lob ich mir!

    schöne Grüße

  3. Ioannis06-01-2012

    Füttern ist wie mit den Gremlins. Kann gut gehen kann aber auch richtig übel werden, wenn der Troll mutiert und dann richtig durchdreht. Die Genugtuung den Troll selbst zu Trollen ist mir ehrlich gesagt zu anstrengend. Wenn es klappt ist es aber auf jeden Fall eine Riesen Gaudi. :)

  4. Mißfeldt06-01-2012

    Haha, sehr guter ARtikel, vielen Dank. Habe sehr gelacht, steckt aber auch viel Lehrreiches drin.
    Danke fürs Mitmachen und beste Grüße, Martin

  5. melliausosna06-02-2012

    Vielen Dank für den lacher am Morgen :) herrrrlich :)

  6. Susanne06-02-2012

    Sher gut zu lesender Artikel, wirklich interessant. Was Du da veranstaltet hast klingt aber nach viel Arbeit und Zeit, die dafür drauf geht. Wenn sich dann Erfolg einstelle, ist es ja gut. Es muss aber eine weniger zeitintensive Lösung geben, schließlich will man beim Bloggen ja eigentlich etwas anderes machen, als sich mit missliebigen Trollen herumzuschlagen.
    LG, Susanne

  7. Daniel Weihmann06-02-2012

    Hatte bisher zum Glück noch keinen „Herbert“ auf meinem Blog. Aber gut zu wissen, wie man vielleicht irgendwann mal damit umgehen kann.
    Danke, super Artikel, hat richtig Spaß gemacht ihn zu lesen.

  8. Herb.. Kerstin06-03-2012

    Wenn man morgens durch neue einem lieb gewonnene Blogs tingelt und dabei auf so einen Artikel stößt, könnte man glatt vergessen, dass man nur 3 Stunden geschlafen hat.
    Eine sehr kreative und wirklich amüsante Art und Weise mit einem Troll umzugehen.

    Ich hatte noch keinen Herbert (zumindest nicht auf meinem Blog, aus Foren sind mir Herberts jeglicher Couleur vertraut), aber so ein klein wenig neidisch bin ich jetzt schon auf den Spaß, den du hattest. 😉

  9. Jonas G.06-04-2012

    Hallo liebe Kommentatoren,

    es freut mich, dass es für einen Lacher gereicht hat :-)

    Ich war, bezüglich meines Zwerchfells raus, als dort stand „Wo ist eigentlich Walter?“, das war Kindheitserinnerung und schön.

    Mit Sicherheit gibt es noch effektivere Möglichkeiten, um einen Troll zu verbannen. Vor allem zeitsparendere.

    Normalerweise lösche ich Kommentare, wenn sie mir zu heftig erscheinen.

    Aber auf Projekten, die ein wenig „größer“ angelegt sind, wo eine Diskussion erwachsen soll, möchte ich keine Meinung ignorieren. Meistens sorgt die „treue“ Community ja für den Ausschluss.

    Beste Grüße und einen wunderbaren, trollfreien Wochenstart!

  10. sonja06-05-2012

    Die Leiden der Blogger kenne ich nicht, und der Begriff „Troll“ ist mir auch völlig neu. Bin im Zuge meiner SEO-Rundum-Recherchen auf Deine Seite und diesen Artikel gestoßen und habe mich wirklich köstlichst amüsiert!! Da muss ich gleich abonnieren :-).

    LG, sonja

  11. Jason06-06-2012

    Hallo Jonas. Ich kannte den Begriff „Troll“ auch noch nicht. Mir hatte jemand den Link zu diesem Beitrag geschickt. Unglaublich, wie manche Menschen den Tag verbringen. Man glaubt immer, man sollte sich gegenseitig unterstützen und helfen. Aber was da teilweise geschieht ist ja – wie ich bei dir sehe – unglaublich.
    Ich verstehe nicht, was es manchen Menschen bringt, sich so zu verhalten. Niemand hat etwas gegen schlechte Kritik, aber wenn man sich ausschließlich negativ mit einbringt hilft man doch niemanden weiter.

    Solche Leute wird es wohl immer geben. Schade eigentlich. Trotzdem toller Artikel verknüpft mit einer kreativen Idee.

    LG, Jason

  12. Gregor06-06-2012

    Solche Typen gibt’s immer und überall. Besonders häufig sind sie in Foren oder Computerspielen aufzutreffen. Muss wohl an einer schlechten Kindheit liegen – wer weiß das schon.

  13. Melusine06-07-2012

    Hallo Jonas, ich bin über den Webmaster Friday auf deinen Artikel gestoßen und habe mich köstlich amüsiert!

    Trolle kannte ich bisher eigentlich nur aus Foren, mir war gar nicht bewusst, dass sowas auch in Blogs in derartigem Ausmaß vorkommt.
    Deinem Tipp, mit Trollen zu diskutieren oder sie anzuschreiben, kann ich mich leider nicht so ganz anschließen. Oft versucht, immer wieder gescheitert. :( – Wobei ich nicht sagen will, dass ich es künftig nicht trotzdem wieder versuchen werde. Zuerst weiß man ja gar nicht, ob man es wirklich mit einem Troll zu tun hat. Ich selbst wurde sogar auch schon des Trollens beschuldigt, bloß weil ich manchmal vielleicht ein wenig zu direkt meine Meinung sage.

    Oh, übrigens habe ich bei der Blog-EM für dich gestimmt. Heute schon zum zweiten Mal. :)

    LG Herb… ähm … Mel 😉

  14. Marc06-12-2012

    Irgendwie bedaure ich es schon fast, dass wir noch keinen Troll in unserem Blog hatten :-)

  15. Meike Leopold06-22-2012

    Schade, ich hätte dich bestimmt gewählt für die Blog EM 12, habs aber zu spät gesehen. :( Habe großen Spaß gehabt an deinem Beitrag. Richtig niedlich, wie du ihn vergrämt hast, den Troll.

  16. KChristoph11-21-2012

    Kurz und herzlich:
    Dufte !