Das Google Keyword Tool: Die größten Anwendungsfehler

Am Anfang dieser Woche las ich einen Beitrag auf chilibox.de, der sich grundsätzlich mit den häufigsten Anwendungsfehlern des Google Keyword Tools befasste. 

Diese waren mir bekannt und ich schubste den Beitrag schnell wieder aus meinem Kopf.

Heute erreichten mich allerdings zwei Fragen per Mail, die genau auf dieses Missverständnis hinausliefen.

Denn das Keyword Tool wird mitunter einfach falsch interpretiert.

Deshalb möchte ich Dir in diesem Artikel zeigen, wie die einzelnen Funktionen zu deuten sind und was wir mit dem Tool anfangen können.

Was ist das Google Keyword Tool

Anwendungsfehler beim Keyword ToolDas Keyword Tool ist eigentlich enorm praktisch. Es bietet mir die Möglichkeit, bestimmte Suchwörter zu überprüfen und einmal zu schauen, wie oft diese monatlich in Googles Suchmaske gehämmert werden.

Dabei zeigt es mir, ob meine Geschäftsidee Potential hat, was für ähnliche Suchanfragen es gibt und kann sogar dafür genutzt werden, um sich ähnliche Suchbegriffe vorschlagen zu lassen.

Das ist einfach, geht schnell und ist vor allem kostenlos. Deshalb wird es auch häufig genutzt und auch ich habe mithilfe des Tools erklärt, wie wir eine Nische finden.

Das Keyword Tool ist allerdings kein Service von Google, um es Webmastern zu erleichtern, sich im Ranking besser zu positionieren, sondern richtet sich vornehmlich an Werbekunden. Also diejenigen, die Google Adwords nutzen, womit dann die bekannten Adsense-Anzeigen befüllt werden.

Und genau hier gibt es häufig einen Anwendungsfehler vieler Webmaster oder auch Shopbetreiber. Welchen?

Das möchte ich in diesem Artikel genauer erläutern und möchte dafür einmal das Keyword Tool bemühen und nach dem Schlagwort Kredite suchen.

Das Keyword Tool richtig benutzen

Keyword Tool - Kredite

Ich habe also das Wort Kredite eingegeben und sehe nun, dass es rund 1 Million Mal im Monat gesucht wird. Das siehst Du auf dem Screenshot nicht, weil ich ihn abgeschnitten habe. Aber das kann man ja leicht überprüfen.

Weiterhin sehen wir, dass der Wettbewerb hoch ist und im unteren Bereich werden uns nun die üblichen Keyword-Kombinationen angezeigt. Wenn ich nun eine Seite zu diesem Schlagwort aufbauen möchte, gibt es für mich keinen Grund, verunsichert zu sein. Denn eine Million Suchanfragen sind wirklich gut.

Jetzt haben wir aber schon zwei Fehler bei der Anwendung gemacht und dabei einen Punkt falsch gedeutet und einen andere Aspekt vergessen. Schade, oder?

Ich füge einmal einen Screenshot an und erkläre dann ausführlich, was ich meine.

Fehler bei der Nutzung des Keyword Tools

Oft werden diese Kennzahlen aber falsch interpretiert. Und auch in den heutigen Mails war das der Fall.

Ein hoher Wettbewerb hat in diesem Fall nämlich nur indirekt etwas mit der realen Konkurrenz zu tun und eine Million Suchergebnisse heißt bei Weitem nicht, dass das Wort wirklich sooft gegooglet wird. Klingt komisch, ist aber so :)

Was bedeutet „hoher Wettbewerb“?

Der Wettbewerb um ein Keyword ist sehr schwer zu bestimmen. Denn nach welchen Kennzahlen sollte man da gehen. Wonach kann das Google beurteilen? Aufgrund der Projekte, die das Wort einmal genannt haben und für wen ist der Wettbewerb überhaupt hoch? Für mich, für eine Agentur oder einen Onlineshop?

Wenn wir uns erinnern, dass dieses Keyword Tool hauptsächlich für Werbekunden geschaffen wurde, macht es auch überhaupt keinen Sinn mehr. Aber genau hier liegt der metaphorische Hund begraben, denn für diese wurde das Tool geschaffen, nicht für Blogger.

Der hohe Wettbewerb gibt also an, dass zu diesem Keyword viele Adwords-Anzeigen gebucht werden, nicht, dass es starke Seiten gibt.

Das bedeutet also, dass wir uns um den Wettbewerb nicht primär scheren brauchen. Auch wenn dieser natürlich angibt, dass das Keyword gewissermaßen umkämpft ist. Aber mitunter kann es vorkommen, dass Schlagworte via Adsense gebucht werden, deren Markt nicht so überfüllt ist und wir können die eigene Seite trotzdem gut positionieren.

Außerdem bedeutet ein niedriger Wettbewerb nicht unbedingt, dass das Wort keinerlei Einnahmen-Potential hat. Denn das ist de facto falsch.

Da durch die aktuelle Nischenchallenge Sebastian Czypionka dem ein oder anderen bekannt sein dürfte, überprüfen wir doch einmal den Wettbewerb für ein Projekt, mit dem er monatlich rund 1000€ einfährt.

Das Projekt rankt auf Platz eins der Google-Suche zu der Kombination disco tanzen lernen, wofür uns die Suchmaschine solide 665.000 Ergebnisse ausgibt. Also recht viele Seiten mit dabei, oder?

Die Suchergebnisse für disco tanzen lernen

Das Keyword Tool bescheinigt mir in diesem Zusammenhang allerdings, dass der Wettbewerb niedrig ist und somit für Adwords-Kunden derzeitig uninteressant. Man sieht also,

  • …dass ein niedriger Wettbewerb nicht das Einnahmepotential wiederspiegelt
  • …und außerdem nichts über die reale Konkurrenz aussagt.

Der Wettbewerb ist niedrig

Unterschied zwischen exakt, weitgehend und Wortgruppe

Der Unterschied zwischen exakt, weitgehend und WortgruppeDer nächste gravierende Fehler liegt bei den Einstellungen selbst. Wir können bei unserer Keyword-Abfrage zwischen exakt, weitgehend und Wortgruppe wählen.

Wobei standardmäßig weitgehend ausgewählt wird und das birgt einen Fehler.

Erinnern wir uns daran, dass das Keyword Tool für Werbekunden konzipiert wurde, macht diese Einstellung natürlich Sinn.

Es geht nämlich darum, welche ähnlichen Suchanfragen zum Keyword getätigt werden und wo dann unsere Adsense-Anzeige drüber stehen könnte.

Wenn ich allerdings eine eigene Seite aufbauen möchte, bringt mir diese Aussage recht wenig. Nehmen wir dafür ein Beispiel.

Nehmen wir an, ich will einen Blog zum Thema Hausbau aus dem Nichts stampfen und idealerweise zur Kombination haus bauen ranken. Der Unterschied liegt hierbei im Detail. Dafür werfe ich diese Suchanfrage einmal in das Keyword Tool und schiele auf die möglichen Besucherzahlen.

Keyword Tool: Haus bauen

Das Keyword Tool gibt an, dass es rund 135.000 potentielle Suchanfragen zu diesem Wort gibt und das ist natürlich fein. Ich kann also eine Seite zaubern und auf Kundenfang gehen.

Meinetwegen wählen wir dazu haus-bauen.de oder eine ähnliche Domain und beginnen mit dem Ausbau des Ganzen.

Mal davon ausgehend, dass wir es schaffen, zu diesem Keyword gut zu ranken und eine Spitzenposition einnehmen, sollte schnell auffallen, dass irgendwie keine 100.000 Besucher kommen, sondern lediglich 10% des angegebenen Wertes. Komisch?

Nun. Das Keyword Tool gibt bei weitgehend eben auch ähnliche Anzeigen aus, die nicht das reale Suchpotential wiedergeben. Deshalb lohnt es sich, die Auswahl exakt zu nutzen.

Denn unsere Domain ist ja auf eben dieses Suchwort ausgerichtet und lautet nicht hausbau.de oder auch eigenheim-bauen.de und unsere Backlinks haben sich auch nur auf die Verwendung der Kombination haus bauen eingeschossen.

Das Ergebnis erklärt dann auch recht fix, wo das Problem liegt und warum wir lediglich ein Zehntel der erwarteten Besucher bekommen.

Das exakte Ergebnis - Keyword Tool

Das Google Keyword Tool – Fazit

Ich möchte in diesem Artikel gar nicht mehr Worte verlieren und hoffe, dass ich dem ein oder anderen bei der Benutzung unter die Arme greifen konnte.

Das kleine Helferlein ist wahrlich praktisch und ist eben oft eine sinnvolle Alternative zu den kostenpflichtigen Tools, allerdings nur dann, wenn man es richtig nutzt.

Die Einstellung Wortgruppe eignet sich übrigens super, um relevant Keywords für die Nische aufzuspüren. Also in welchem Kontext wird noch gesucht?

Das Keyword Tool kann folglich eine mächtige Waffe sein und ist bei dem Aufbau einer Seite enorm hilfreich. Dabei sollten wir allerdings nicht vergessen, dass man

  • …den Wettbewerb nicht überschätzen und
  • …die Suche auf exakt stellen sollte.

Wenn Du eigene Erfahrung mit Googles Keyword Tool beisteuern möchtest oder die Zahlen anders deutest, freue ich mich über Deinen Kommentar :)

18 Meinungen

  1. Eine sehr gut und intelligente Auseinandersetzung mit diesem Thema 😉

    Weiter so…und eine Menge mehr solcher Artikel!

  2. David03-09-2012

    Du hast die Problematik nochmal sehr gut erklärt und vertieft.
    Es freut mich dass ich dabei ein klein wenig inspirieren konnte :)

  3. Helge03-09-2012

    Ups.

    Ich schreibe nie wieder eMails. Aber danke für die schöne Erklärung :)

  4. Jonas G.03-09-2012

    @David
    Es freut mich, danke für den Anstoß.

    @Helge
    Doch, immer her damit. Ich freue mich über jede Frage und versuche sie, so schnell es geht, zu beantworten. Manchmal nur eben per Artikel :)

    beste Grüße

  5. Thomas Rith03-09-2012

    Sehr gut erklärt… :) Die Wettbewerbsanzeige kann man höchstens als Richtwert nehmen, wenn man zum Beispiel mit Adsense als Einnahmequelle plant. Dann kann man davon ausgehen, dass die Klickpreise höher sind als im niedrigen Wettbewerb.

    • Jonas G.03-12-2012

      Die konkreten Klickpreise kann man doch aber auch über den Traffic-Estimator erfahren (links oben im Bild), dort einfach Budget und CPC festlegen und schon erhalten wir einen Einblick in die durchschnittlichen Kosten und Klickpreise – natürlich nur geschätzt :)

      Einen schönen Start in die Woche wünsche ich :)

  6. Mac Donald03-15-2012

    Dankesehr – das erklärt so einiges. Dieser Artikel hat mir hinsichtlich SEO und dem Google Keyword Tool etwas die Augen geöffnet. Danke

  7. constantin06-07-2012

    sehr informativer Artikel. Vielen Dank.

  8. Watcher06-09-2012

    Hi!
    Danke für den Artikel!
    Das erklährt so einiges;-)
    Grüsse!

  9. simon06-28-2012

    sehr informativer Artikel. Vielen Dank.

  10. Shaun06-30-2012

    Danke für den sehr aufschlussreichen Artikel. Ich habe auch feststellen müssen, dass ich viel zu wenig Zeit in SEO investiert habe.
    Ich ranke zwar mit meinen Suchbegriffen auf Platz eins, aber der Traffic danach bleibt aus :[

  11. Efkan07-05-2012

    Hi, Danke für diese Erläuterung. Sicher hilft jede Info weiter. Ich bin eher ein Neuling mit angelesenen Grudnkenntnissen in diesen Themen, interessiere mich gerade jetzt brennend für das Thema „Keyword-Analyse“.
    Und habe auch gleich eine Frage an Dich bzw. an Euch:
    Sebastian (Challenger) macht laut Deinen Angaben rund 1000 € pro Monat mit der Seite (disco tanzen lernen) … das Keyword-Tool spuckt mir gerade mal 390 mtl. Suchanfragen aus. Heißt also für mich, dass ich auch ohne hohe Suchanfragen viel passiven Income erzielen kann? Oder wie muss ich das im Zusammenhang verstehen? lg

    • Jonas G.07-05-2012

      Ich gehe davon aus, dass Sebastian noch über eine handvoll anderer Begriffe rankt und somit mehr Besucher auf die eigene Seite zieht.

      Aber dennoch: Ich habe ganz unterschiedliche Projekte und manche haben wirklich nur eine ganz geringe monatliche Besucherdichte, also Seiten, die lediglich rund 1.000 Besucher auf sich vereinen, und dennoch attraktiv sind.

      Wenn sich bei wenigen Besuchern nämlich dennoch ein Kaufwunsch ausdrückt, macht das natürlich dennoch Sinn. Gehe ich davon aus, dass ich rund 500 Besucher erhalte und eine Conversion-Rate von 5% habe (das bewegt sich ja im realistischen Rahmen), sind das ja 25 abgeschlossene Sales. Haben wir nun ein hochwertiges Produkt, können das folglich 10-30€ pro Sale sein. In diesem Fall also 250€ – 750€.

      Das ist natürlich alles nur Spekulation, aber ja: Es geht und oftmals ist es sinnvoll, lieber eine kleine Nische zu bedienen und dort Kleinvieh zu halten, als sich mit den Großen der Virtualität zu messen.

      In diesem Zusammenhag würde ich Dir noch den Artikel: Fehler bei der Keyword-Recherche – bringen starke Keywords wirklich Besucher? empfehlen :-)

      beste Grüße

    • Jonas G.07-05-2012

      Du musst Dich nicht entschuldigen. Alles super :-)

      Allerdings bin ich, Jonas, ganz alleiniger Blogbetreiber. Hier gibt es keine Autorenvielzahl.

      Prinzipiell gibt es keine Regel, die ich jetzt anführen könnte. Idealerweise findest Du eine Nische, die Potential hat und kannst durch Subkeywords – also Begriffe, die arg damit verbunden sind – punkten. Ich würde allerdings eine Kombination wählen, die entweder sehr stark gesucht wird (1000+), mehrere Unterkategorien aufweist oder eben sehr teure Keywords forcieren. Aber das ist lediglich meine Meinung und hier gibt es mit Sicherheit ganz unterschiedliche Ansichten :-)

      Ganz genau habe ich das alles erklärt, als ich meine Taufseite ins Leben gerufen habe. Schon einen Blick riskiert? In der Top-Navigation (oben) findest Du den Punkt Affiliate-Marketing und dort habe ich das Projekt detailliert beschrieben.

      Hab keine Scheu, wenn es noch mehr Fragen gibt. Raus damit!

  12. Efkan07-05-2012

    Ups, ich nochmal … sagte ja, bin ein Neuling. Ich glaube, bin selbst grad dahinter gestiegen:
    Wenn ich das richtig deute/verstehe, kommt es hierbei auf die kluge kombi der keywords an, oder? tanzen+lernen spuckt das tool 5400 anfragen aus, daraus lässt sich schon eher Einkommen generieren, als von nur 390 Anfragen…stimmt das?

    Kann man denn generell eine Regel (grob natürlich) bestimmen, dass z.B. für ein Monatliches Passiveinkommen von ca. 1000 € (bei besten Links+Produkten+Affiliate etc) man eine bestimmte Anzahl an Besuchern haben muss?

    Entschuldigt, falls meine Fragen Euch doof vorkommen sollten, aber vielleicht kann jemand unter Euch aus Erfahrung solche Regeln erkennen?!

    Gruß

  13. Efkan07-05-2012

    Jonas, vielen lieben Dank für die schnelle Antwort. Ich bin erst neu auf deine Seite gestoßen und werde mit sicher alles anschauen und viel rumklicken :-)

    Eine Deiner Aussagen hilft mir sehr, quatsch, alle helfen sehr, tausend dank,, aber diese eine besonders, da dies neues Wissen für mich ist: 1000+ bezeichnest Du als stark. Das ist doch mal ne Hausnummer. Ich wusste nicht ab welcher Zahl man von guter Frequenz sprechen kann.

    Aber du hast vollkommen Recht, es kommt letztendlich auf die Qualität der Besucher und die Sales an. Habe viele Ideen und werde mal in nächster zeit loslegen und meine erste landing Page erstellen. ‚Do it‘ heißt mein neues Motto. Ich glaube da steckt auch ein Schlüssel für den Erfolg, nicht nur denken, sondern auch handeln!
    Danke. Bis bald. Gruss Efkan

  14. Udo Thiem08-25-2012

    Wichtig ist auch für welche Zweck ich ein Keyword suche. Für einen neuen Shop ist es einfacher eine gute Position über ein Keyword mit einem nicht so hoher Konkurrenz zu erreichen. Und ein spezifisches Keyword kann auch zielführender sein, wenn man Kunden zum Kaufen bewegen will.