Bloggen und Geld verdienen – Bin ich Unternehmer?

Viele Blogger spielen mit dem Gedanken mit ihrem Blog Geld zu verdienen.

Hier stellt sich dann sofort eine wichtige Frage.

Kann ich als Blogger Unternehmer sein und muss ich meine Umsätze versteuern, meine Einnahmen dem Finanzamt melden und vielleicht sogar eine Buchhaltung machen?

Für die Einordnung, ob ich Unternehmer bin (also ein Gewerbe vorliegt) ist die Gewinnerzielungsabsicht maßgeblich.

Gewinnerzielungsabsicht

Was sagt uns das?Als Blogger mit Gewinnerzielungsabsicht ist man für das Gesetz Unternehmer (Gewerbetreibender). Geregelt ist die Grundlage der Gewinnerzielungsabsicht in § 15 EStG (Einkommenssteuergesetz), Absatz 2.

Dort ist definiert: Wer eine selbstständige nachhaltige Betätigung mit der Absicht Gewinn zu erzielen ausübt führt einen Gewerbebetrieb.

Klar ist somit: Die Tätigkeit als Blogger ist selbstständig und auf Dauer angelegt (Nachhaltigkeit). Gewinnerzielungsabsicht liegt vor, da ich mit meinem Blog Geld verdienen möchte. Der Gewerbebetrieb liegt wegen gegebener Gewinnerzielungsabsicht also vor.

Der Gewinnerzielungsabsicht steht die Liebhaberei entgegen. Wird ein Blog nur als Hobby betrieben, ohne damit Geld verdienen zu wollen, dann kann es sich um Liebhaberei handeln.

Das kann der Fall sein, wenn mit einem Blog lediglich Einnahmen in Höhe der Betriebskosten für den Unterhalt der Webseite erzielt werden. Sobald aber mit AdWords, Affiliate-Programmen oder bezahlten Gastartikeln größere Umsätze und Gewinne erzielt werden, liegt in der Regel eine Gewinnerzielungsabsicht und somit auch ein Gewerbebetrieb vor.

Wer einen Gewerbebetrieb führt ist zu Ermittlung des Gewinns verpflichtet.

Der Gewinn ermittelt sich aus der Differenz von Einnahmen zu Ausgaben. Da der Gewinn zum Einkommen gehört (in diesem Fall aus selbstständiger Arbeit) muss er bei der Einkommenssteuererklärung angegeben werden. Die Gewinnermittlung kann mit der Anlage EÜR der Finanzbehörde erfolgen. Diese Anlage muss dann der Einkommenssteuererklärung beigefügt werden.

Die im Kalenderjahr angefallenen Einnahmen und Ausgaben sollten aber unbedingt schon über das gesamte Jahr festgehalten werden, z.B. mit einem Tabellenkalkulationsprogramm oder mit einer Einnahmen Überschuss Rechnung.

Wichtig ist auch, dass alle Belege (Eingangs- und Ausgangsrechnungen) sorgfältig aufbewahrt werden, da diese als Nachweis über die Zahlungen dienen und ggf. dem Finanzamt eingereicht werden müssen.

Besteht Umsatzsteuerpflicht?

Grundsätzlich sind alle Unternehmer verpflichtet, ihren Kunden Umsatzsteuer (allgemein auch als Mehrwertsteuer bezeichnet) in Rechnung zu stellen und diese an das Finanzamt abzuführen. Das Abführen der Umsatzsteuer erfolgt durch eine monatlich an das Finanzamt zu richtende Umsatzsteuervoranmeldung.

Ausnahme: Eine Befreiung von der Umsatzsteuer ist möglich, wenn der Umsatz geringer als 17.500 € im Jahr ist (Kleinunternehmerregelung).

Steigt der Umsatz im nächsten Jahr über 17.500 €, bleibt jedoch unter 50.000 €, kann nochmal die Kleinunternehmerregelung Anwendung finden. Wichtig ist allerdings, den voraussichtlichen Umsatz einzuschätzen. Denn fällt der Umsatz auch nur einen Cent höher als die Freigrenze aus, muss für das gesamte Jahr die Umsatzsteuer abgeführt werden.

Findet die Kleinunternehmerregelung Anwendung, darf auch auf keinen Fall die Umsatzsteuer auf der Rechnung ausgewiesen werden, denn auch in diesem Fall würde man sofort uneingeschränkt Umsatzsteuerpflichtig werden. Daher sollte auf Rechnungen der Hinweis auf die Befreiung zur Umsatzsteuer nicht fehlen.

Besteht Buchführungspflicht?

Die Buchführungspflicht besteht nach § 238 HGB (Handelsgesetzbuch) für jeden Kaufmann. Kaufmann ist nach § 1HGB jeder, der ein Handelsgewerbe betreibt. Ein Handelsgewerbe ist jeder Gewerbebetrieb. Daraus könnte die Buchführungspflicht für Blogger also begründet sein.

Jedoch gibt es auch hier wieder eine Ausnahme. Einzelkaufleute, die nicht mehr als 50.000 € Jahresgewinn und 500.000 € Jahresumsatz aufweisen, sind zur Pflicht zur Buchführung befreit. Da man als Blogger als einzelne Person zu den Einzelkaufleuten zählt, ist man unterhalb der genannten Gewinn- und Umsatzgrenzen von der Pflicht zur Buchführung befreit.

Bloggen und Geld verdienen – Fazit

Wenn ich einen Blog nur als Hobby betreibe, ohne in irgendeiner Form Geld damit zu verdienen (Affiliate-Seiten, Partnerprogramme, Google-AdSense, Verfassen von Gastartikel gegen Entlohnung) oder verdienen zu wollen, bin ich kein Unternehmer und muss auch keine Umsatzsteuer abführen.

Sobald der Blog aber Einnahmen erzielt, könnte bereits die Gewinnerzielungsabsicht unterstellt werden und somit ein Gewerbebetrieb vorliegen. Wer sich bei der Beantwortung dieser Frage nicht sicher ist sollte bei dem zuständigen Finanzamt nachfragen.

Leider kommt man auch als Blogger nicht immer um unternehmerische und rechtliche Fragestellungen herum. Wer sich jedoch einmal damit beschäftigt und die wichtigsten Grundlagen liest, bekommt schnell einen Überblick.

Klar sollte aber auch sein: Bei individuellen Problemstellungen und großem Beratungsbedarf sollte ein Steuerberater, die Gründungsberatung oder die zuständige Finanzbehörde aufgesucht werden. Diese Stellen helfen bei rechtlichen und steuerlichen Fragen gerne weiter.

6 Meinungen

  1. Fabian021204-16-2012

    Hallo,

    danke für diesen sehr interessanten Artikel, der mich doch etwas verunsichert.

    Ich versuche derzeit über zwei Web-Projekte mir etwas dazu zu verdienen. Alles steht noch ganz am Anfang und bisher ist auch noch kein Geld geflossen.

    Meine Frage: Muss ich gleich ein Gewerbe anmelden, oder erst, wenn ich erste Einnahmen zu verzeichnen habe?

    • Jonas G.04-19-2012

      Vorab: Keine Ahnung, wie man Centbeträge handhabt!

      Dennoch: Ich halte es für ratsam, in jedem Fall umgehend ein Gewerbe anzumelden, jedenfalls bevor es zu den ersten Auszahlungen kommt. Das erspart im Nachhinein jede Menge Wege und Rechnungen.

  2. Webkatalog04-17-2012

    Auch ein dickes Dankeschön – ist schon interessant gerade wenns um Cent Beträge geht.

    Grüsse

  3. Frank04-24-2012

    Das Problem ist die Gewinnerzielungsabsicht beim Bloggen. Diese ist i.d.R. gegeben, wenn man mit Affiliate-Marketing, AdSende, Gastbeiträgen und Co. Geld verdient. Sofern die Einnahmen die Kosten für den Blog nicht decken, kann evtl. auf ein Gewerbe verzichtet werden. Wenn ich jedoch Gewinne erziele die in den dreistelligen Eurobreich gehen würde ich unbedingt ein Gewerbe anmelden. Aber wie Jonas schon schreibt, wer auf der sicheren Seite sein will, sollte vorher das zuständige Finanzamt fragen. Die sagen einem, ob ein Gewerbe nötig ist.

    Gruß

  4. Monika Heidrich06-14-2012

    Hallo, ich bin ebenfalls sehr erstaunt und konnte dank Ihres Beitrages einiges in Bezug auf Internet verdienen und Unternehmer lernen.

  5. Victoria08-22-2012

    Mich würde interessieren, wie die Lage für Blogger in Österreich aussieht