BITKOM 2012 – Umfangreiche Studie zu Social Media

In den letzten Wochen habe ich schon häufiger über aktuelle Trends und Bewegungen im Bereich Social Media berichtet. Manchmal ging es dabei lediglich um kleinere Infografiken und Videos, einige Male aber auch um größere Auswertungen.

Die BITKOM-Studie zur Nutzung sozialer Netzwerke ist wohl eher als kolossal einzustufen, denn immerhin bündelt Sie die Antworten von über 1.000 Internetnutzer ab 14 Jahre und hat somit eine ungeheure Datenmenge erhoben.

Das ist sehr interessant und vor allem aufschlussreich. Denn wie steht es denn um die geliebten sozialen Netzwerke, wie Facebook, Twitter und Google Plus.

Wer nutzt sie und wozu? Und natürlich kommt man nicht umhin, einmal auf den täglichen Verbleib zahlreicher Stunden zu blicken, die wir, social, wie wir sind, in virtuellen Netzwerken vertrödeln.

Also, werfen wir einen Blick auf die aktuellen Zahlen der BITKOM-Studie 2012…

Wie schneiden die sozialen Netzwerke ab?

Die aktuelle BITKOM-StudieKaum jemand dürfte es verwundern, dass Facebook weiterhin die Spitzenposition innehat.

Auch wenn Google in den letzten Monaten stark auf der Überholspur angerast kommt, nutzen immerhin rund 51% aller Befragten den blauen Riesen, um sich mit Verwandten, Freunden und Unbekannten auszutauschen.

Und auch wenn annimmt, dass Google Plus in den letzten Monaten enorm gewachsen ist, scheint das bisher den durchschnittlichen Nutzer reichlich wenig zu interessieren.

Lediglich 3% aller Befragten nutzen das Pendant aktiv und tummeln sich lieber auf studiVZ (12%), StayFriends (17%) oder wer-kennt-wen (12%).

Das finde ich insofern erstaunlich, als dass immer mehr Grafiken und Artikel den Letztgenannten einen virtuellen Tod bescheinigen, die Abwärtsflaute propagieren und die Nachgeborenen (Facebook, Google Plus) jauchzend begrüßen.

Das ist mit Sicherheit in den Sphären, wo sich Blogger, Twitterer und Online-Marketer das Händchen reichen, auch knallharte  Realität. Die Frage ist jedoch, ob das eher als avangardistisch oder Fehlinterpretation zu deuten ist.

Dass Google Plus allerdings mittlerweile Twitter eingeholt hat (ebenfalls 3%) ist eher weniger erstaunlich, da das Netzwerk stark mit der Suche, den Mail und anderen Google-Diensten verknüpft ist. Ob wir uns diesbezüglich allerdings sorgen müssen, ist natürlich fraglich. Bedenklich aber in jedem Fall.

Auffällig ist bei dieser Auswertung allerdings, dass der Hauptanteil der deutschen Internetnutzer sehr jung ist, was mit Sicherheit niemanden verwundert, auch wenn SilverSurfer und ältere User immer mehr auf dem Vormarsch sind. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich das in den kommenden Studien verändert.

Denn früher oder später wird eine Generation wohl übergehen und Greise wehmütig auf Facebook verharren.

Erste Anzeichen dafür sieht man in der nachfolgenden Verteilung, denn den größten Anteil haben Netzwerke wie wer-kennt-wen und studiVZ vor allem bei älteren Nutzern, wobei die jüngere Generation Facebook bevorzugt.

Jasmina schreibt auf der Onlinelupe, dass […] die Nutzung und Beliebtheit eines sozialen Netzwerkes in hoher Abhängigkeit zum Alter der Nutzer steht.

Einerseits mag das stimmen, doch sehe ich hierbei vielmehr das angesprochene Hineinwachsen. Denn als studiVZ und Co der absolute Renner waren, durchlebten die derzeitgen Nutzer selbst diesen Hype und sind gewissermaßen mit „ihrem“ Netzwerk verschmolzen. Und auch die Nutzerzahlen im Bereich 50+ sprechen für diese These, denn der Social-Hype setzte nicht mit studiVZ – was natürlich auch an der Zielgruppe vorbeigeht – ein, sondern eben mit Facebook.

Das ist beispielsweise einer der Gründe, warum ich selbst bis dato Google Plus verschmähe, da ich einfach mehr Kontakte, Bezüge und Projekte auf Facebook besitze, was einen Übergang natürlich verkompliziert.

Bitkom-Studie: Soziale Netzwerke und die Nutzerverteilung

Nutzungsintensität – Wie viel Zeit verbringen wir mit sozialen Netzwerken?

Diese Frage ist natürlich sehr ambivalent zu betrachten, denn Nutzungsdauer, wirkliche Zeit und die tatsächliche Klickerei können unter Umständen sehr stark divergieren. Ich bin mit Sicherheit mehr als 12 Stunden täglich online, verbringe de facto aber nicht mehr als eine Stunde effektiv in der sozialen Virtualität.

Dennoch: fast 60% aller Befragten geben an, mindestens einmal täglich im Netzwerk ihrer Wahl aktiv zu sein, wenn auch nur knapp die Hälfte (48%) um die zwei Stunden dort zubringt.

Hierbei gibt es natürlich Ausreißer und so hält sich gewissermaßen die Waage, wobei die heavy user (mehr als zwei Stunden täglich) einen doch recht hohen Anteil in der BITKOM-Studie (11%) haben.

Blickt man allerdings auf die Nutzungsintensität selbst, fällt auf, dass es gravierende Unterschiede gibt. Zwar scheinen sich die jeweiligen Nutzer doch recht gut auf die diversen Anbieter zu verteilen, führt dies nicht unmittelbar zur wirklichen Aktivität.

Aber auch hierbei beansprucht Facebook die klare und bisher unumstrittene Spitzenposition, denn fast drei Viertel der aktiven Facebook-Nutzer (75%) loggt sich auch wirklich täglich ein und verbringt die virtuelle Zeit mit dem Liken und Sharen von Inhalten. Wohingegen Plattformen wie wer-kennt-wen oder auch StayFriends ihre virtuelle Herde lediglich einmal in Woche begrüßen dürfen.

BITKOM-Studie: Die Nutzungsintensität der sozialen Netzwerke

Die Private und Berufliche Nutzung von Social Media

Wenn ich mich selbst beobachte, fällt mir auf, dass ich die sozialen Netzwerke recht ausgeglichen nutze. Twitter beispielsweise hauptsächlich für berufliche Zwecke und auch über Facebook promote ich Artikel gleichermaßen, wie ich es zum privaten Austausch nutze. Das liegt aber wohl daran, dass ich Blogger bin.

Das ist aber natürlich nicht unbedingt die Regel und die BITKOM-Studie unterstreicht diese Aussage ungemein. So werden alle sozialen Netzwerke hauptsächlich privat genutzt, was ja letzten Endes auch Sinn und Zweck des Ganzes ist.

Hierbei fällt allenfalls auf, dass XING oder auch LinkedIn hauptsächlich im Zusammenhang mit Arbeit und Beruf verwendet wird, was aber auch nicht verwundert, handelt es sich doch um Business-Netzwerke.

Interessant ist nun allerdings, dass soziale Netzwerke auch im Berufsleben und eben von Unternehmen immer ernster genommen werden, denn auch Tweets (8%) werden mittlerweile aus rein beruflichen Aspekten abgesetzt.

Ich denke allerdings, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren weiter fortsetzen wird. Vor allem dann, wenn das Vernetzen auch in puncto Suchmaschinenoptimierung eine tragende Rolle einnimmt.

Wie wird Social Media genutzt - beruflich oder privat?

Die Nutzungsmotivation – Wofür wird Social Media verwendet?

Wenn wir eben davon sprachen, dass Social Media vermehrt Privatsache ist und bis dato eher weniger von Unternehmen genutzt wird, sind die folgenden Zahlen natürlich kaum verwunderlich.

Die meisten Nutzer sind im Netzwerk ihrer Wahl aktiv, um Menschen kennen zu lernen (37%), sich über das Leben ihrer Freunde zu informieren (71%) oder aber das aktuelle Tagesgeschehen zu verfolgen (28%).

Somit macht Facebook immer noch genau das, was die Grundintention war – Den Blick in die vier Wände ermöglichen, bloß nicht in die eigenen.

Aber in einer Zeit, wo wir nach einem Bewerbungsgespräch unser Gegenüber erstmal googlen oder seinen Facebook-Status überprüfen, ist das natürlich kaum verwunderlich und macht letzten Endes wohl auch die Faszination-Facebook aus.

Hierbei fällt vor allem auf, dass sich das durch alle Altersgruppen durchzieht und die Hauptmotivation eben in diesen Aspekten verankert ist. Überrascht hat mich allerdings, dass rund 20% der Altersgruppe 50+ sich über Produkte in ihrem sozialen Netzwerk informieren.

Umso interessanter ist es natürlich für Unternehmen und eben Dienstleister, eine formidable Präsenz im Bereich Social Media aufzubauen.

Wofür werden soziale Netzwerke hauptsächlich genutzt?

Die BITKOM-Studie – Ein Fazit

Ich habe in dieser kleinen Auswertung nur die Aspekte aufgegriffen, die ich sehr interessant finde. Die komplette Studie geht allerdings auf eine Vielzahl unterschiedlicher Details ein und auch ein Blick auf andere Blogger kann in diesem Zusammenhang nicht schaden.

Ein paar empfehlenswerte Links setze ich unter diesen Blog-Artikel und natürlich auch nochmals einen Verweis auf die BITKOM-Studie selbst.

Interessant finde ich, dass Facebook immer noch eine so dominante Rolle einnimmt und zwar jeder Hahn kräht, aber sich wohl niemand wirklich abwenden mag. Aber das ist wohl einfach das Phänomen der Masse oder eben Herde. Ich bin dort, wo meine Freunde sind und setze eben ungern neue Maßstäbe.

Ein soziales Netzwerk macht ja auch nur dann Sinn, wenn ich dort nicht allein bin.

Außerdem finde ich es sehr spannend, dass vermehrt ältere Nutzer im Bereich Social Media aktiv sind und somit zu einer sehr relevanten, gar nicht so jugendlichen Zielgruppe heranwachsen, was bei kommenden Aktionen unbedingt mit eingeplant werden sollte.

Für mich als Blogger bedeuten diese Zahlen aber hauptsächlich, dass ich weiterhin vermehrt auf Facebook setzen werde, denn Google Plus ist mit Sicherheit sehr spannend und interessant, aber bis dato noch nicht wirklich angekommen…

Weiterführende Links

3 Meinungen

  1. Helge01-25-2012

    Sehr interessante Daten, die hier ausgewertet werden.

    Ich hätte gedacht, dass Google Plus mittlerweile einen größeren Zuspruch hat. Nutze es zwar selbst eher wenig, bin aber dabei und „suche“ noch händeringend nach meinen „Facebook-Freunden“

    Ich, als Nutzer der „Generation 50+“ kann allerdings nicht bestätigen, dass ich viele Produkte via Facebook suche, aber es geht ja nur um Durchschnittswerte.

  2. Jonas G.01-26-2012

    Hallo Helge,

    ja, ich finde die BITKOM-Studie auch recht spannend, aber das ist vieles, was auf den hauseigenen Seiten an Studien, Umfragen und Co ermittelt wird.

    Wie es um die Produktsuche steht, kann ich leider kaum beurteilen, ich nutze dafür Google, Freunde und notfalls anonyme Beschreibungen :)

  3. Ida S.05-10-2012

    Danke für den interessanten Bericht. Anscheint sind die sozialen Medien das Instrument im Online-Marketing für 2012. Ergänzend dazu habe ich heute noch diesen Bericht gefunden:
    http://www.marketingfish.de/all/aktuelle-bitkom-studie-die-haelfte-der-deutschen-unternehmen-setzt-auf-social-media-schon-oder-erst-5981/