Muss man Affiliate-Links als Werbung kennzeichnen?

Das Affiliate-Marketing ist eine super Sache. Wir verweisen in unzähligen Artikeln auf unsere Partner und wenn irgendwer auf die Idee kommt, unserem Link zu folgen, können wir daran verdienen.

Eigentlich ist es nichts anderes, als das Erzählen im eigenen Wohnzimmer. Ich berichte darüber, dass mir der MediaMarkt wirklich gut gefällt und mein bester Freund entscheidet sich, ebendort seinen neuen Laptop zu kaufen

Nun sind wir im Internet nicht wirklich befreundet und Empfehlungen finden auch nicht in den eigenen vier Wänden statt, sondern können ganz schnell als Schleichwerbung gelten.

Deshalb macht es Sinn, einmal auf die folgende Frage einzugehen: Muss man Affiliate-Links als Werbung kennzeichnen?

Was sind Affiliate – Links überhaupt?

Was sagt uns das?Affiliate-Links sind eine Möglichkeit, um im Internet Geld zu verdienen.

Dabei verweisen wir auf den ausgewählten Partner und bekommen bei einem erfolgreichen Kauf (Sale, Lead, Click) eine Provision gutgeschrieben.

Diese bewegt sich in ganz unterschiedlichen Dimensionen. Manchmal ernten wir Centbeträge und einige Partnerprogramme offerieren sogar horrende Summen.

Da ein Affiliate-Link meistens einen Code beinhaltet, der uns als Empfehlenden kennzeichnet, trägt dieser noch jede Menge andere Informationen in sich und sieht ungefähr so aus:

So sieht ein Amazon-Partnerlink aus - Nicht gerade einladend.

Nun gibt es mehrere Möglichkeiten, unsere Affiliate-Links zu verstecken, zu maskieren und für den Besucher unkenntlich zu machen. Viele Webmaster bemühen sich förmlich, die Partnerlinks so unauffällig, wie nur möglich zu gestalten. Klar ist, dass das obige Beispiel eher abschreckend wirkt.

Das ist auch gar kein Problem, denn das liegt nämlich in der Sache selbst. Wir bewegen uns rechtlich nämlich auf dünnem Eis, wenn wir kommerzielle Angebote nicht als solche ausweisen. Üblicherweise muss man Werbung kennzeichnen und eben darauf hinweisen, dass es sich hierbei um eine Anzeige handelt.

Dabei geht es nicht nur um den angezeigten Link, sondern eben auch um die Ausweisung im direkten Content. Beispielsweise durch einen Stern (*) oder einen anderen Hinweis, dass es sich hierbei um einen Anzeigenlink handelt.

Denn wann weiß ein User sonst, ob wir an ihm verdienen oder eben nicht? Und warum kann das überhaupt problematisch sein?

Selbstredend ist dieser Artikel keine rechtliche Beratung, sondern stellt lediglich meine Einschätzung der aktuellen Lage dar.

Müssen Affiliate-Links als Werbung gekennzeichnet sein?

Die Antwort ist ein eindeutiges Jein!, denn so wirklich sicher kann man das nicht sagen und noch kein Gericht dieser Welt hat diesbezüglich einen endgültigen Entschluss gefällt.

Allerdings fällt Werbung, die nicht als solche gekennzeichnet ist, unter die Kategorie der Schleichwerbung und das ist eben nicht erlaubt. Ganz klare Richtlinien gibt es diesbezüglich in Paragraph 6 des TMG.  Dort heißt es:

Kommerzielle Kommunikationen müssen klar als solche zu erkennen sein.

Um zu überprüfen, ob das auch für Affiliate-Links gilt, lohnt es sich, einen Blick in den Staatsvertrag für Mediendienste zu werfen, denn dort werden unter §3 Absatz 5 auch Ausnahmen der Kennzeichnungspflicht aufgeführt:

[..] die folgenden Angaben stellen als solche keine Form der kommerziellen Kommunikation dar:

  1. Angaben, die direkten Zugang zur Tätigkeit des Unternehmens oder der Organisation oder Person ermöglichen, wie insbesondere ein Domain-Name oder eine Adresse der elektronischen Post und
  2. Angaben in Bezug auf Waren und Dienstleistungen oder das Erscheinungsbild eines Unternehmens, einer Organisation oder Person, die unabhängig und insbesondere ohne finanzielle Gegenleistung gemacht werden […] Quelle

Das heißt also, dass ich fröhlich auf alle Dienstleister dieser Welt verweisen kann, ja, ich darf sie mitunter sogar empfehlen und somit für eine große Vernetzung sorgen.

Es wäre ja auch sinnentleert, würde das unterbunden sein und die Grundlage des Internets selbst aushebeln. Wichtig ist aber, dass wir für den Verweis auf eine andere Seite keine finanzielle Gegenleistung erhalten – das ist übrigens auch für bezahlte Artikel relevant.

Führt man den Gedanken weiterhin aus, müssten Affiliate-Links nicht als solche gekennzeichnet werden, da wir ja nicht unmittelbar für das Verlinken selbst entlohnt werden. Mitunter sogar gar nichts davon, dass wir auf irgendwelche Anbieter verweisen.

Leider gibt es immer noch den Punkt: Was wäre wenn…

Affiliate-Links – rechtliche Grauzone

Es kann vorkommen, dass über unseren Link Geld generiert wird und wir durch den Verweis etwas verdienen. Manchmal nur indirekt oder mit einer langen Zeitspanne, aber irgendwann landet ein kleiner Teil auf unserem Konto.

Wir erhalten somit eine Gegenleistung und das ist natürlich der Sinn von Affiliate-Links, wird aber plötzlich zum Problem mit der Rechtslage.

Leider gibt es diesbezüglich keine eindeutige Entscheidung eines Gerichts und jeder Blogger befindet sich, wenn er auf eine Kennzeichnung verzichtet, in einer rechtlichen Grauzone.

Wie kann ich meine Links als Werbung kennzeichnen?

Werbung kann man sehr einfach kennzeichnen. Dafür setzen wir einfach unter die jeweiligen Banner und Bilder den dezenten Hinweis, dass es sich hierbei um Werbung handelt.

Nutzen wir Google Adsense, ist der Hinweis sogar schon inklusive und wir befinden uns auf der sicheren Seite. Bei Text-Links ist das aber manchmal ein wenig komplizierter.

Denn der permanente Verweis, kann einerseits den Lesefluss stören und natürlich auf der anderen Seite die Keyword-Dichte eines Textes verhunzen. Steht in einem Blog-Artikel zehnmal das Wort Anzeige oder eben Werbung, ist das aufgebrachte Feingefühl für suchmaschinenoptimierte Beiträge irgendwie dahin.

Trotzdem gibt es vielfältige Möglichkeiten, um einen Affiliate-Link als solchen zu kennzeichnen. Viele Blogger verwenden dafür einen Stern (*) und verweisen in einer Legende darauf, dass es sich hierbei um einen Empfehlungslink handelt.

Aber auch das macht nur bedingt Sinn, denn die Botschaft sollte idealerweise auch in unmittelbarer Nähe des eigentlichen Links auftauchen. Ein verschachtelter Satz im Impressum bringt da recht wenig.

Weiterhin können wir in Klammern darauf verweisen, dass es sich beim entsprechenden Link um eine Anzeige oder auch Werbung handelt, was aber mitunter zu einer niedrigeren Klickrate führen könnte. Wobei ich das nicht 100% verteidigen möchte, da ich dafür keine Belege habe.

Affiliate-Links und die Werbung – Fazit

Ich selbst kennzeichne Affiliate-Links bis dato nicht als Werbung, auch wenn ich dann auf der sicheren Seite stünde.

Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass ich im Geheimen Geld scheffeln möchte, sondern hat in diesem Fall ganz andere Gründe:

  • Ich sehe, dass es im Internet Gang und Gebe ist, Affiliate-Links nicht zu kennzeichnen und auch große Seiten scheren sich mitunter überhaupt nicht darum.
  • Da immer noch nicht klar ist, ob Affiliate-Links gekennzeichnet werden müssen, halte ich Panik für unangemessen und verzichte daher gern.

Dennoch habe ich mich entschieden, in den nächsten Tagen umzudenken und mir ein paar Möglichkeiten für die Darstellung zu überlegen.

Denn früher oder später wird sich schon ein Gericht rühren und genau festlegen, ob Affiliate-Links als Werbung gekennzeichnet werden müssen oder eben nicht. Dann möchte ich lieber auf der richtigen Seite stehen und nicht unzählige Links nachträglich verändern.

Außerdem sind wir als Webseitenbetreiber und Blogger in der Informationspflicht und Unwissenheit schützt selten vor Strafe – Das heißt, dass ich es als empfehlenswert erachte, hierbei aufmerksam zu sein, denn eine plötzliche Änderung der Rechtslage wird uns nicht schriftlich mitgeteilt und bevor wir die Konsequenzen zu tragen haben, ist dieser Weg mit Sicherheit bequemer.

Update: Plugin und CSS-Code, um Links automatisch zu kennzeichnen.

Was denkst Du zum Thema? Kennzeichnest Du alle Affiliate-Links ausdrücklich als Werbung oder hast Du vielleicht schlechte Erfahrungen damit gemacht? Ich freue mich über Deinen Kommentar :)

8 Meinungen

  1. Helge03-06-2012

    ich finde diesen ganzen Rechtskram so ermüdend und belastend. Das fängt beim richtigen Impressum an und hört bei Affiliate-Links auf. Ich selbst zeige keinem, dass ich solche Links setze und hoffe, dass es niemals zu einer solchen Festlegung kommt.

  2. Roland03-06-2012

    Ich verschleiere nicht die Links. Das liegt daran, dass ich mich schon öfter geärgert habe, dass ich dann woanders rauskomme als gedacht. Ich fahre mit der Maus immer über einen Link und wenn ich kein eindeutiges Ziel erkenne, klicke ich nicht.
    Anders ist das bei Seiten auf denen ich regelmäßig surfe.

    Wenn jemand meint, ich dürfe nichts verdienen, dann wird er mir auch im Falle eines verschleierten Links nichts zukommen lassen.

    Es gibt ja noch den „Werbungsfall“ Artikel. Man schreibt für jemand einen Artikel und bekommt Geld dafür. Voraussetzung ist für die meisten Aufträge, dass das nicht als Werbung gekennzeichnet werden darf.

    Ich habe mir überlegt, ob ich nicht alle privaten Artikel mit „das ist keine Werbung“ kennzeichne. Alle ungekennzeichneten Artikel sind dann automatisch Werbung. Das würde ich dann auch so kommunizieren, dass man es sofort erkennt, wenn man die Seite betritt, zum Beispiel durch einen Eintrag oben in der Sidebar.

    • Jonas G.03-06-2012

      Hallo Roland,

      ich verstecke meine Links, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass die Klickrate deutlich höher ausfällt. Aber Du hast natürlich recht, dass kein Mensch auf unsere Links klickt, wenn er uns nicht vertraut und uns die ein oder andere Münze zugesteht.

      Auf die bezahlten Artikel bin ich ja schon eingegangen. hierbei halte ich allerdings das rechtliche Risiko für überschaubar, da uns wohl niemand nachweisen kann, ob wir eine Vergütung erhalten oder eben nicht. Außerdem weiß ich nicht, inwiefern hierbei das Gesetz ausgelegt wird und wahrscheinlich lerne ich das erst, wenn es dann zu spät ist. Werbung sollte man aber in jedem Fall als solche kennzeichnen und ich denke, dass das ausdrückliche Anmerken, dass es sich hier nicht um Werbung handelt, einen Auftraggeber nicht ausreicht :)

      beste Grüße und einen schönen Feierabend wünsche ich Dir

  3. vanvox03-06-2012

    Ich versuche Affiliate Links zu kennzeichnen, indem ich ein * dahinter setze. Allerdings ist das gar nicht immer so einfach, denn wenn man z.B.adgoal nutzt, dann werden Links unter Umständen zu einem späteren Zeitpunkt zu Affiliate Links und da müsste man ständig alle Links überprüfen.

  4. Webkatalog03-06-2012

    Hm, wusste das auch nicht so genau – dachte schon man sollte es kennzeichnen. Schreit aber nach einer Einheitlichen Lösung. Sollte vom Partner mitgeliefert werden wie bei Google Adsense.

  5. stereoscop03-06-2012

    ich weiss nich ob es sinn macht die Werbung als solche erkennbar zu machen, an sich ist doch jedem klar dass ein Banner Werbung darstellt, bei Textlinks ist es zwar nich so einfach zu erkennen, das ganze bedeutet in dem Fall auch deutlich mehr Arbeit, irgenwo will man auch Geld mit einem angemssenen Aufwand verdienen. Liber diese Popupfester verbieten…

    • Jonas G.03-07-2012

      Guten Morgen miteinander, der erste Kaffee dampft glücklich und der Tag kann beginnen :)

      @vanvox

      Ja, das Problem sehe ich mitunter auch und habe damit zu kämpfen. Ich setze beispielsweise mittels des Plugins SEO Smart Links zufällige Backlinks, die teils mit einem Ref-Link ausgestattet sind. Ich habe gestern Abend aber noch eine schöne Lösung gefunden. Diese habe ich zwar noch nicht ausprobiert, aber sollte wohl auch mit adgoals funktionieren. Hier der Link:
      http://www.digitale-probleme.de/webdesign/werbelinks-automatisch-kennzeichnen/

      @Webkatalog

      Naja, es vom Partner mitliefern zu lassen, kann mitunter problematisch sein, denn wir selbst binden Affiliate-Links in Textform ja ein. Das pauschal auf den Partner abzuwälzen halte ich für unmöglich.

      @stereoscop

      Ich gebe Dir Recht, wenn es um Popups geht. Leider habe ich kaum Erfahrungen, ob es zu relevanten Einbußen führt, wenn man einen Affiliate-Link als solchen kennzeichnet. Gerade kam mir der Gedanke, dass es mitunter vom Wie abhängt.

      Ein Stern (*) ist bekannt und jeder identifiziert diesen mittlerweile als Partnerlinks – nun, nicht jeder, aber die Verwendung ist Gang und Gebe. Wie es ja auch vanvox in Ihrem Blog löst.

      Denkbar wäre aber auch ein Symbol – vielleicht ein kleines Dollar/Euro-Zeichen, dass hinter jedem Link steht. Oftmals kann man beobachten, dass positiv-konnotierte Bilder die Klickrate erhöhen – wäre das nicht auf die jeweilige Branche übertragbar. Ein Dollar beim „Geld verdienen“-Link kann folglich das gleiche aussagen, aber eventuell sogar einen positiven Effekt auf die CTR haben?

      beste Grüße und einen schönen Start in den Tag

  6. Josef06-18-2012

    Hallo,

    ich kennzeichne die Links schon. Mit einem Stern wie so oft in der Blogszene. Ich kann immer nicht verstehen, warum da keine klaren Regelungen gemacht werden können. Solch eine Rechtsunsicherheit dient nur dazu um Anwelten gutes Futter und kleine Blog- und Websitebetreiber abschröpfen zu können, denn die können sich ja meistens keine Rechtsabteilung leisten.

    freundliche Grüße
    Josef